Gaslighting ist eine Form der psychologischen Manipulation, bei der das Opfer absichtlich in seinen Wahrnehmungen und Überzeugungen verunsichert wird. Dies geschieht oft durch Lügen, Unterstellungen und Verdrehen von Tatsachen. Der Begriff „Gaslighting“ beschreibt eine Art psychischer Gewalt, bei der die Betroffenen durch wiederholte Lügen, Leugnen und Einschüchterungstechniken so stark manipuliert werden, dass sie beginnen, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Gaslighting kann in verschiedenen Kontexten auftreten, z.B. in romantischen Beziehungen, Freundschaften, der Familie oder am Arbeitsplatz. Die Täter sind nicht selten narzisstische Personen, die ihre Opfer kontrollieren und unterdrücken wollen.

Gaslighting kann schwer zu erkennen sein, da es darauf abzielt, das Opfer zu verwirren und zu isolieren. Opfer können sich unsicher, paranoid und verrückt fühlen. Sie können Schwierigkeiten haben, sich selbst zu vertrauen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Was ist Gaslighting?

In einem Satz: Gaslighting ist eine manipulative Taktik, bei der jemand absichtlich falsche Informationen liefert oder Situationen so darstellt, dass das Opfer seinen eigenen Verstand und seine Wahrnehmung in Frage stellt.

Gaslighting ist eine Form der psychologischen Manipulation, die darauf abzielt, Selbstzweifel zu erzeugen und das Opfer glauben zu lassen, es sei „verrückt“ oder nicht glaubwürdig. Der Täter nutzt dabei ein Ungleichgewicht der Macht aus und bedient sich häufig Stereotypen in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Rasse, Nationalität oder Klasse. Das Hauptziel des Gaslighters ist es, das Opfer dazu zu bringen, seine eigene Wahrnehmung der Realität zu akzeptieren.

Definition

Der Begriff „Gaslighting“ stammt aus dem Theaterstück „Gas Light“ von 1938, das später als Film adaptiert wurde. In dieser Geschichte überzeugt ein Ehemann seine Frau, dass sie sich Dinge einbildet, die tatsächlich geschehen, einschließlich der Dimmung der Gaslampen im Haus. Diese systematische Verunsicherung führt dazu, dass die Frau glaubt, sie sei verrückt geworden.

Anzeichen von Gaslighting

Gemäß der National Domestic Violence Hotline kann Gaslighting auf verschiedene Arten geschehen. Einige Beispiele sind:

1. Gegenargumentation (Countering): Dies tritt auf, wenn jemand das Gedächtnis einer Person in Frage stellt. Sie könnten Dinge sagen wie: „Bist du sicher? Du hast ein schlechtes Gedächtnis“ oder „Ich glaube, du vergisst, was wirklich passiert ist.“

2. Zurückhaltung (Withholding): Hier gibt jemand vor, das Gespräch nicht zu verstehen oder sich zu weigern zuzuhören, um Zweifel bei der Person zu wecken. Zum Beispiel könnten sie sagen: „Du verwirrst mich jetzt nur“ oder „Ich weiß nicht, wovon du redest.“

3. Bagatellisierung (Trivializing): Dies tritt auf, wenn eine Person die Gefühle einer anderen Person herabsetzt oder ignoriert. Sie könnten sie beschuldigen, „zu sensibel“ zu sein oder übertrieben auf berechtigte und vernünftige Anliegen zu reagieren.

4. Leugnung (Denial): Leugnung beinhaltet, dass eine Person die Verantwortung für ihr Handeln ablehnt. Sie könnten dies tun, indem sie vorgeben zu vergessen, was passiert ist, sagen, dass sie es nicht getan haben, oder ihr Verhalten auf jemand anderen schieben.

5. Ablenkung (Diverting): Bei dieser Technik ändert eine Person den Fokus eines Gesprächs, indem sie die Glaubwürdigkeit der anderen Person in Frage stellt. Zum Beispiel könnten sie sagen: „Das ist nur Unsinn, den du im Internet gelesen hast. Das ist nicht real.“

6. Stereotypisierung (Stereotyping): Ein Artikel aus dem Jahr 2019 legt nahe, dass eine Person negative Stereotypen über das Geschlecht, die Rasse, die Ethnizität, die Sexualität, die Nationalität oder das Alter einer Person absichtlich verwenden kann, um sie zu gaslighten. Zum Beispiel könnten sie sagen, dass niemand einer Frau glauben wird, wenn sie Missbrauch meldet.

Gaslighting ist schwer zu erkennen, da es darauf abzielt, das Opfer zu verwirren. Einige Anzeichen können jedoch auf Gaslighting hindeuten, darunter:

  • Der „Twilight Zone“-Effekt: Opfer fühlen sich, als ob eine Situation unwirklich oder auf einer anderen Ebene als der Rest ihres Lebens stattfindet.
  • Das Gefühl, verrückt oder paranoid zu werden.
  • Veränderungen in der eigenen Wahrnehmung der Realität.
  • Beschreibungen als verrückt, irrational oder überemotional.
  • Aussagen, dass man übertreibt.
  • Verwirrung und Machtlosigkeit nach einer Interaktion.
  • Isolation des Opfers von Freunden und Familie.
  • Tonpolizei: Kritik am Ton des Opfers, um die Schuld auf dieses zu lenken.
  • Ein Zyklus von warm-kaltem Verhalten: Wechsel zwischen Lob und verbaler Missbilligung, oft in derselben Konversation.

Gaslighting und Narzissmus

Gaslighting ist ein Verhalten, das Menschen durch die Beobachtung anderer lernen. Eine Person, die diese Taktik anwendet, hat möglicherweise gelernt, dass dies ein effektiver Weg ist, um zu bekommen, was sie will, oder um andere zu kontrollieren. Sie haben vielleicht das Gefühl, dass sie ein Recht darauf haben, die Dinge auf ihre Weise zu regeln, oder dass die Wünsche und Bedürfnisse anderer keine Rolle spielen.

Narzissmus und Gaslighting sind eng miteinander verknüpft, da beide Verhaltensmuster oft in toxischen Beziehungen auftreten. Menschen mit narzisstischen Tendenzen neigen dazu, durch übermäßiges (scheinbares) Selbstbewusstsein und eine geringe Empathie gekennzeichnet zu sein. In Beziehungen können sie Gaslighting als Werkzeug einsetzen, um ihre eigene Selbstwahrnehmung zu schützen und ihre Kontrolle über andere zu festigen.

Das narzisstische Gaslighting beinhaltet oft das Infragestellen der Realität des Opfers, indem die narzisstische Person subtil Zweifel an den Wahrnehmungen des Opfers streut. Dies geschieht, um das Opfer emotional abhängig zu machen und seine Selbstsicherheit zu untergraben. Opfer von Gaslighting durch Narzissten könnten sich in einer konstanten Achterbahn der Unsicherheit und Selbstzweifel wiederfinden.

Gaslighting ist auch auf breiterer Ebene ein Merkmal der systemischen Unterdrückung. Machthaber setzen es manchmal ein, um die Glaubwürdigkeit einer Person oder Gruppe zu beschädigen und sie dadurch zu entmachten.

Die Auswirkungen von Gaslighting

Gaslighting ist darauf ausgerichtet, Unsicherheit und Selbstzweifel hervorzurufen, was erhebliche Auswirkungen auf die mentale Gesundheit des Opfers haben kann. Zu den möglichen Folgen gehören Angst, Depression, Desorientierung, geringes Selbstwertgefühl, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und sogar suizidale Gedanken. Opfer können Schwierigkeiten haben, sich selbst zu vertrauen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie können auch Schwierigkeiten haben, gesunde Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.

Beispiele für Gaslighting

Gaslighting kann in jeder Art von Interaktion auftreten. Ein häufiges Muster ist das Bestreiten von Ereignissen, um das Opfer an seiner Wahrnehmung zweifeln zu lassen. Zum Beispiel könnte der Täter sagen: „Das ist nie passiert.“ Dies führt dazu, dass das Opfer an seinen eigenen Instinkten, seiner Wahrnehmung und seinem Erinnerungsvermögen zweifelt und sich immer mehr auf die vom Täter geschaffene „Realität“ verlässt. In romantischen Beziehungen kann ein Partner beispielsweise Geld stehlen und dann behaupten, der andere sei nachlässig mit Finanzen umgegangen oder habe den Überblick verloren. Ein weiteres Beispiel ist die Aussage: „Du bist verrückt – und andere denken das auch.“ Hier versucht der Täter nicht nur, das Opfer an seiner Wahrnehmung zu zweifeln und führt als Beweis auch (vermeintlich) andere Personen an, sondern auch, das Umfeld des Opfers dazu zu bringen, ebenfalls an der geistigen Gesundheit des Opfers zu zweifeln. Dies isoliert das Opfer weiter und erschwert es ihm, aus der missbräuchlichen Beziehung auszubrechen.

Gaslighting: „Du verstehst einfach keinen Spaß.“
Respektvoll: „Ich wollte eigentlich nur einen Witz machen, aber anscheinend ist das bei dir nicht gut angekommen. Entschuldigung, das war nicht meine Absicht.“

Gaslighting: „Du reagierst mal wieder über.“
Respektvoll: „Ich sehe, dass dieses Thema für dich wichtig ist, und ich hätte sensibler darauf eingehen sollen. Tut mir leid, wenn meine Reaktion dich verletzt hat.“

Gaslighting: „Das ist nicht das, was passiert ist.“
Respektvoll: „Das war nicht meine Absicht, es so rüberkommen zu lassen.“

Gaslighting: „Es tut mir leid, dass du das so siehst!“
Respektvoll: „Es tut mir leid, wenn meine Handlungen dich verletzt haben. Das war nicht beabsichtigt. Können wir darüber sprechen, wie wir Missverständnisse in Zukunft vermeiden können?“

Gaslighting: „Ich schätze, ich bin einfach ein wirklich schlechter Partner.“
Respektvoll: „Ich sehe, dass meine Handlungen falsch waren, und es tut mir leid. Das liegt nicht an dir, sondern an meinem Verhalten.“

Weitere Beispiele für Gaslighting

Intime Beziehungen: In Beziehungen kann eine missbräuchliche Person Gaslighting verwenden, um ihren Partner zu isolieren, das Selbstvertrauen zu untergraben und sie leichter kontrollieren zu können. Zum Beispiel könnten sie jemandem sagen, dass er irrational ist, bis die Person anfängt zu glauben, es müsse wahr sein.

Eltern-Kind-Beziehung: Missbräuchliche Eltern oder Betreuer könnten Kinder gaslighten, um sie zu untergraben. Wenn ein Kind weint, könnten sie sagen, es sei einfach „zu sensibel“ oder könne es in dem Alter noch nicht verstehen, um es zu beschämen und zum Schweigen zu bringen.

Medizinisches Gaslighting: Laut der CPTSD Foundation ist medizinisches Gaslighting, wenn ein medizinischer Fachmann die gesundheitlichen Bedenken einer Person als Produkt ihrer Einbildung oder falscher Informationen abtut. Sie könnten der Person sagen, dass ihre Symptome „nur in ihrem Kopf“ seien oder sie als Hypochonder bezeichnen.

Rassistisches Gaslighting: Nach einem Artikel aus dem Jahr 2021 ist rassistisches Gaslighting, wenn Menschen Gaslighting-Techniken wie Manipulation auf eine gesamte Rassen- oder Ethnien-Gruppe anwenden, um sie zu diskreditieren.

Politisches Gaslighting: Politisches Gaslighting tritt auf, wenn eine politische Gruppe oder eine Figur lügt oder Informationen manipuliert, um Menschen zu kontrollieren. Ein Politiker könne seinen Gegner diskreditieren, wie beispielsweise Donald Trump dies systematisch in seinem Wahlkampf gegen Hillary Clinton getan hat.

Institutionelles Gaslighting: Institutionelles Gaslighting tritt innerhalb eines Unternehmens, einer Organisation oder einer Institution auf. Zum Beispiel könnten sie Whistleblower, die Probleme melden, als irrational oder inkompetent darstellen.

Arbeitsplatz-Gaslighting: In der Arbeitswelt kann Gaslighting dazu verwendet werden, Arbeitnehmer*innen zu unterdrücken oder zu kontrollieren. Eine vorgesetzte Person könnte zum Beispiel einem Arbeitnehmer bzw. einer Arbeitnehmerin vorwerfen, seine / ihre Arbeit nicht richtig zu machen, obwohl dies nicht der Fall ist. Dies könnte dazu führen, dass der Arbeitnehmer an seiner eigenen Kompetenz zweifelt und seine Leistung einschränkt.

Schul-Gaslighting: In der Schule kann Gaslighting dazu verwendet werden, Schüler*nnen zu beschämen oder zu isolieren. Ein Lehrer bzw. einer Lehrerin könnte zum Beispiel eine/n Schüler/in vor der Klasse vorführen oder seine Leistungen herunterspielen. Dies könnte dazu führen, dass der Schüler an seinen eigenen Fähigkeiten zweifelt und sein Selbstwertgefühl leidet.

Gaslighting in verschiedenen Kontexten

In romantischen Beziehungen: Gaslighting tritt am häufigsten in heterosexuellen Beziehungen auf, wobei Männer meist Frauen gaslighten. Es geht nicht selten Hand in Hand mit häuslicher Gewalt.
Geschlechterbasiertes Gaslighting: Frauen können auch von Ärzten, in der Öffentlichkeit und im rechtlichen System gasgelightet werden, wodurch Stereotypen über ihre Rationalität ausgenutzt werden.
Rassengaslighting: Rassismus und gaslighting gehen oft Hand in Hand.
Gaslighting am Arbeitsplatz: Hier kann es dazu führen, dass Opfer an ihrer eigenen Kompetenz und Wahrnehmung zweifeln, insbesondere bei Whistleblower-Gaslighting.

Gaslighting kann also in allen Arten von Beziehungen auftreten, einschließlich romantische Beziehungen, Freundschaft, Familie, Arbeitswelt oder Schule.

Tipps: Wie man mit Gaslighting umgeht

Wenn du glaubst, dass du Opfer von Gaslighting bist, gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um dich zu schützen:

Sprich mit jemandem, dem du vertraust. Dies könnte ein Freund, ein Familienmitglied, ein Therapeut oder eine andere Vertrauensperson sein.
Führe ein Tagebuch, um deine Erfahrungen zu dokumentieren. Dies kann dir helfen, die Realität der Situation zu erfassen und zu erkennen, ob du tatsächlich Opfer von Gaslighting bist.
Setze Grenzen. Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du dich manipuliert fühlst, setze klar Grenzen. Sag der Person, dass du ihre Behauptungen nicht akzeptierst und dass du nicht länger bereit bist, dich so behandeln zu lassen.
Such dir professionelle Hilfe.

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