Ein wesentlicher Teil des menschlichen Verhaltens wird durch die Wahrnehmung bestimmt. Die Wahrnehmung ist eine der wichtigsten Grundlagen für zwischenmenschliche Beziehungen. Wie eine Person sich verhält hängt zum großen Teil davon ab, wie diese Person die sie umgebende Welt wahrnimmt. Fachlich spezifiziert man „Wahrnehmung“ auch noch in „soziale Wahrnehmung“, die durch individuelle Bedürfnisse, Erwartungen, Erfahrungen, Motivation, Vorurteile und innere Prägungen bestimmt wird.
Wahrnehmung ist der Prozess, durch den wir sensorische Informationen aus der Umwelt interpretieren und ihnen einen Sinn geben. Sie umfasst die Auswahl, Organisation und Interpretation von Sinneseindrücken wie Anblick, Geräusche, Gerüche, Geschmack und Berührung, um ein sinnvolles Verständnis der Welt um uns herum zu schaffen.
Jedes Problem basiert auf unserer individuellen Wahrnehmung des Lebens. Unser Wahrnehmung und die Vorstellungen, die wir tief in uns hegen, definieren unsere Beziehungen, auch wenn dies gar nicht der Wahrheit entspricht.
Die Wahrnehmung wird auch durch verschiedene Faktoren wie Aufmerksamkeit, Motivation, Emotionen und Kultur beeinflusst. So kann zum Beispiel die Aufmerksamkeit die Verarbeitung bestimmter sensorischer Informationen selektiv verstärken, während Motivation und Emotionen beeinflussen können, wie wir sensorische Informationen interpretieren und darauf reagieren. Auch die Kultur kann unsere Wahrnehmung beeinflussen, da in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Überzeugungen, Werte und Normen gelten, die sich darauf auswirken, wie wir sensorische Informationen interpretieren und darauf reagieren.
Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung, also Fehlinterpretationen und Fehlwahrnehmungen unseres Gehirns. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selber täuschen. Darunter fällt z.B. der sogenannte IKEA-Effekt: Menschen empfinden für selbst hergestellte Produkte eine höhere Wertschätzung als für vergleichbare Produkte. Menschen messen also einer Sache mehr Wert bei, in die sie Arbeit investiert haben. Ein weiteres Beispiel ist die Affektheuristik, die das Treffen von Entscheidungen nach subjektiven Gefühlen, die nicht mit den für die Entscheidung eigentlich relevanten Faktoren zusammenhängen, beschreibt. Dieses mentale Vorgehen ist eine Art Abkürzung im Gehirn, in der Menschen Entscheidungen treffen, die stark von ihren aktuellen Emotionen beeinflusst werden.
Optische Täuschungen
なんと動いてません#ド直球に言いますがフォローしてください pic.twitter.com/qthgo7k2UN
— じゃがりきん (@jagarikin) April 21, 2021
Wahrnehmungsfehler und Wahrnehmungstäuschung
Bei diesen beiden Animationen sehen wir optische Täuschungen in Perfektion: Zwei bunte Kreise rotieren und wandern nach unten, oben, links und rechts, sie scheinen zu wachsen und zu schrumpfen. Man könnte meinen, die Pfeile würden die Wahrnehmungsfehler der sich bewegenden Kreise auslösen. Selbst wenn man die Pfeile abdeckt oder entfernt, stellt man fest, dass die Ringe scheinbar immer noch rotieren.
Grund dieser optischen Täuschung sind die äußeren und inneren Ränder der Ringe. Diese rotieren ebenfalls und wechseln (verschoben zu den Kreisen). Dieser Wahrnehmungstäuschung klappt auch bei Linien:
矢印の方向に動いて見えた人は疲れているので学校を休むといいと言われています pic.twitter.com/WugFC8WA8p
— じゃがりきん (@jagarikin) April 29, 2021
Wahrnehmungsfilter
Wir sehen die Situationen also meist nicht so, wie sie ist, sondern durch unseren einprogrammierten Wahrnehmungsfilter. Unsere Erwartungen prägen unsere Wahrnehmung stärker als unsere Empfindungen. Vieles, was wir erleben, wird uns nicht bewusst, sondern im Unbewussten vorgefiltert oder abgefangen – meist um bestimmte Vorgänge zu automatisieren. Rein rationale Entscheidungen sind beim Menschen nicht möglich. Wir entscheiden immer auch affektiv-emotional und mithilfe unseres Erfahrungswissens.
Der renommierte Neurowissenschaftler David Eagleman schrieb:
„Unsere Wahrnehmung ist nicht nur eine unvollständige bis falsche Rekonstruktion der Welt, sondern sie gibt obendrein vor, ein vollständiges Bild zu sein, obwohl wir in Wirklichkeit nur das sehen, was wir sehen müssen, und nicht mehr. Die meisten Dinge muss das Gehirn gar nicht wissen. Es muss nur wissen, wie es an die Informationen kommt, wenn es sie benötigt. Es weiß, was es wissen muss“.
Bekommt unser Gehirn beispielsweise zwei Informationen, die sich widersprechen und die wir deshalb nicht gut miteinander verknüpfen können, entsteht eine Hierarchie in unserem Kopf. Wir machen in dem Moment am liebsten das, was wir schon kennen.
Unsere Erfahrung bestimmt, was wir sehen:
Luat eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, sei es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid.
Das ezniige was wcthiig ist, ist dsas der estre und der leztte Bstabchue an der jwelies ritihcegn Pstoiion sehetn.
Wir leesn nciht jeedn Bstachuebn enzelin, snderon nheemn das Wrot als gseatems whar.
Ein hrerovraenedgs Bpisieel für itnutivie Wrhnaeunmhg.
D1353 Z31L3N Z31G3N D1R, W3LCH3 F4NT45T15CH3N UND 8331NDRUCK3ND3N D1NG3 UN53R G3H1RN L315T3T.
Oder auch bei diesem Beispiel – Englischkenntnisse vorausgesetzt – weiß unser Gehirn intuitiv, die Wörter zu lesen:
1N73LL1G3NC3 15 7H3 4B1L17Y 70 4D4P7 70 CH4NG3.
– 573PH3N H4WK1NG –
Sinneswahrnehmung
Wir können nie alle Aspekte gleichzeitig durch unsere Sinne wahrnehmen. Von den 100 Prozent unserer Sehnerven haben nur 17 Prozent eine Verbindung zur Außenwelt. 83 Prozent sehen im strengen Sinne gar nichts, sondern sind Rückkopplungsschleifen im Gehirn. Es findet folglich keine lineare Wahrnehmung von Außen ins Innen statt, sondern wir erzeugen selektiv unsere Wahrnehmung von Innen heraus. Die dreidimensionale Welt wird auf unserer zweidimensionalen Netzhaut abgebildet. Wenn wir etwas im Außen sehen, treffen visuelle Reize von lichtreflektierenden Gegenständen auf unsere zweidimensionale Netzhaut, die von unserem Gehirn verarbeitet werden und dann ein dreidimensionales Bild ergeben. Allein durch diesen Prozess gehen zahlreiche Informationen verloren. Die Wirklichkeit wird durch unser Vorwissen ergänzt und viele Informationen werden nicht wahrgenommen. Im NLP wird dieser Prozess Verzerrung, Verallgemeinerung und Tilgung genannt. Was auch immer wir annehmen, wir finden für unsere Annahmen Beweise und werden so schnell in unseren Denkmustern gefangen.





