Das Unterbewusstsein
Das Unterbewusstsein. Im Gehirn eines erwachsenen Menschen befinden sich etwa 86 Milliarden Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Die Länge der Nervenbahnen im Gehirn eines Erwachsenen beträgt ca. 5.8 Kilometer, was einem 145-fachen Erdumfang entspricht. Jede der Neuronen im Gehirn ist mit 1.000 anderen Neuronen verbunden, was insgesamt die unglaubliche Zahl von 100 Billionen Synapsen ergibt. Das Gehirn ist das einzige Organ, dass keine eigene Energie speichern kann und deshalb auf die richtige Nährstoffversorgung angewiesen ist.
Selbst die Besten unter uns nutzen gerade einmal bewusst 10 Prozent ihres mentalen Potenzials und nur ca. 1,5 Prozent ihrer DNA. Unser Gehirn macht ca. 2 Prozent unserer Körpermasse aus. Von den rund 2.000 Kalorien, die wir pro Tag ungefähr verbrennen, werden ca. 500 Kalorien für unser Gehirn verwendet. Unser Gehirn macht also zwar nur ca. 2 Prozent unseres Körpergewichts aus, dennoch beansprucht es 25 Prozent der Energie, die wir jeden Tag verbrauchen.
Wir agieren hauptsächlich über unser Unterbewusstsein. Die Programme im Unterbewusstsein entstanden im Wesentlichen durch Nachahmung des Verhaltens anderer Menschen in den ersten sieben Lebensjahren: Mutter, Vater, Geschwister, Freunde, Medien, Schule/Kindergarten usw. Wir saugen also die Verhaltensmuster der Menschen auf, die uns am meisten umgeben. Unser Unterbewusstsein kann bis zu 80.000 Informationen pro Sekunde aufnehmen, verarbeiten und speichern und ist somit 10.000 Mal schneller (und klüger) als unser bewusster Verstand, auf den wir uns so sehr konzentrieren. Experten schätzen, dass das Verhältnis Unterbewusstsein zu Bewusstsein ca. 10.000 : 7 ist. Zum Vergleich: Während das Bewusstsein: 1,5 cm ist, wäre demnach das Unterbewusstsein 11,5 km. Das Unterbewusstsein steuert zu ca. 99 Prozent nicht nur die Funktionen unseres Organismus, sondern auch die Ausführung unserer Handlungen. Unser Unterbewusstsein funktioniert gewohnheitsmäßig, es reagiert auf die gleichen Lebenssignale immer mit dem gleichen Verhaltensmuster.
Trotz der Evolution des entwickelten Menschen tragen wir noch immer evolutionäres Erbgut aus der Steinzeit in uns. Sämtliche unserer Verhaltensweisen werden durch unser Gehirn gesteuert. Das limbische System unseres Gehirns hat dabei eine Besonderheit: es reagiert unmittelbar und reflexartig, ohne dass wir dies bewusst steuern können oder dafür nachdenken müssen. Es ist dafür verantwortlich, dass wir unterbewusst alle Reize aus unserer Umgebung wahrnehmen und auf diese automatisch, unmittelbar und wahrhaftig reagieren. Das limbische Gehirn sichert durch sein reflexartiges Verhalten unser Überleben. Aufgrund dieser Eigenschaft ist es immer aktiv und kann nie ausgeschaltet werden. Da das limbische System nicht mit dem Verstand gesteuert werden kann, ist die erste Reaktion immer authentisch und ehrlich. Und genau diese unbewussten, reflexartigen Verhaltensweisen, die vom limbischen System ausgelöst und gesteuert werden, können wir im Profiling beobachten, interpretieren und entschlüsseln.
Bewusstsein Unterbewusstsein
Wissenschaftliche Studien der New Yorker Universität Princeton belegen, dass unser Unterbewusstsein in weniger als 100 Millisekunden einem uns unbekannten Gesicht bestimmte Charaktereigenschaften zuordnet und dies mit unserer Datenbank von persönlichen Erfahrungen, Stereotypen und Sympathie abgleicht – völlig automatisch. Unser Verstand sucht nachträglich nur noch nach Bestätigungshinweisen für unser unbewusstes Urteil, das Urteil selbst wird meist nicht revidiert.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben nun gezeigt, dass unser Gehirn sich bereits durch die bloße Vorstellung verändert. Allein die mentale Vorstellung einer Sache hat die gleiche messbare Auswirkung auf das Gehirn, wie wenn wir dies tatsächlich durchführen würden. Zu diesem Ergebnis kommen u.a. zwei Studien der Harvard University sowie eine Studie der Ohio University. Beispielsweise ließ der Neurowissenschaftler Alvaro Pascual-Leone von der Harvard Medical School in einer Studie eine Teilnehmergruppe für einen bestimmte Zeitraum täglich real ein Klavierstück üben, eine zweite Testgruppe sollte dieses Klavierstück nur mental üben. Das Ergebnis: Es veränderten sich genau dieselben Hirnreale wie beim tatsächlichen Üben. Allein der Gedanke reichte aus, um die gleichen physiologischen Veränderungen der entsprechenden Hirnareale zu bewirken. Eine weitere Studie der Harvard University belegt, dass ein rein mentales Training des Bizeps nach vier Wochen zu einer Muskelzunahme von über 13 Prozent führte – ohne körperliches Training.
Brian C. Clark von der Ohio University und sein Team führten folgendes Experiment durch: Der Unterarm von 29 Freiwilligen wurde eingegipst. Der starre Gips reichte von knapp unter dem Ellenbogen bis über die Finger. Der Arm der jeweiligen Testperson wurde so für vier Wochen bewegungsunfähig gemacht. 14 der insgesamt 29 Teilnehmer führten fünfmal pro Woche ein Imaginationstraining durch, in dem sie sich vorstellten, wie sie den eingegipsten Arm so fest wie möglich anspannen. Das Ergebnis: Im Vergleich zu der anderen Testgruppe hatte die Gruppe mit dem Mentaltraining am Ende der Studie 50 Prozent weniger ihrer Muskelkraft verloren (24 statt 45 Prozent). Auch die Fähigkeit des Nervensystems, den Muskel maximal zu aktivieren (die sogenannte willentliche Aktivierung), erholte sich bei ihnen messbar schneller. „Das zeigt, dass neurologische Mechanismen, insbesondere solche, die vom Gehirn ausgehen, signifikant zum Kraftverlust beitragen“, schrieben die Forscher zu dieser Studie. Wir sehen, welche Kraft das Unterbewusstsein und die unbewussten Kräfte unseres Gehirns haben.
Kognitive Verzerrung
Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Voraussagen zu treffen und uns zu schützen. Das Bild unserer Realität ist nach neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen stark von unseren Erwartungen geprägt. Dabei greift unser Gehirn auf frühere Erfahrungen zurück und leitet daraus unterbewusst Vorhersagen ab, was wohl als Nächstes passieren wird. Das Gehirn nutzt die riesige Datenbank des Unterbewusstseins, in der Wissen, Erfahrungen, instinktive und erlernte Verhaltensmuster gespeichert sind und durch äußere Reize abgerufen werden können. Unser Gehirn analysiert die gegenwärtigen Sinneswahrnehmungen nicht neu, sondern vergleicht diese mit dem in der Vergangenheit erlernten Wissen, Handeln und Verhalten. Aus den Abweichungen leitet es die wahrscheinlichste Prognose für die Gegenwart und Zukunft ab.
Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selber täuschen.
Neuroplastizität
Das Gehirn wird geprägt von Art, Zweck und Intensität der individuellen Nutzung und zeichnet sich bis ins hohe Alter hinein durch enorme Komplexität, Neuroplastizität aus, das heißt durch die permanente Fähigkeit des Verknüpfens neuer Verbindungen und des Erfassens neuer Lernvorgänge. Dabei besteht eine Wechselseitigkeit von Körper, Sprache, Emotion und Gehirn: Allein eine Veränderung des Gesichtsausdrucks oder der Körperhaltung reicht aus, um eindeutig nachweisbare Veränderungen im anatomen Nervensystem zu bewirken – und umgekehrt (siehe auch Power Posen).
Unterschied Gehirn Mann und Gehirn Frau
Männliche und weibliche Gehirne unterscheiden sich. Frauen haben beispielsweise einen größeren Hippocampus. Hier speichern wir Erinnerungen. Deshalb können sich Frauen oft an jedes einzelne Wort erinnern. Männer hingegen verfolgen einen eher faktenbasierten Ansatz und suchen mehr nach Bedrohungen und Herausforderungen. Das Gehirn der Männer tendiert zu Fakten und Logik, während das Gehirn der Frauen auf Intuition und Emotion ausgerichtet ist. Einen weiteren Unterschied finden wir beim Oxytocin, einem Hormon, das uns hilft, soziale Bindung zu spüren. Sowohl Männer als auch Frauen produzieren Oxytocin und brauchen es, um sich zu verbinden bzw. verbunden zu fühlen. Oxytocin reduziert bei Männern und Frauen den Blutdruck und das Gefühl der Angst. Je höher der Oxytocin-Gehalt, desto mehr Vertrauen und Beziehung entstehen zwischen den Menschen. Bei Männern gibt es hierbei jedoch ein Paradoxon: Ein Zuviel an Oxytocin reduziert bei Männern den Testosteronspiegel und erhöht dadurch den Stress! Denn Männer brauchen ein Gleichgewicht an Oxytocin. Daher suchen Männer im Gegensatz zu Frauen nach stressigen Gesprächen oft die Einsamkeit (und brauchen diese dann auch).
Mehr Informationen zu den unterbewussten Programmen und der Steuerung und Analyse des menschlichen Verhaltens gibt es im Profiler Buch.






