Persönlichkeitsprofiling

Philosophie und Psychologie versuchen seit Jahrtausenden, Menschen in verschiedene Persönlichkeitstypen einzuordnen. Mit der Persönlichkeitstypologie, kurz Typenlehren, kategorisiert man Menschen nach ihren Eigenschaften. Die hippokratische Temperamentenlehre gilt als die älteste Persönlichkeitstypologie und geht auf den griechischen Arzt Hippokrates von Kos (ca. 400 v.Chr.) zurück. Die Annahme war, dass die unterschiedlichen Charaktere mit den vier Körpersäften Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle zusammenhängen. Darauf aufbauend entstand die Temperamentenlehre Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker und Sanguiniker, deren Namen sich aus den griechischen Wörtern für die vier Körperflüssigkeiten ableiten.

Psychologische Typen von C. G. Jung

TypenlehreAus psychologischer Perspektive lassen sich Menschen grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen: Menschen mit extravertierter und mit introvertierter Einstellung. Nach Carl Gustav Jung existieren vier psychische Grundfunktionen in jedem Menschen, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung: Denken, Empfinden, Fühlen und Intuition. Nach C. G. Jung gibt es acht verschiedene psychologische Typen:

  • Extrovertiertes Denken
  • Introvertiertes Denken
  • Extrovertiertes Fühlen
  • Introvertiertes Fühlen
  • Extrovertiertes Empfinden
  • Introvertiertes Empfinden
  • Extrovertierte Intuition
  • Introvertierte Intuition

Myers-Briggs-Typindikator

Der bekannte Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) ist eine Weiterentwicklung der Typenlehre von C. G. Jung und beschreibt diese Kategorien:
  • Introversion (I) oder Extraversion (E)
  • Intuition (N) oder Sensing (Sensorik) (S)
  • Feeling (Fühlen) (F) oder Thinking (Denken) (T)
  • Judging (Beurteilung, Entscheidung) (J) oder Perceiving (Wahrnehmung) (P)
Dabei gibt es für vier Dimensionen jeweils zwei (beliebig kombinierbare) Möglichkeiten. Somit gibt es 24 = 16 Typen:
ISTJ ISFJ INFJ INTJ
ISTP ISFP INFP INTP
ESTP ESFP ENFP ENTP
ESTJ ESFJ ENFJ ENTJ

DISG-Typen

DISG (engl. DISC) ist ein Persönlichkeitstest, der auf der Selbstbeschreibung des Teilnehmers basiert und vier Persönlichkeitstypen beschreibt:
  • Dominanter Typ
  • Initiativer Typ
  • Stetiger Typ
  • Gewissenhafter Typ
Nähere Informationen zum DISG Persönlichkeitsmodell gibt es in diesem Artikel.

Big Five

Die Big Five Persönlichkeitsmodell ist ein Modell aus der Psychologie, das versucht, die Persönlichkeit eines Menschen in 5 Hauptdimensionen einzuordnen. Dabei handelt es sich um:
  • Offenheit (Openness)
  • Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)
  • Geselligkeit (Extraversion)
  • Verträglichkeit (Agreeableness)
  • Neurotizismus (Neuroticism)
Nähere Informationen zum Big 5 Persönlichkeitsmodell gibt es in diesem Artikel.

Enneagramm

Das Enneagramm ist die bekannteste esoterische Typenlehre. Es basiert aus neun verschiedenen Typen (je drei aus dem Bereich Kopf-, Herz- und Bauchmenschen), die in bestimmten Beziehungen zueinander stehen. Insgesamt 9 Typen definiert das Enneagramm:
  • Enneagramm Typ 1: Reformer. Idealismus, hohe Prinzipien, Objektivität, Integrität und Gerechtigkeitssinn…
  • Enneagramm Typ 2: Helfer. Sorgen um andere, Streben nach Anerkennung und Beziehungsmensch…
  • Enneagramm Typ 3: Leistungsstreber. Erfolg, Prestige und Anpassung…
  • Enneagramm Typ 4: Individualist. Romantik, Selbstreflexion, unerfüllte Sehnsüchte und Träume..
  • Enneagramm Typ 5: Forscher. Scharfsichtiger, vergeistigter Typus, Distanz zur Umwelt…
  • Enneagramm Typ 6: Loyale. Sicherheit, Stabilität und Engagement…
  • Enneagramm Typ 7: Enthusiast. Volle Energie, Begeisterung und Aktivität…
  • Enneagramm Typ 8: Herausfordernde. Ständiger Kampf um die eigene Position…
  • Enneagramm Typ 9: Friedliebende. Gelassenheit, Zurückhaltung, auf der Suche nach Harmonie und Frieden…

Dosha

Im Ayurveda werden die Menschen in Typen entsprechend ihrem Dosha (Lebensenergie) unterteilt:
  • Vata (unstetig)
  • Pitta (exzessiv)
  • Kapha (langsam)

Typ A-Persönlichkeit

Profiling beginnt meist mit einer sehr groben Einteilung von Menschen und deren Persönlichkeit und erzielt dadurch eine erstaunliche Präzision. Eine Möglichkeit, Menschen schnell zu charakterisieren, ist beispielsweise die Typenlehre Typ A-Persönlichkeit und Typ B-Persönlichkeit. Dieses Modell geht auf die beiden US-Kardiologen Meyer Friedman und Ray Rosenman zur Bestimmung besonderer Risikofaktoren und ungünstiger Prognosefaktoren koronarer Herzerkrankungen zurück. Personen mit einer Typ-A-Persönlichkeit wurden oft mit höheren Raten koronarer Herzkrankheiten, höheren Morbiditätsraten und anderen unerwünschten körperlichen Ergebnissen in Verbindung gebracht.

Zwar haben zwischenzeitlich zahlreiche Studien belegt, dass es keinen medizinischen Zusammenhang zwischen Typ A-Persönlichkeit und einem Risiko- bzw. Prognosefaktor koronarer Herzerkrankungen gibt. Jedoch lassen die psychologischen Merkmale im Profiling eine erste Einteilung in Typ A und Typ B zu:

Typ-A-Persönlichkeit

Typ-A-Persönlichkeiten haben oft Abwehrmechanismen im Umgang mit Problemen. Oft empfindet dieser Persönlichkeitstypus erheblichen subjektiven Zeitdruck, zeigt explosiv-aggressives Verhalten sowie sehr ausgeprägte Kontrollambitionen (Versuch der Erhaltung und Ausweitung der Situationskontrolle). Oft sind Typ A Personen Einzelgänger.
Eigenschaften Typ-A-Persönlichkeit: extrovertiert, eher wettbewerbsorientiert, konkurrenzbewusst, stark organisiert, ehrgeizig, ungeduldig, ruhelos, sehr zeitbewusst, aggressiv, wütend, potentiell feindselig, hastig, impulsiv, hyperaktiv, unzufrieden…

Typ-B-Persönlichkeit

Personen, die kein Typ-A-Verhalten aufweisen, werden als Typ-B-Persönlichkeit kategorisiert und zeichnen sich grundsätzlich durch mehr Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Diese Menschen sind weniger konkurrenzbewusst und weniger feindselig, um einiges ruhiger, arbeiten meist beständig, sind toleranter, haben zwar Freude an Leistung, neigen jedoch dazu, physischen oder psychischen Stress zu vernachlässigen.

Typ-C-Persönlichkeit

Darauf aufbauend wurde noch die Typ-C-Persönlichkeit definiert. Hierbei handelt es sich um passive und unterwürfige Persönlichkeitstypen. Diese Menschen fühlen sich unter Druck, Stress und bei unerwarteten Ereignissen oft schutzlos und machtlos. Meist werden Emotionen unterdrückt, was zu emotionalen Blockaden führt. Typ-C-Persönlichkeiten werden meist als nett, gutmütig, selbstaufopfernd, kooperativ, geduldig, nachgiebig beschrieben und in Druck- und Krisensituationen fehlt oft der Kampfgeist.

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