Unsere Grenzen werden von den Menschen um uns herum definiert, denn wir vergleichen uns mit dem Durchschnitt. Das Leben der meisten Menschen spiegelt die (vermeintlichen) Erwartungen ihrer direkten Umgebung wider. Oder wie ein Zitat aus dem Film „Das Beste kommt zum Schluss“: „Du misst dich an den Menschen, die sich an dir messen.“ Thomas Cooley sagte: „I am not who you think I am; I am not who I think I am; I am who I think you think I am“ – zu deutsch: „Ich bin nicht der, für den du mich hältst; ich bin nicht der, für den ich mich halte; ich bin, von dem ich glaube, dass du denkst, der ich bin.“
Typischerweise bestimmt unser Umfeld unseren Standard: Dass, was alle machen, wird zur Regel. Mit wem wir Zeit verbringen, zu dem werden wir. Denn wir identifizieren uns so sehr mit den Meinungen anderer, dass sie zu unseren Meinungen über uns selbst werden.
Die Rollen, die wir in den unterschiedlichen Lebensbereichen einnehmen, sind die Summe der von anderen und von uns selbst erwarteten Verhaltensweisen. Am häufigsten ahmen wir die Gewohnheiten von drei Gruppen nach: Den uns Nahestehenden (Freunde, Familie etc.), der Mehrheit, den Mächtigen. Der psychologische Begriff „Social Proof“ beschreibt das Phänomen, dass man etwas tut oder konsumiert, nur weil andere es ebenfalls tut. Gesellschaftliche Normen zählen zu den stärksten Einflüssen auf das menschliche Verhalten. Meist gilt der Grundsatz: je näher uns eine Person steht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Verhalten dieser Person nachahmen.
Dokumentation: The Mask You Live In
Die 2015 veröffentlichte Dokumentation „The Mask You Live In“ zeigt, wie sehr Geschlechtsidentitäten eine bedeutende Rolle in der Formung des menschlichen Verhaltens spielen. Der Film gibt tiefgreifende Einblicke in die Herausforderungen, denen Jungen und junge Männer in den USA gegenüberstehen, während sie versuchen, den engen Grenzen der gesellschaftlichen Männlichkeitsdefinition zu entsprechen.
Der Einfluss von Geschlechtsstereotypen auf das menschliche Verhalten
In der Dokumentation „The Mask You Live In“ werden Jungen und junge Männer begleitet, die darum kämpfen, sich selbst treu zu bleiben, während sie versuchen, sich der engen Definition von Männlichkeit in Amerika anzupassen. Der Film zeigt, wie diese Jugendlichen unter dem Druck der Medien, ihrer Peer-Gruppe und sogar der Erwachsenen in ihrem Leben stehen. Sie werden mit Botschaften konfrontiert, die sie dazu ermutigen, sich von ihren Emotionen zu distanzieren, authentische Freundschaften zu entwerten, Frauen zu objektivieren und zu degradieren sowie Konflikte durch Gewalt zu lösen. Diese Geschlechtsstereotype verbinden sich mit Rasse, Klasse und Umständen, und es entsteht ein Labyrinth von Identitätsproblemen, das Jungen und junge Männer durchqueren müssen, um „echte“ Männer zu werden.
Das Problem in den USA
Forschungen zeigen, dass im Vergleich zu Mädchen in den USA Jungen eher mit Verhaltensstörungen diagnostiziert werden, Stimulanzien verschrieben bekommen, die Schule abbrechen, exzessiv Alkohol konsumieren, gewalttätige Straftaten begehen und/oder ihr eigenes Leben nehmen.
Die Kernaussagen der Dokumentation
1. Mediendruck und Stereotypen: Der Film stellt dar, wie Medien, Peer-Gruppen und Erwachsene dazu beitragen, stereotype Vorstellungen von Männlichkeit zu aufrechtzuerhalten. Jungen werden dazu gedrängt, sich von ihren Emotionen zu distanzieren und ein bestimmtes Bild von Männlichkeit zu erfüllen.
2. Identitätskomplexität: Die Dokumentation betont, wie Geschlechtsstereotype mit anderen Identitätsfaktoren wie Rasse, Klasse und Umständen verflochten sind. Dies schafft eine komplexe Identitätslandschaft, durch die Jungen und junge Männer navigieren müssen.
3. Jungenkrise: Durch Einblicke von Expert*innen wird die existierende „Jungenkrise“ beleuchtet. Jungen werden im Bildungssystem, in der Gesellschaft und in ihrer persönlichen Entwicklung vor einzigartige Herausforderungen gestellt.
4. Empirische Beweise und Lösungen: Expert*innen aus verschiedenen Fachgebieten bieten empirische Beweise für die Herausforderungen, mit denen Jungen konfrontiert sind, und schlagen Taktiken vor, um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken. Dies reicht von Bildungsansätzen bis hin zu Medienkompetenz.
Die Fachleute aus Neurowissenschaften, Psychologie, Soziologie, Sport, Bildung und Medien zeigen auf, dass die gängigen Vorstellungen von Männlichkeit negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Jungen haben. Sie betonen die Bedeutung von emotionaler Intelligenz, authentischen Beziehungen und alternativen Ausdrucksformen von Männlichkeit.
Die Dokumentation schließt mit dem Appell, wie die Gesellschaft dazu beitragen kann, eine gesündere Generation von Jungen und jungen Männern zu fördern. Dazu gehören:
1. Bildung und Aufklärung: Die Förderung von Bildungsprogrammen, die Geschlechtsstereotype entlarven und ein breiteres Verständnis von Männlichkeit fördern.
2. Förderung authentischer Beziehungen: Die Wichtigkeit von authentischen Beziehungen, in denen Jungen ihre Emotionen ausdrücken können, wird betont.
3. Medienkompetenz: Die Gesellschaft muss Medienkompetenz fördern, um den Einfluss von Stereotypen in der Medienlandschaft zu minimieren.
4. Ganzheitliche Unterstützung: Jungen benötigen eine umfassende Unterstützung sowohl im Bildungssystem als auch in der persönlichen Entwicklung, um die Herausforderungen der „Jungenkrise“ zu bewältigen.





