Das „Smoke Filled Room“-Experiment ist ein klassisches sozialpsychologisches Experiment, das 1968 von den Forschern Dr. John Darley und Dr. Bibb Latane durchgeführt wurde. Mit diesem Experiment sollte der Bystander-Effekt untersucht werden, d.h. die Tendenz, dass Menschen in einer Notsituation weniger bereit sind, Hilfe zu leisten, wenn andere Personen anwesend sind.

Beim Smoke Filled Room Experiment wurden Studenten der Columbia University aufgefordert, ihre Meinung über Probleme im Stadtleben zu äußern. Die Teilnehmer wurden gebeten, in einem Warteraum Platz zu nehmen, in dem sie einige Formulare ausfüllen sollten, während sie warteten. Das eigentliche Experiment hatte nichts mit der Umfrage zu tun, sondern fand im Warteraum statt.

Die Studenten kamen in den Warteraum, und nachdem sie ein paar Minuten lang die Formulare ausgefüllt hatten, begann Rauch durch in den Raum zu ziehen. Nach spätestens 4 Minuten war so viel Rauch in den Raum eingedrungen, dass er die Sicht behinderte und Husten auslöste. Die Forscher maßen, wie lange die Teilnehmer brauchten, um den Rauch zu bemerken und ihn dem Versuchsleiter zu melden.

Bei dem Experiment wurden die Teilnehmer*innen in zwei verschiedene Gruppen geteilt und in zwei unterschiedlichen Situationen getestet.

  • In der einen Situation waren die Studenten allein im Raum und füllten die Formulare aus.
  • In der zweiten Situation waren die Studenten mit drei oder vier anderen Studenten im Raum.

In der ersten Situation, in der die Studenten allein waren, gingen fast alle Studenten los, um herauszufinden, woher der Rauch kam und verließen sofort den Raum, um den Leuten auf dem Flur Bescheid zu sagen und sich und andere in Sicherheit zu bringen.

In der zweiten Situation, in der die Studenten mit ein paar anderen Studenten im Raum waren, geschah etwas anderes. Nur einer der Studenten war ein Teilnehmer des Experiments, die anderen drei waren Mitwissende des Experiments.

Als der Rauch den Raum füllte, taten die drei Eingeweihten zunächst so, als würden sie den Rauch nicht bemerken. Irgendwann sahen die Mitwissenden den Rauch und taten ihn als nicht weiter schlimm ab. Wenn einer der „echten“ Teilnehmer sie auf den Rauch ansprach, antworteten sie lässig und füllten ihre Fragebögen weiter aus, wobei sie den Rauch ruhig aus ihrem Gesicht wischten.

Das Interessante: Nur 10 Prozent der Teilnehmer*innen des Experiments in der zweiten Gruppe erwähnten den Rauch oder verließen sogar den Raum. 90 Prozent der Studenten blieben mit den anderen Studenten im Raum, während sich dieser weiter mit Rauch füllte, obgleich die Situation erkennbar bedrohlich war. Und 100 Prozent aller Teilnehmer*innen in diesem Experiment warteten zu lange, um sich noch hätten lebend retten zu können. Manche der Menschen warteten bis zu 28 Minuten!

Das Fazit: In Krisenzeiten verbringt der Durchschnittsmensch die meiste Zeit damit, entweder nach jemandem zu suchen, dem er folgen kann, oder jemandem zu folgen. Aber selbst in einer lebensbedrohlichen Situation orientieren wir uns an dem Verhalten anderer Menschen.

False Consensus

Ein weiterer relevanter Aspekt des Experiments ist die Rolle des „False Consensus“-Effekts: Die Teilnehmer, die den Rauch ignorierten, verstärkten die Annahme, dass die Situation harmlos sei. Der „False Consensus“-Effekt beschreibt die Tendenz, die Ansichten oder das Verhalten anderer als Bestätigung für die eigene Wahrnehmung zu werten. In diesem Experiment führte dies dazu, dass Teilnehmer ihre Wahrnehmung des Rauchs an der passiven Haltung der Mitwissenden ausrichteten und nicht an der objektiven Bedrohung. Diese Dynamik verdeutlicht, wie stark Wahrnehmungen in Gruppen von einem scheinbaren Konsens beeinflusst werden können, auch wenn dieser Konsens irreführend ist.

Soziale Verantwortung

Das Experiment unterstreicht die Relevanz des Konzepts der „sozialen Verantwortung“ – das Gefühl, in einer Gefahrensituation aktiv für die Sicherheit anderer mitverantwortlich zu sein. In Momenten wie diesen, in denen die Verantwortung diffus erscheint, neigen Menschen dazu, sie auf andere zu projizieren, was zu riskanter Passivität führt. Diese Erkenntnis zeigt, wie wichtig es ist, in Gefahrensituationen klare Verantwortungsrollen und Handlungsimpulse zu schaffen, um die Neigung zur Inaktivität zu durchbrechen.

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