Online Dating. Im Jahr 2021 lebten allein in Deutschland rund 22,69 Millionen Singles. Der Begriff Single schließt statistisch gesehen alle Personen ein, die ledig sind und allein leben. Das erklärt, warum Online-Dating und Single-Börsen bzw. Dating-Apps wie Tinder, Parship, ElitePartner und Co. sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Doch auch die Quote von Fake-Profilen und Profilen, die falsche, irreführende und betrügerische Angaben enthalten, ist hoch.
Balzverhalten
Schon aus dem Tierreich kennen wir das sogenannte Balzverhalten, also das Werben um einen Partner zwecks Fortpflanzung. Charles Darwins Theorie der sexuellen Selektion besagt, dass wir alle inner- und zwischengeschlechtlich um den Fortpflanzungserfolg konkurrieren. Mit anderen Worten: wir versuchen, einen guten Partner zu finden und wir kämpfen dabei gegen Rivalen. Ein bisschen Angeberei und Glamour ist aus dem Tierreich also hinreichend bekannt. Vögel bekommen beispielsweise spezielle Federn (auch als „Hochzeitskleid“ bekannt). Der Breitschwanzkolibri stürzt sich von oben herab, um seine schillernden Kehlfedern zu zeigen und ein angenehmes Geräusch zu machen. Ein Gorilla bläht sich auf und schlägt sich auf die Brust, um seine Männlichkeit zu demonstrieren. Die Schwarze Witwe macht sogar eine Art Tänzchen, um potenzielle Partnerinnen davon abzuhalten, sie zu fressen. Ein männlicher Seidenlaubenvogel säubert den Boden, legt dort viele bunte, meist blaue Gegenstände hin (Blüten, Beeren, Federn usw.) und umwirbt singend das Seidenlaubenvogel-Weibchen.
Jeder Dritte lügt in seinem Datingprofil
Doch nicht nur im Tierreich gehört Show beim Flirten und bei der Partnersuche durchaus dazu. Wie eine Umfrage von Statista zeigt, nimmt es in Deutschland beim Online-Dating ca. jeder Dritte nicht ganz so genau mit der mit der Wahrheit.
Das passt zu wissenschaftlichen Studien zum Thema Lügen:
Fremde lügen bis zu 10-mal mehr als Kollegen und Freunde
Fremde lügen durchschnittlich drei Mal innerhalb der ersten 10 Minuten eines Treffens
Extrovertierte Menschen lügen mehr als introvertierte
Männer lügen 8-mal mehr über sich selbst als über andere
Frauen lügen mehr, um andere zu beschützen
Ehepaare lügen in jeder 10. Interaktion
Unverheiratete lügen bei jeder 3. Interaktion
Studien: Online Dating Verhalten
Einer US-amerikanischen Studie zufolge lügen fast 80 Prozent der Menschen in ihren Dating-Profilen über sich selbst. Doch worüber sie lügen, hängt vermutlich von ihrem Geschlecht ab. Evolutionsbedingt fühlen sich Männer eher von den körperlichen Aspekten einer Frau angezogen, während Frauen eher von der Fähigkeit eines Mannes angetan sind, für sie zu sorgen. Vereinfacht ausgedrückt: Männer legen Wert auf körperliche Attraktivität und Jugend, Frauen auf einen höheren sozialen Status und Versorgung. Daher unterscheiden sich die Geschlechter auch darin, wie sie lügen – und wie sehr sie sich über den Betrug des anderen aufregen.
So neigen Männer beispielsweise dazu, bei der Körpergröße zu lügen, und Frauen lügen eher bei ihrem Gewicht. Beide Geschlechter geben ihr Alter eher locker an und beide sind bei ihrem Profilbild am hinterlistigsten. So werden eher Fotos gewählt, auf denen man jünger ist, besonders gut getroffen ist, auf dem die Lichtverhältnisse günstig sind, auf dem man gerade eine tolle Frisur hat oder es werden besonders schmeichelhafte Filter verwendet. Tipp: Achte hier auch auf die Hintergrundumgebung des Fotos, da genau dies viel über die Person selbst aussagen kann.
Im Jahr 2021 befragte ein Team der kanadischen Nipissing University in der Zeitschrift Archives of Sexual Behavior 388 Personen im Alter von 18 bis 40 Jahren, etwa zur Hälfte Männer und zur Hälfte Frauen. Sie baten die Teilnehmer*innen zu bewerten, wie verärgert sie wären, wenn herausfanden, dass ein Profil falsche oder irreführende Angaben enthielt und stellten zusätzlich die Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie das Date absagen?“
Die Studie fand heraus, dass „Männer im Vergleich zu Frauen am meisten verärgert waren, wenn sie über ihre Attraktivität getäuscht wurden“, während „Frauen mehr verärgert waren als Männer, wenn sie über den Beruf ihres potenziellen Partners belogen wurden“. Interessant ist, dass beide Geschlechter gleichermaßen verärgert waren, wenn sie „in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeiten“ getäuscht wurden.
Doch muss man bei den stereotypen Geschlechterunterschieden vorsichtig sein. So kam eine Studie aus dem Jahr 2015 zu dem Ergebnis, dass „im Gegensatz zu den Ergebnissen früherer Untersuchungen kein signifikanter Geschlechtsunterschied zwischen Männern und Frauen in Bezug auf den Wert der allgemeinen körperlichen Attraktivität festgestellt wurde. Wahrscheinlicher ist, dass Männer eine einheitlichere Definition von „Attraktivität“ haben als Frauen: Jugend, Körperbau, Größe etc. Frauen hingegen finden eher andere Aspekte wichtig für die Attraktivität, wie z.B. Intelligenz, Humor, Beruf usw. Kurz gesagt, definiert sich für viele Frauen körperliche Anziehungskraft nicht nur über den Körper.
Lügen und Fake-Profile erkennen
Beim Lügen erkennen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Tat (bewusste Täuschung) und Unterlassung (Weglassen relevanter Inhalte). Lügen ziehen dabei fast immer andere Lügen mit sich, da die lügende Person oft andere Lügen braucht, um die Kernlüge zu untermauern. Aber eben auch taktisches Schweigen kann eine Form des Lügens sein.
Das Erkennen von Lügen macht es uns unbeübt u.a. durch den sogenannten Expectancy-Effect schwer. Dieser besagt, dass Menschen erst einmal das glauben, was man ihnen sagt, und neigen dann dazu, ihre Erwartung unbewusst bestätigt zu sehen. Auch hierbei spielt die „sekundäre Rationalisierung“, also der Vorgang unseres Gehirns, unsere Entscheidungen im Nachhinein zu rechtfertigen und uns glauben zu lassen, es sei das genau Richtige gewesen, eine wesentliche Rolle. Dieser Bestätigungsfehler führt dazu, dass wir, wenn wir jemanden sympathisch finden, dazu neigen, zweifelhafte Aussagen so zu interpretieren, dass sie wieder in unser Bild passen und unsere positive Vorannahme unbewusst bestätigen.
Tipps zum Erkennen von Fake Profilen
Um Lügen innerhalb von Dating-Profilen erkennen oder ein Fake-Profil ausfindig machen zu können, gibt es zahlreiche Profiling-Möglichkeiten. Hier kommen einige Tipps:
Umgekehrte Foto-Suche
Suche das Bild des Dating-Profils mithilfe der umgekehrten Bildersuche von Google. Oft wirst du hier erstaunlich viele Informationen finden, gelangst auf Social Media Seiten, Firmen-Websites und kannst so einen ersten Check auf Plausibilität machen.
Ein Foto zeigt nicht nur die Person selbst, sondern auch, wie diese sich selbst darstellen möchte. Wurde ein bestimmter Hintergrund bewusst gewählt (z.B. im teuren Cabriolet sitzen)? Wurde Wert auf Natürlichkeit oder Effekt gelegt? Kann man Teile des privaten Hintergrunds erkennen? Ist die Pose eher sinnlich erotisch? Geschulte FaceProfiler® können durch gezieltes Face Reading ein vollständiges Persönlichkeitsprofil erstellen, vorausgesetzt, eine Foto-Analyse gelingt aufgrund von Qualität und Beschaffenheit des Bildes.
Sprachanalyse
Die Sprache selbst ist häufig genau der Teil, den wir am meisten zu kontrollieren versuchen. Doch die Analyse von Texten und verwendeten Wörtern hinterlässt wertvolle Spuren, die wir analysieren können. Ein Beispiel: Menschen, die tendenziell eine positive Meinung von ihren Mitmenschen haben, sind in der Regel glücklicher, sozialer und gewissenhafter. Menschen, die mehr negative Gefühle gegenüber ihrem Umfeld haben, sind stärker mit unsozialen und narzisstischen Verhaltenszügen verbunden. Über die Art der Kommunikation kannst Du auch den Fokus der Person eingrenzen:
Zudem kannst du durch die Verwendung der Worte herausfinden, ob das Profil in sich stimmig oder widersprüchlich ist, wie sich die Person sieht oder darstellen möchte und welche Wörter oft benutzt werden. Nähere Informationen zu Sprachprofilen findest du auch im Profiler-Workbook.
Muster erkennen
Unter Profilern gilt der Grundsatz: 3 + 1 = ein Serientäter!
Ein Symptom, das einmal auftritt, ist interessant. Tritt es zweimal auf, mag dies ein Zufall sein, der Profiler ist aber hellwach. Tritt ein Symptom jedoch dreimal auf, ist es ein Muster. Daher die Faustformel: 3 + 1 = das ist ein Serientäter. Verhält sich also die dir unbekannte Person wiederholt in bestimmter Weise, kannst du den Rückschluss ziehen, dass diese Tendenz auch richtig ist und du dir nichts passend oder schönreden solltest, was nicht so ist.
Intuition
Es mag unwissenschaftlich anmuten, aber unsere Intuition ist oft ein erster, verlässlicher Indikator. Was sagt dein erstes Bauchgefühl? Hast du ein komisches Gefühl? Sagt dir deine innere Stimme, dass etwas nicht stimmt? Eine Studie fand heraus, dass Profis bei Pferdewetten umso häufiger erfolgreich aufs richtige Pferd setzten, je weniger Hintergrundwissen sie hatten. Andere Untersuchungen zeigten, dass Radiologen tendenziell schlechtere Entscheidungen treffen, sobald sie länger als 30 Sekunden auf ein Röntgenbild schauen. Und eine weitere Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte Autokäufer. Die Studie unterteile die Autokäufer in zwei Gruppen:
Gruppe 1 hatte unbegrenzt Zeit, sich mit sämtlichen Informationen und Optionen zu beschäftigen und die Kaufentscheidung gründlich und in Ruhe abzuwägen. Gruppe 2 traf eine schnelle, intuitive Entscheidung. Das interessante Ergebnis: von Gruppe 1 waren am Ende nur 25 Prozent mit ihrer Kaufentscheidung zufrieden. Gruppe 2 war zu 60 Prozent zufrieden mit ihrem Autokauf.
Kurzum: achte auf deinen ersten Eindruck und lerne, dies dann mit den richtigen Profiling-Techniken zu verifizieren.
Französisches Modell
Hast du eine/n Partner*in gefunden, der oder die du richtig gerne magst? Nutze das französische Modell: in Frankreich wird eine neue Person (neue/r Freund*in/Partner*in) häufig zum Abendessen mit den engsten Freunden mitgenommen. Welches Gefühl haben die anderen über die Person? Können sie klar sehen oder haben sie das Gefühl, „Kleister“ im Kopf zu haben und ungute Dinge nicht benennen zu können? Oder hat jeder das Gefühl, die Person habe sich zwar in allem richtig verhalten und dennoch haben sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, unglaubwürdig oder falsch war?
Das interessante Ergebnis: von Gruppe 1 waren am Ende nur 25 Prozent mit ihrer Kaufentscheidung zufrieden. Gruppe 2 war zu 60 Prozent zufrieden mit ihrem Autokauf.