Michal Kosinski, Professor für Organisatorisches Verhalten an der Stanford University Graduate School of Business, sein Kollege David Stillwell und Thore Graepal, leitender Forscher in der Gruppe Online Services and Advertising and Applied Games von Microsoft Research, trainierten im Jahr 2012 einen Computer anhand einer Gruppe von 58.000 Facebook-Profilen, die von Amerikanern freiwillig zur Verfügung gestellt wurden (offiziell nahmen sie an einem kostenlosen Big Five Persönlichkeitstest teil). Analysiert wurden die 55.000 beliebtesten „Likes“ auf Facebook. Die Nutzer hatten im Durchschnitt 68 Likes. Anhand dieser 68 Likes konnten Michal Kosinski und seine Kollegen mit einer 80 – 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit Aussagen über eine Person zu diesen Themen machen:

Hautfarbe, Sexualität, Intelligenz, Wahlpräferenz Republikaner / Demokraten, Religionszugehörigkeit, Konsum von Alkohol / Drogen / Zigaretten, Scheidungskinder ja/nein…

Kosinski entwickelte das System weiter. Im Jahre 2014 konnte sein System anhand von 10 Facebooks-Likes eine Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichten, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150 Likes übertraf die Kenntnis der Eltern, mit 300 Likes konnte seine Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes ließ sich sogar übertreffen, was ein Mensch von sich selber zu wissen glaubt.

Bis 2016 wurde dieses System immer weiter entwickelt und dann offiziell beendet. Dieses Modell wurde dann bei der US-Wahl 2016 von Cambridge Analytica eingesetzt, missbräuchlich benutzt und sorgte für eine große Beeinflussung des Wahlausgangs. Im Interview sagte Michal Kosinski dazu:

„Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt…“.

Cyber-Profiling: Online Disinhibition Effect

Im Profiling wird immer mehr Bedeutung auf das gelegt, was Menschen im Cyberspace tun. Der Online Disinhibition Effect (Online-Enthemmungs-Effekt) besagt, dass Menschen online Dinge sagen, schreiben oder tun, die sie in der „realen“ Welt nie tun würden. Durch das Gefühl der Distanz und im Schutze der Anonymität agieren viele Menschen im Internet enthemmter.

Cyber-Psychopathy

Ein verändertes Verhalten zeigt sich im Internet oft auch sehr subtil, beispielsweise durch die Dislike-Funktion (z.B. auf YouTube), negativen Kommentaren, der Bereitschaft, jemandem nicht zu antworten usw. In der Offline-Welt würden wir das Verhalten des Nicht-Antwortens als Ignoranz und damit als eine der höchsten Formen der Verachtung werten. Klar scheint zu sein, dass bei den meisten Menschen die Hemmschwelle im Internet im Vergleich zur persönlichen Interaktion sinkt. Es findet eine Art Dehumanisierung statt, die dazu führt, dass wir die anderen im Netz nicht mehr als Menschen, sondern als anonyme Dritte, abstrakt oder als Stars sehen. Die Frage ist hierbei die gleiche wie beim Alkoholkonsum: zeigt sich durch das Verhalten im Internet der wahre Charakter, oder nur eine (andere) Facette?

Die SAT.1-Sendung „akte. Spezial: Hass im Netz“ vom vom 02. November 2021 liefert hierzu interessante Einblicke.

E-Personality

Im Profiling haben die Begriffe E-Personality und Cyber-Psychopathy Einzug gehalten.

Profiling im Internet

Informationen und Möglichkeiten für ein effektives Profiling im Internet findest du im großen Profiler Buch.

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