Menschenkenntnis

Menschenkenntnis lernen

Professioneller Menschenkenner werden

Menschenkenntnis ist laut Wikipedia „die Fähigkeit, das Verhalten oder den Charakter von Menschen aufgrund eines ersten Eindrucks richtig einzuschätzen, zu erkennen und zu beurteilen, und vorherzusagen wie sie denken und wie sie handeln werden“. Menschenkenntnis wird auch als „die auf Erfahrung basierende Fähigkeit, (fremde) Menschen richtig einzuschätzen“ beschrieben. Im Kern bringt man gute Menschenkenntnis immer mit Lebenserfahrung, Intuition und Intelligenz in Verbindung. Experten für Körpersprache wie zum Beispiel Samy Molcho haben sich im Laufe der Zeit aber eine bewusste Menschenkenntnis antrainiert und Zusammenhänge zwischen Verhaltensmerkmalen und dem Charakter eines Menschen analysiert.

Voraussetzung für Menschenkenntnis

Jedes richtige Erkennen einer anderen Person sollte eine positive Grundhaltung, einen respektvollen Umgang mit dem Erkannten sowie eine spezielle Ethik voraussetzen. Unterteilungen in „gut“ oder „schlecht“ haben bei der Menschenkenntnis bzw. dem Menschen erkennen nichts zu suchen. Respekt muss die Basis von jeder Persönlichkeitsanalyse sein.

Instrumente zum richtigen Menschen erkennen

  • Gesamteindruck / Intuition
  • Offensichtlichkeiten
  • Körper, Haltung, Masse & Proportionen
  • Gesicht
  • Gesichtsausdruck / Mikro-Expressionen
  • Körpersprache
  • Sprachmuster
  • Instinkt

Wir Menschen verfügen über zwei Wahrnehmungssysteme: bewusste & unbewusste / intuitive. Instinkt ist dabei eine angeborene Verhaltensweise, ein natürlicher Antrieb. Unser Instinkt ist eine Art evolutionäres Programm, das über angeborene Fertigkeiten verfügt, um unser Überleben zu gewährleisten – z.B. durch körperliche Reaktionen um das Überleben und die Gesundheit zu sichern. Instinkte haben immer etwas mit Stress zu tun. Die Intuition kann erst dann wahrgenommen werden, wenn der Stress weg ist.

Intuition

Milton Fisher definierte die Intuition dabei wie folgt: „Intuition ist etwas zu wissen, ohne zu wissen, wann und woher“. 70 – 80% unserer Entscheidungen fällen wir unbewusst. Im Laufe unseres Lebens verfügen wir über eine große „Datenbank“ mit Wissen und Erfahrungen, in der ein permanenter Abgleich neuer Erlebnisse mit vorhandenem Wissen stattfindet. Eine Studie der Princeton Universität belegte, dass unser Unterbewusstsein in weniger als 100 Millisekunden einem uns unbekannten Gesicht bestimmte Charaktereigenschaften zuordnet und dies mit unserer Datenbank von persönlichen Erfahrungen, Stereotypen und Sympathie abgleicht – völlig automatisch. Einen Großteil unserer Menschenkenntnis beziehen wir folglich aus unserer Erfahrung. Die Gefahren, sich bei Menschenkenntnis rein auf Intuition oder seinen Instinkt zu verlassen, sind: Vorurteile, falsche Intuition, Beeinflussung von außen, schlechte Erlebnisse, Stereotypen, vorgefertigte Urteile…

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Offensichtlichkeiten

Manchmal helfen beim Erkennen eines Menschen, die Offensichtlichkeiten zu beachten:
Was nehme ich als erstes wahr?
Was ist das auffallendste Merkmal?
Welches Merkmal kann ich sofort deuten?

Psycho-Physiognomik

Die Psycho-Physiognomik beschreibt die Fähigkeit, einen Menschen anhand von Gesichtsmerkmalen treffsicher zu charakterisieren. Die Psycho-Physiognomie ist also die Wissenschaft der menschlichen Gesichtszüge. Die moderne Psycho-Physiognomik geht zu großen Teilen auf Carl Huter zurück. Obgleich wir alle beispielsweise durch Comics und Filme anhand der äußeren Erscheinung Rückschlüsse auf den Charakter dahinter ziehen können, ist die Psycho-Physiognomik keinesfalls unumstritten. Einerseits liegt das daran, dass die verwandte „Phrenologie“ im Dritten Reich höchst missbräuchlich und falsch angewandt wurde, andererseits die Psycho-Physiognomik lange Zeit auf keiner wissenschaftlichen Basis beruht. Bereits vor einigen tausend Jahren bereits das Gesichtslesen in China praktiziert, das dort Siang Mien genannt wird. Das Gesichtslesen – oder auch Facereading genannt – wurde über die vergangenen Jahrtausende immer weiterentwickelt, u.a. Paracelsus und Carl Huter prägten die moderne Psycho-Physiognomik. Ursprünglich als reine Erfahrungswissenschaft und oftmals als Wahrsagerei und Hokuspokus abgetan, gibt es nun immer mehr wissenschaftliche Beweise für die Richtigkeit dieser Lehre. Allein die Stanford University, Harvard University, University of Toronto, Brock University, Tufts University, New York University sowie der National Geographic, um nur einige zu nennen, haben wissenschaftliche Untersuchungen zu der Frage, ob anhand des Gesichts Aussagen über Persönlichkeit, Gefühlszustand und Gesundheit getroffen werden kann, durchgeführt. In allen Fällen konnte dies wissenschaftlich bestätigt werden. Ebenso gab es Nachweise, dass Aussagen über gleichgeschlechtliche Präferenzen anhand von Gesichtsmerkmalen getroffen werden können.

Unsere Organe sind über Nervenbahnen mit dem Gesicht (Nervus facialis) verbunden. Wir haben 44 Muskeln im Gesicht. Der Homo sapiens entstand vor über 300.000 Jahren, die Sprache selbst hat sich jedoch erst vor etwas mehr als 30.000 Jahren entwickelt. Der Mensch zeigte also von seinen frühsten Ursprüngen an Gefühlszustände, Warnungen und Charakterzüge anhand seines Gesichts. Früher konnten die Menschen die Gesichter und deren Bedeutung intuitiv erkennen, verstehen und richtig interpretieren. Diese Fähigkeit ist leider weitestgehend abhanden gekommen. 

Face Reading

Das Gesichtslesen wird im englischen als Face Reading bezeichnet. Neben der Psycho-Physiognomik ist das Chinese Facereading die wohl bekannteste Disziplin der bewussten Menschenkenntnis. Das Chinese Face Reading ist eine über 3.500 Jahre alte Wissenschaft. Eingesetzt wurde diese Technik ursprünglich in der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) um Krankheiten erkennen. Heutzutage wird das Face Reading von Heilpraktikern angewendet, von Personalexperten, Coaches oder Therapeuten. Das Face Reading ist eine Erfahrungswissenschaft. Unterschiedlich empirische Forschungen bestätigen eine Übereinstimmung mit bis zu über 98%.

Die Menschenkenntnis geht also weit über Lebenserfahrung, Intuition und Intelligenz hinaus. Darüber hinaus scheint eine bewusste Menschenkenntnis trainierbar zu sein.