Ein Lügendetektor, in Fachkreisen meist als Polygraph / Polygraf (wörtlich “Vielschreiber”) bezeichnet, ist ein Gerät, das die galvanische Hautreaktion (GHR), die Herzfrequenz, die Atmung und den Puls misst. Das Gerät erfasst körperliche Signale, die auf Stress hinweisen können. Der Prüfer des Lügendetektors muss durch die Analyse dieser Daten die Gültigkeit der Aussagen und Antworten feststellen.

Vor mehr als 100 Jahren wurde der Polygraph entwickelt. In Deutschland ist er seit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 1954, die 1998 bestätigt wurde, bei deutschen Gerichten nicht mehr zugelassen.

Lügendetektortest

Da es kein einzelnes Signal gibt, das verlässlich Lügen erkennen lässt, sind vor allem Anzeichen von Stress sowie die Abweichung von der sogenannten Baseline wichtige Profiling-Kriterien. Zum Erkennen der Wahrheit wird in Deutschland der Lügendetektortest meist nicht genutzt und ist u.a. bei der Bewerberauswahl verboten. Obwohl die meisten Studien zeigen, dass Polygraphen nicht zuverlässig funktionieren, verwenden Strafverfolgungs- und Regierungsbehörden wie z.B. FBI und CIA den Lügendetektor weiterhin als „zuverlässigen“ Indikator für Vertrauenswürdigkeit.

Doch Falschaussagen oder verborgenes Täterwissen lassen sich nicht eindeutig an den Messwerten von Lügendetektoren ablesen. Polygraphen können lediglich die verschiedene physiologische Kennwerte einer Person aufzeichnen, jedoch nicht Wahrheit bzw. Unwahrheit erkennen. Die Technik dieser Geräte an sich ist sehr simpel: Messfühler erfassen verschiedene Parameter wie Hautleitfähigkeit (Schweiß der Haut), Herzfrequenz, Blutdruck, teilweise auch die Atemfrequenz. Die neuesten Geräte verfügen über ein Messgerät, das als „intelligenter Sitz“ bezeichnet wird und die Bewegungen des Beckens auf dem Sitz erfasst. Dadurch kann manchmal der Schließmuskel des Gesäßes erkannt und der Prüfer alarmiert werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich bei uns Menschen der Anus als Reaktion auf Angst zusammenzieht. Diese körperliche Reaktion ist mit dem Blutdruck, der Atmung und dem Stresslevel verbunden. Wenn wir beispielsweise daran denken, wie unsere körperliche Reaktion war als wir bei einem Flug in ein Flugloch gerieten, wissen die meisten, was damit gemeint ist.

Ob Lügendetektoren nun funktionieren oder nicht, in jedem Fall hat der Einsatz aber meist eine abschreckende Wirkung. Doch klar ist: Polygraphen messen keine Lügen.

Wie funktioniert ein Lügendetektortest?

Beim Lügendetektortest wird einer Person ein Gurt um die Brust geschnallt, um dadurch die Atmung messen zu können. Zudem bekommt die Person mehrere Elektroden an Handfläche und Finger, um so die Hautleitfähigkeit (schwitzige Hände/Finger) zu messen. Schließlich wird noch ein Blutdruckgerät an den Oberarm gelegt. Der Polygraph zeichnet während der Befragung einer Person den Verlauf von seinen physischen Parametern (Puls, Blutdruck, Atmung etc.) kontinuierlich auf.

Kontrollfragen und Vergleichsfragen

Kontrollfragen bzw. Vergleichsfragen sind ein wichtiges Instrument im Zusammenhang mit Polygraphen-Tests. Sie dienen dazu, die Glaubwürdigkeit der Aussagen eines Befragten zu überprüfen. Kontrollfragen sind dabei Fragen, die auf dieselben Informationen abzielen wie die ursprüngliche Frage, aber auf eine andere Weise gestellt werden. Vergleichsfragen sind Fragen, die sich auf ähnliche Situationen oder Ereignisse beziehen, die der Befragte bereits beantwortet hat.

Kontrollfragen können dabei helfen, Widersprüche in den Aussagen des Befragten zu erkennen. Wenn der Befragte in seinen Antworten zu einer Kontrollfrage von seinen Antworten auf die ursprüngliche Frage abweicht, ist dies ein Anzeichen dafür, dass er möglicherweise lügt.

Vergleichsfragen können dabei helfen, die Konsistenz der Aussagen des Befragten zu überprüfen. Wenn der Befragte in seinen Antworten zu Vergleichsfragen unterschiedliche Angaben macht, ist dies ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass er möglicherweise lügt.

Bei der Formulierung von Kontroll- und Vergleichsfragen sollten einige Dinge beachtet werden:

  • Die Fragen sollten so formuliert sein, dass sie eine eindeutige Antwort ermöglichen.
  • Die Fragen sollten nicht zu einfach sein, da der Befragte sie dann auch bei einer Lüge leicht beantworten kann.
  • Die Fragen sollten nicht zu offensichtlich sein, da der Befragte dann misstrauisch wird und seine Antworten manipulieren kann.

Beispiele für Kontrollfragen

  • Originalfrage: „Waren Sie am Abend des 1. August 2023 in der Nähe der Bankfiliale?“
  • Kontrollfrage: „Welche Farbe hatten Sie an, als Sie am Abend des 1. August 2023 in der Nähe der Bankfiliale waren?“

In diesem Beispiel sind beide Fragen auf die gleiche Information abzielen, nämlich ob der Befragte am Abend des 1. August 2023 in der Nähe der Bankfiliale war. Die Kontrollfrage ist jedoch anders formuliert und zielt auf eine spezifischere Information ab.

Beispiele für Vergleichsfragen

  • Originalfrage: „Haben Sie jemals Geld aus der Bankfiliale gestohlen?“
  • Vergleichsfrage: „Haben Sie jemals etwas aus einem Geschäft gestohlen?“

In diesem Beispiel sind beide Fragen auf ähnliche Situationen bezogen, nämlich auf das Stehlen von Geld oder Eigentum. Die Vergleichsfrage ist jedoch weniger spezifisch und bezieht sich auf eine allgemeine Situation.

Weitere Beispiele

  • Originalfrage: „Haben Sie mit dem Opfer gestritten?“

  • Kontrollfrage: „Welchen Eindruck hatten Sie vom Opfer?“

  • Originalfrage: „Haben Sie den Täter gesehen?“

  • Vergleichsfrage: „Haben Sie jemals jemanden gesehen, der so aussah wie der Täter?“

Relevante Fragen

Relevante Fragen sind Fragen, die für die Aufklärung des Sachverhalts relevant sind. Sie können sich auf Personen, Orte, Ereignisse oder Gegenstände beziehen. Relevante Fragen sollten so formuliert sein, dass sie eine eindeutige Antwort ermöglichen. Bei der Formulierung von relevanten Fragen sollte Folgendes beachtet werden:

  • Die Fragen sollten so formuliert sein, dass sie eine eindeutige Antwort ermöglichen.
  • Die Fragen sollten nicht zu allgemein sein, da der Befragte dann keine konkreten Angaben machen kann.
  • Die Fragen sollten nicht zu persönlich sein, da der Befragte sich dann unwohl fühlen kann.

Im Vergleich zu Kontroll- und Vergleichsfragen sind relevante Fragen nicht spezifisch auf die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Befragten ausgerichtet. Sie dienen vielmehr dazu, Informationen zu erhalten, die für die Aufklärung des Sachverhalts relevant sind. Es kann sich aber auch um Fragen handeln, die gestellt werden, um spezifische Reaktionen auf den fraglichen Vorfall zu erhalten. Sie sollen Aufschluss darüber geben, ob die Person die Wahrheit sagt oder lügt. Dazu gehören Fragen wie:

  • „Waren Sie am Dienstag um 16.30h im Büro?“
  • „Haben Sie am 20. Juli 2023 das Haus von Herrn Müller betreten?“
  • „Haben Sie am 20. Juli 2023 das Auto XY besessen?“

Fehlerquellen

Lügendetektoren sind nicht unfehlbar. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu falschen Ergebnissen führen können. Dazu gehören:

  • Stress: Stress kann die Messwerte des Polygraphen beeinflussen, unabhängig davon, ob die Person die Wahrheit sagt oder lügt. Auch unschuldige Menschen können Stress bei einer solchen Befragung empfinden und z.B. Angst haben, dass man ihnen nicht glaubt.
  • Emotionen: Starke Emotionen, wie Angst oder Wut, können ebenfalls die Messwerte beeinflussen.
  • Vorbereitung: Personen, die sich auf einen Lügendetektortest vorbereiten, können lernen, ihre Reaktionen zu kontrollieren.

Bewertung der Ergebnisse

Die Ergebnisse eines Lügendetektortests werden von einem Prüfer bzw. einer Prüferin, der / die in der Interpretation von Polygraphen-Messwerten geschult ist, bewertet. Die Bewertung ist durchaus subjektiv und kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Verschiedene Messparameter

Der Polygraph misst die folgenden physiologische Parameter:

  • Galvanische Hautreaktion (GHR): Die GHR ist ein Maß für die elektrische Leitfähigkeit der Haut. Sie kann sich erhöhen, wenn eine Person unter Stress steht.
  • Herzfrequenz: Die Herzfrequenz kann sich erhöhen, wenn eine Person unter Stress steht.
  • Atmung: Die Atmung kann sich beschleunigen oder verlangsamen, wenn eine Person unter Stress steht.
  • Puls: Der Puls kann sich erhöhen, wenn eine Person unter Stress steht.

Polygraphen Test: Befragung

Nach dem ersten Gesprächsteil stellt der Prüfer Fragen, die sich auf einige der „Ungereimtheiten“ beziehen, die er während der Befragung festgestellt hat. Meist wird dieser Teil des Gesprächs scheinbar zwanglos und „inoffiziell“ gehalten. Dann gibt es noch Fragen, die eine starke emotionale Reaktion provozieren sollen, um so Einblick in die Stressreaktionen der Person zu erhalten.

Lügendetektortest: Ende der Befragung

Nachdem die befragte Person das Gefühl hat, dass die Befragung vorbei ist und der Lügendetektor entfernt wurde, machen dann die eintretende Entspannung und das Gefühl der Erleichterung oft anfällig für beiläufige Fragemethoden durch gut geschulte Analysten. Der Profiler geht auf einige Details des Gesprächs ein und beginnt dann beiläufig, eine Beziehung zur Testperson aufzubauen und so weitere und optimalerweise entscheidende Informationen zu erhalten.

Polygraphen austricksen

Das ein Polygraph keine Wahrheitsmaschine ist, sollte nun klar sein. Zudem gibt es zahlreiche Hinweise von erfahrenen Verhörexperten, wie man einen Polygraphen austricksen kann. So kann der Betroffene beispielsweise durch Selbsthypnose seine körperlichen Reaktionen auf heikle Fragen kontrollieren. Zudem kann man die Messungen des Lügendetektors verfälschen, indem man sich selbst z.B. auf die Zunge beißt, an ein sexuelles Abenteuer denkt oder man entweder die ganze Zeit gestresst ist, oder die ganze Zeit nicht nervös ist. Insbesondere bei den Kontrollfragen, von denen der Prüfer weiß, dass die befragte Person sie wahrheitsgemäß beantworten wird, kann so durch künstliche Stressreaktionen eine falsche Baseline ermittelt werden, so dass die Abweichungen zu realen Stressanzeichen geringer bis gar nicht erkennbar sind.

Insider Tipp

Wenn man während des Lügendetektortests seine Schließmuskeln absichtlich anspannt, so als ob man versucht, seinen Stuhlgang zu verhindern, reagieren Atmung und Blutdruck genau so, als ob man einem bedrohlichen oder ängstlichen Reiz ausgesetzt wäre. Wenn eine befragte Person diese Methode während der Kontrollfragen anwendet, werden die Kontrollmessungen des Lügendetektors verfälscht.

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