Das limbische System

Das limbische System

Das limbische System und Körpersprache.

Anders als häufig vermutet, befinden sich nicht nur ein, sondern gleich drei „Gehirne“ im menschlichen Schädel: Reptilien-/ Stammhirn; Säugetiergehirn / limbische Gehirn; menschliche Gehirn (Neocortex). Entscheidend für das richtige Erkennen und Deuten der Körpersprache ist das limbische System (lat. limbus „Saum“), da dieses eine zentrale Rolle beim Ausdruck nonverbalen Verhaltens spielt. Diese Hirnregion schließt sich oberhalb des Hirnstamms an und ist ein Verbund verschiedener Hirnstrukturen im Innern des Gehirns. Diese Funktionseinheit des Gehirns spielt eine große Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten.

Amygdala

Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems und für das Erleben von Stress und Angst zuständig. Sie ist ein kleiner, mandelförmiger Komplex von Nervenzellen im unteren Bereich des Gehirninneren. In der Amygdala (Mandelkern) sind viele menschliche Emotionen zu Hause. Sie verarbeitet äußerliche Einflüsse, löst bei Bedarf Angst, Fluchtreflexe oder andere Emotionen aus und setzt die entsprechenden Hormone frei. Die Amygdala besitzt außerdem ein eigenes Gedächtnis: wurde man z.B. als Kind von einem Hund gebissen, verbindet die Amygdala die Erinnerung an Hunde mit Angst.

Säugetiergehirn

Das limbische System ist ein sehr alter Teil des Gehirns, der sich aus mehreren Strukturen zusammensetzt. Es werden ihm Leistungen wie die Steuerung der Funktionen von Antrieb, Lernen, Gedächtnis, Emotionen sowie vegetative Regulation der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Fortpflanzung zugeschrieben. Diesem Teil des Gehirns werden auch intellektuelle Leistungen zugesprochen. In der Evolution entstand das limbische System in der Phase der Entwicklung der Säugetiere. Es existiert also schon viel länger als unser Homo-Sapiens-Gehirn, der Neocortex, und ist deswegen evolutionär perfekt an die besten Überlebensstrategien angepasst. Darum wird es auch als Säugerhirn bzw. Säugetiergehirn bezeichnet, da es allen Säugetieren gemein ist. Es reguliert die für die soziale Natur der Säugetiere typischen Empfindungen wie Liebe, Angst oder Hass.

Hippocampus, Gyrus cinguli, Gyrus parahippocampalis, Amygdala, Corpus mammillare

Heutzutage zählen die meisten Wissenschaftler zum limbischen System den Hippocampus, Gyrus cinguli, Gyrus parahippocampalis, die Amygdala und das Corpus mammillare. Damit umfasst das limbische System Strukturen und Areale der Basalganglien sowie von Groß– und Zwischenhirn. Diese Grafik zeigt die einzelnen Komponenten des limbischen Systems, wie die Amygdala, den Hippocampus und den Hypothalamus.

Limbisches System Säugetiergehirn

Limbische System und nonverbale Kommunikation

Sämtliche unserer Verhaltensweisen werden durch unser Gehirn gesteuert. Das limbische System unseres Gehirns hat dabei eine Besonderheit: es reagiert unmittelbar und reflexartig, ohne dass wir dies bewusst steuern können oder dafür nachdenken müssen. Es ist dafür verantwortlich, dass wir unterbewusst alle Reize aus unserer Umgebung wahrnehmen und auf diese automatisch, unmittelbar und wahrhaftig reagieren. Das limbische Gehirn sichert durch sein reflexartiges Verhalten unser Überleben. Aufgrund dieser Eigenschaft ist es immer aktiv und kann nie ausgeschaltet werden. Da das limbische System nicht mit dem Verstand gesteuert werden kann, ist die erste Reaktion immer authentisch und ehrlich. Und genau diese unbewussten, reflexartigen Verhaltensweisen, die vom limbischen System ausgelöst und gesteuert werden, können wir beobachten, interpretieren und entschlüsseln.

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Das limbische System ist der Sitz des Unterbewusstseins und des autonomen Nervensystems, das alle automatisch ablaufenden biologischen Funktionen steuert. Es ist an unserem Instinktverhalten, den grundlegenden Emotionen und Impulsen (darunter auch Sexualtrieb, Wut, Vergnügen oder Überlebensdrang) beteiligt. Kurzum: das limbische System steuert unsere Emotionen. Ein Gefühl ist dann die Reaktion auf eine Emotion. Emotionen entstehen im Gehirn, Gefühle im Körper. Das limbische System ist folglich unser emotionales Zentrum und eng vernetzt mit anderen Gehirnarealen, die Einfluss auf unser Verhalten nehmen (insbesondere, wenn es um elementare Gefühle oder instinktive, überlebenswichtige Verhaltensweisen geht). Das limbische System steuert beispielsweise auch unsere archaischen Notfallprogramme: Angriff, Flucht oder Starre.

Kampf-oder-Flucht-Reaktion oder fight-or-flight response

Die drei Grundreaktionen auf Bedrohung sind Angriff, Flucht oder Starre.
Wir Menschen sind auf andere abgestimmte soziale Wesen und befinden uns daher die meiste Zeit in einem Resonanz- / Anpassungsmodus. „Adaptive Reaktionen“ nennt man die Anpassung des Verhaltens an die Umgebungsveränderung. Wir passen uns den jeweiligen Gegebenheiten an und machen unsere Gefühle erkennbar, um so unser Überleben zu sichern, in dem wir durch nonverbale Signale z.B. andere warnen (z.B. bei Gefahrensituationen). In der Schockstarre passiert biologisch auch etwas Interessantes: das ganze Blut aus den in Gefahrensituationen eher unwichtigeren Organen, wie zum Beispiel dem Magen, wird in die Gliedmaßen gepumpt, damit die Muskeln besser mit Sauerstoff versorgt werden und man schneller rennen oder besser kämpfen kann. Zudem wird Adrenalin ausgestoßen. Adrenalin sorgt dafür, dass die Herzfrequenz steigt, der Blutdruck steigt, die Bronchien sich erweitern, Energie schneller bereitgestellt wird und uns schmerzunempfindlicher macht.