Welcher Persönlichkeitstyp hat die besten Überlebenschancen?

Marskolonisation. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Marskolonie mit deutlich weniger Siedlern auskommen könnte als bisher angenommen. Wissenschaftler*innen der George Mason University in Fairfax, Virginia, sowie weiterer Institutionen haben untersucht, welche Herausforderungen Siedler auf dem Mars bewältigen müssen, um eine langfristige, sich selbst erhaltende menschliche Präsenz aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Dabei nutzten sie Computersimulationen, um auch die Persönlichkeitstypen zu identifizieren, die sich am besten für einen Aufenthalt von bis zu 28 Jahren auf dem Roten Planeten eignen würden.
„Unsere zahlreichen Simulationen und Szenarien (über einen Zeitraum von bis zu 28 Jahren) haben ergeben, dass eine anfängliche Bevölkerungszahl von 22 Personen das absolute Minimum ist, um langfristig eine lebensfähige Siedlung aufrechtzuerhalten“, schrieben die Autor*innen.
Des Weiteren konzentrierten sich die Forscher*innen auf die Merkmale, die am ehesten zum Erfolg einer solchen Kolonie beitragen würden. Hierbei griffen sie auf Daten aus früheren Untersuchungen zurück, wie beispielsweise Fragebögen, die von Gruppen auf der Internationalen Raumstation oder von Personen ausgefüllt wurden, die längere Zeit in der Arktis auf engstem Raum gelebt haben. Ebenso berücksichtigten sie etablierte Charaktereigenschaften wie Stressresistenz, soziale Fähigkeiten und den Grad der Neurotizismus.
Die Forscher nutzten Agentenbasierte Modellierungs-Simulationen (AMS), um die Interaktionen zwischen den Siedlern zu berücksichtigen. Sie teilten die Siedler in vier grundlegende Persönlichkeitstypen ein, basierend auf ihrer Widerstandsfähigkeit und Bewältigungsfähigkeit: neurotisch, reaktiv, sozial oder verträglich. Anschließend wurden diese Avatare verschiedenen Computersimulationen unterzogen.
Das Team definierte „verträglich“ als „Personen mit der geringsten Neigung zum Wettbewerb, geringer Aggressivität und ohne starre Fixierung auf Routinen“. „Soziale“ wurden beschrieben als „Personen mit einer moderaten Neigung zum Wettbewerb, extrovertiert, die soziale Interaktion benötigen, aber nicht zwanghaft an feste Abläufe gebunden sind“. Personen mit einem mittleren Grad an Wettbewerbsorientierung, wettbewerbsbetonter zwischenmenschlicher Ausrichtung und Fixierung auf feste Abläufe wurden als „reaktiv“ klassifiziert. Die letzte Gruppe, genannt „Neurotiker“, bestand aus „Personen mit hoher Wettbewerbsneigung, stark ausgeprägten aggressiven zwischenmenschlichen Merkmalen und begrenzter Fähigkeit, sich an Langeweile oder Veränderungen im Ablauf anzupassen“.
Die Modelle für die Marskolonien begannen mit einer gleichmäßigen Verteilung dieser vier Persönlichkeitstypen. In allen Tests betonten die Forscher, dass die verträglichen Persönlichkeitstypen die einzigen Marsbewohner waren, die in jeder einzelnen Durchlaufphase fortbestanden.
„Wir haben außerdem festgestellt, dass der verträgliche Persönlichkeitstyp die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit aufwies“, erklärte das Team. „Der durch Unfälle und Interaktionen mit anderen Siedlern hervorgerufene Stress hinterlässt seine Spuren, und die verträglichen Persönlichkeitstypen erwiesen sich langfristig als am widerstandsfähigsten, während die Neurotiker die geringste Anpassungsfähigkeit zeigten.“
Zusätzlich zur Modellierung von Ereignissen auf individueller Ebene, wie den Interaktionen zwischen den Siedlern, nutzte das Team die Agentenbasierten Modellierungs-Simulationen auch, um globale Herausforderungen zu berücksichtigen. Dies schloss die Untersuchung potenzieller Auswirkungen von Ereignissen wie Unfällen und Unterbrechungen in der Versorgungskette zwischen der Erde und der Marsbasis auf den Außenposten als Ganzes ein.
Das Team betonte, dass ihre Forschung „zeigt, dass der psychologische Erfolg von Teams und Einzelpersonen in extremen Umgebungen weitgehend auf die Bewältigungsfähigkeit zurückzuführen ist. Hierbei verstehen wir Bewältigungsfähigkeit als die Fähigkeit von Menschen, Organisationen und Systemen, unter Verwendung verfügbarer Fertigkeiten und Ressourcen widrige Bedingungen, Risiken oder Katastrophen zu bewältigen.“





