Die Konsistenztheorie

Die Konsistenztheorie

Experimente von Klaus Grawe sowie von Jonathan Freedman und Scott Fraser

Konsistenztheorie von Klaus Grawe

Die Konsistenztheorie von Klaus Grawe versuchte, dass psychische Funktionierens des Menschen psychologisch zu erklären. Grawes Theorie geht davon aus, dass der Organismus nach Übereinstimmung bzw. Vereinbarkeit der gleichzeitig ablaufenden neuronalen und psychischen Prozesse strebt. Diesen Zustand bezeichnete Klaus Grawe als Konsistenz. 

Nach Klaus Grawe streben alle Organismen nach Konsistenz, d.h. nach einer Passung zwischen den inneren Bedürfnissen (psychische Prozesse) und dem Erleben in der Realität (neuronale Prozesse). Die Grundbedürfnisse sind universell bei jedem Menschen zu finden. Die Methoden und Wege, diese Grundbedürfnisse zu befriedigen, sind jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Grawe geht auf Ebene eins davon aus, dass es insgesamt vier Grundbedürfnisse gibt:

  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
  • Bedürfnis nach Bindung
  • Bedürfnis nach Selbstwertschutz und Selbstwerterhöhung

Auf der zweiten Ebene finden sich die sogenannten motivationalen Schemata, welche sich im Laufe der Entwicklung, in Interaktion mit der Umwelt, bei allen Menschen entwickeln. Diese lassen sich unterteilen in:

  • Intentionale Schemata (Annäherungsziele)
  • Vermeidungsschemata (Vermeidungsziele)

Auf der dritten Ebene werden die motivationalen Ziele mit den realen Wahrnehmungen abgeglichen (Ebene des  Erlebens und Verhaltens).

kostenloser Kurs Lügen erkennen

Konsistenz – Experiment der US-Forscher Jonathan Freedman und Scott Fraser

Eine der stärksten Kraft der menschlichen Persönlichkeit ist das Bedürfnis, in Übereinstimmung zu bleiben, wie wir uns selbst definiert haben. Menschliche Entscheidungen und Verhalten sind von dem Bedürfnis geprägt, konsistent zu sein. Konsistenz bedeutet hierbei, an einer einmal getroffenen Entscheidung, Meinung, Urteilen oder Positionen festzuhalten oder in Übereinstimmung mit früherem Verhalten zu handeln. Wir sind dabei bestrebt, von uns selbst und von anderen als konsistent wahrgenommen zu werden. Menschen ändern die Richtung, die ihr Verhalten einmal genommen hat, nicht mehr ohne guten Grund. Für die Beibehaltung dieser Richtung braucht es dagegen keine eigenen Gründe mehr. Auf den Punkt gebracht bedeutet Konsistenz so viel wie Stimmigkeit oder Widerspruchsfreiheit.

Bleibt das Bestreben nach Konsistenz unerfüllt, entsteht das unan-genehme Gefühl einer kognitiven Dissonanz. Und genau diese menschliche Neigung zur Konsistenz bzw. Vermeidung von Verhaltens-mustern, die kognitive Dissonanzen hervorrufen, werden oft ausgenutzt, um andere zu manipulieren. 

Um diese Konsistenztheorie zu untersuchen, gab es zahlreiche Experimente und Studien. Ein Experiment zeigt deutlich die Wirkung des Konsistenzstrebens:

Die US-Forscher Jonathan Freedman und Scott Fraser und Team gaben sich als Aktivisten aus und klingelten in einem Vorort an Haustüren mit dem Ziel, die Hausbewohner zum Aufstellen eines riesigen Schildes auf deren Grundstück zu überreden mit der Aufschrift: „Augen auf im Straßenverkehr!“. Die Forscher zeigten den Anwohnern Bilder von anderen Grundstücken, auf denen ebensolche Schilder aufgestellt wurden und einen Großteil des Grundstücks einnahmen. Wenig verwunderlich, dass nur 17 Prozent der Befragten bereit waren, dieses riesige Schild für die Verkehrsteilnehmer in ihrem Garten aufstellen zu lassen.

Im zweiten Teil dieses Experiments änderten die Forscher ihre Strategie. Wieder wurde ein Vorort mit vergleichbaren Bedingungen aufgesucht. Im ersten Schritt kam ein erstes Team wieder als Aktivisten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr getarnt und klingelten an den Haustüren. Diesmal wurden die Hausbewohner gefragt, ob ihnen die Sicherheit im Straßenverkehr wichtig sei. Da dieser Frage nahezu jeder Anwohner zustimmte, wurden die Anwohner daraufhin gefragt, ob sie bereit wären, ein ganz kleines 8 x 8 cm großes Schild irgendwo in einem Fenster zur Straßenseite anzubringen. Die Aufschrift des kleinen Schildes war wieder: „Augen auf im Straßenverkehr!“. Die meisten Anwohner stimmten dem zu. Zwei Wochen später kam ein anderes Forscherteam und gab sich wie im ersten Teil des Experiments als Aktivisten aus und bat die Anwohner wieder, ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Augen auf im Straßenverkehr!“ aufs Grundstück zu stellen. Doch diesmal waren tatsächlich 76 Prozent der Befragten einverstanden damit, dieses gigantische Schild in ihrem Vorgarten aufbauen zu lassen. 

Die Erklärung? Durch die Zustimmung für „Sicherheit im Straßen-verkehr“ zu sein und durch die erste Bereitschaft, das Mini-Schild ins Fenster zu hängen, hatten sich die Hausbewohner bereits für eine solche Aktion ausgesprochen. Als die Forscher zwei Wochen später mit der großen Bitte ankamen, war es für die Hausbesitzer natürlich ungemein viel schwerer „nein“ zu sagen, als wenn sie zwei Wochen zuvor nicht eingewilligt hätten. Denn nun würden sie sich inkonsistent fühlen (kognitive Dissonanz), wenn sie der Bitte nicht nachgekommen wären.