Kennst du das Gefühl, wenn du zwischen zwei widersprüchlichen Überzeugungen oder Werten hin- und hergerissen bist? Dieses psychische Unbehagen nennt man kognitive Dissonanz. Menschen streben nach Konsistenz in ihren Einstellungen und Wahrnehmungen, weshalb der Konflikt zwischen ihnen unangenehme Gefühle der Unruhe und des Unbehagens hervorrufen kann.

Kognitive Dissonanz, Englisch cognitive dissonance, tritt auf, wenn das, was wir glauben, nicht mit unserem Verhalten übereinstimmt. Die Widersprüchlichkeit zwischen dem, was Menschen glauben, und ihrem Verhalten motiviert sie zu Handlungen, die dazu beitragen, das Gefühl des Unbehagens zu minimieren.

Nehmen wir an, du bist Raucher*in und weißt um die negativen Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit. Dieses Wissen steht im Konflikt mit deinem eigenen Verhalten. Um die kognitive Dissonanz zu reduzieren, könntest du dich auf die Tatsache konzentrieren, dass du einen Raucher kennst, der trotzdem ein hohes Alter erreicht hat und gesund war. Dadurch wertest du Informationen auf, die mit deinem Verhalten übereinstimmen, während du möglicherweise Studien, Informationen oder Meinungen anderer Menschen, die das Rauchen als gesundheitsschädlich darstellen, abwertest. Ein weiteres Beispiel für kognitive Dissonanz könnte der innere Konflikt sein, den man erleben kann, wenn das eigene Verhalten im Widerspruch zu den Informationen steht, dass dieses Verhalten umweltschädlich ist und zum Klimawandel beiträgt.

Gerade in Zeiten großer Veränderungen, wie wir sie aktuell erleben, können wir beobachten, welche negativen Gefühle bei den Menschen entstehen, wenn sie erkennen und erfahren, dass das, woran sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geglaubt und wie sie gehandelt haben, sich als falsch erweist. Die Folge sind zwei Methoden, die wir als Reaktion unterbewusst anwenden:

1. Konsonante Informationen werden aufgewertet. Wir geben also denjenigen Informationen den Vorrang, die unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen als richtig erscheinen lassen.

2. Überbringer*innen dissonanter Informationen werden abgewertet.

Fünf Arten kognitiver Dissonanz

Es gibt fünf primäre Arten von kognitiver Dissonanz:

  1. Dissonanz nach einer Entscheidung: wenn wir eine Entscheidung treffen und danach auf neue Informationen stoßen, die unserer Entscheidung widersprechen, kann dies zu kognitiver Dissonanz führen.
  2. Dissonanz aufgrund des Wunsches nach etwas, das wir nicht haben können: wenn wir uns nach etwas sehnen, das unerreichbar ist, entsteht kognitive Dissonanz.
  3. Dissonanz aufgrund der Inkonsistenz zwischen Einstellung und Verhalten: wenn unsere Handlungen nicht mit unseren Überzeugungen übereinstimmen, erleben wir kognitive Dissonanz.
  4. Dissonanz aufgrund unzureichender Rechtfertigung: wenn wir eine Handlung ausführen, für die wir keine ausreichende Rechtfertigung haben, entsteht kognitive Dissonanz.
  5. Dissonanz aufgrund der Inkonsistenz zwischen Engagement und Information: wenn wir uns stark für etwas engagieren, aber neue Informationen erhalten, die dem widersprechen, entsteht kognitive Dissonanz.

Was sind die Anzeichen und Symptome von kognitiver Dissonanz?

Dr. Ashwini Nadkarni, stellvertretende Vorsitzende des Wellness-Bereichs, stellvertretende medizinische Leiterin der psychiatrischen Fachbereiche am Brigham and Women’s Hospital in Boston und Dozentin an der Harvard Medical School, erklärt, dass ein wesentlicher Bestandteil kognitiver Dissonanz die psychologische Spannung ist, die entsteht, wenn frühere Einstellungen mit neuen Informationen in Konflikt geraten.

Menschen, die unter kognitiver Dissonanz leiden, können laut Dr. Nadkarni verschiedene Erfahrungen machen:

  • Verlegenheit darüber, dass sie sich in ihren früheren Überzeugungen getäuscht fühlen.
  • Scham oder Bedauern über vergangene Handlungen oder Entscheidungen.
  • Schuldgefühle, weil sie sich verstecken oder etwas für falsch halten.
  • Unbehagen, weil sie etwas tun, das ihren Überzeugungen widerspricht.

Theorie der kognitiven Dissonanz

Die sozialpsychologische Theorie der kognitiven Dissonanz wurde erstmals von Leon Festinger untersucht. Festinger und sein Team führte eine Studie über eine Sekte durch, die glaubte, dass die Erde durch eine Flut zerstört werden würde. In der Studie wurden Randgruppenmitglieder und diejenigen unterschieden, die der Sekte so treu ergeben waren, dass sie ihre Häuser und Arbeitsplätze aufgegeben hatten, um für die Sekte zu arbeiten. Als die Flut jedoch nicht eintraf, ergab sich ein interessantes Phänomen.

Die Randgruppenmitglieder erkannten eher, dass sie sich getäuscht hatten, und betrachteten die Erfahrung als Lehre. Die engagierten Mitglieder hingegen neigten dazu, die Beweise neu zu interpretieren, um zu zeigen, dass sie die ganze Zeit über Recht hatten. Sie glaubten, dass die Erde nicht aufgrund ihrer Treue zur Sekte zerstört wurde.

Diese Studie legt nahe, dass Einstellungsänderungen nicht immer einfach stattfinden. Menschen haben oft den inneren Drang, kognitive Konsistenz aufrechtzuerhalten und Dissonanz zu vermeiden. Das bedeutet, dass sie dazu neigen, Beweise zu interpretieren oder zu ignorieren, die ihren Überzeugungen widersprechen, um ihre innere Harmonie wiederherzustellen.

Was verursacht kognitive Dissonanz?

Es gibt verschiedene Faktoren, die kognitive Dissonanz verursachen können. Erzwungenes Compliance-Verhalten ist ein Beispiel dafür. Wenn jemand dazu gezwungen wird, öffentlich etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun möchte, entsteht eine Diskrepanz zwischen seiner privaten Wahrnehmung und seinem öffentlichen Verhalten. Dies kann zu kognitiver Dissonanz führen.

Auch Entscheidungsfindung kann kognitive Dissonanz verursachen. Wenn wir eine Entscheidung treffen und im Nachhinein auf Informationen stoßen, die unserer Entscheidung widersprechen, geraten wir in einen Konflikt zwischen unserer ursprünglichen Überzeugung und den neuen Informationen.

Des Weiteren kann Anstrengung kognitive Dissonanz hervorrufen. Wenn wir viel Mühe oder Zeit in eine Handlung oder eine bestimmte Überzeugung investiert haben und dann feststellen, dass sie möglicherweise nicht den erwarteten Ergebnissen entspricht, entsteht kognitive Dissonanz.

Kognitive Verzerrung

Kognitive Dissonanz ist ein Beispiel einer kognitiven Verzerrung (siehe Artikel „Cognitive Bias – kognitive Verzerrungen im Alltag„). Kognitive Verzerrung bezieht sich auf systematische Fehler in unserem Denken und unserer Wahrnehmung, die unsere Urteilsfähigkeit und Entscheidungsfindung beeinflussen können. Diese Verzerrungen können dazu führen, dass wir Informationen selektiv wahrnehmen, interpretieren oder erinnern, um unsere bestehenden Überzeugungen und Einstellungen aufrechtzuerhalten.

In Bezug auf kognitive Dissonanz können kognitive Verzerrungen dazu führen, dass wir bestimmte Informationen bevorzugen oder verzerren, um den Konflikt zwischen unseren Überzeugungen und unserem Verhalten zu reduzieren. Indem wir selektiv nach Informationen suchen oder diese interpretieren, können wir dazu neigen, unsere bestehenden Überzeugungen zu bestätigen und Informationen abzulehnen, die im Widerspruch dazu stehen.

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