Der Kluger-Hans-Effekt. Der pensionierte Grundschullehrer Wilhelm von Osten kaufte sich Ende der 1890er Jahre einen schwarzen Orlow-Traber und nannte das Pferd Hans. Kurze Zeit später schon zogen von Osten und das unter dem Namen „Kluger Hans“ bekannt gewordene Pferd zahlreiche Zuschauer an. Denn der kluge Hans konnte rechnen. Der kluge Hans zeigte eine fast „menschliche“ Intelligenz, indem er auf Fragen mit einer Vielzahl von Hufschlägen oder anderen Aktionen reagierte. Das Zählen und einfache Rechnungen gelangen dem Pferd zum Erstaunen aller problemlos. Das Erstaunen war so groß, dass eine unabhängige Kommission aus Wissenschaftlern dieses Phänomen überprüfte. Sogar die New York Times berichtete über „Clever Hans“.

Clever Hans Effect

Angefangen durch den kritischen Psychologiestudenten Oskar Pfungst am Institut der Universität Berlin und weiteren Untersuchungen fand man jedoch später heraus, dass das Pferd Hans nur auf eines achtete: die Veränderung der Körpersprache seines Besitzers Wilhelm von Osten. Kaum sichtbare Signale der Erleichterung, nachdem Hans die richtige Zahl mit dem Huf gescharrt hatte, eine winzige Änderung der Körperspannung, eine kaum merkbare Änderung der Mimik usw. War der Besitzer von Osten aus dem Blickfeld seines Pferdes verschwunden, war Hans nicht mehr imstande, wundersame Aufgaben zu lösen. Es waren also die nonverbalen Zeichen und die Änderung der Körpersprache, die das Tier veranlasste, mit dem Huf zu scharren oder mit dem Scharren wieder aufzuhören. Die Strenge von Pfungsts Versuchen und die Detailgenauigkeit seiner Beobachtungen gelten als klassische frühe Beispiele für die Versuchsplanung in der Verhaltenspsychologie.

In der Psychologie bezeichnet man noch heute den Kluger-Hans-Effekt für die unbewusste Beeinflussung des Verhaltens von Versuchstieren. Versuchsleiter müssen bei Tierexperimenten daher ausschließen, dass die eigene Erwartungshaltung das Experiment in die erhoffte Richtung lenkt.

Der Kluger-Hans-Effekt steht im Zusammenhang mit dem Pygmalion-Effekt und ist ein gutes Beispiel für die Bedeutsamkeit der Baseline, Spiegelneuronen und Körpersprache.

Interessant ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen zwischenzeitlich herausgefunden haben, dass Pferde zwischen einem lächelnden und einem wütenden Gesicht unterscheiden können. Möglicherweise haben Pferde diese Fähigkeit entwickelt, um sich besser an ihre Trainer anzupassen.

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