Die Paartherapeuten John Gottman und Robert Levenson haben sich mit der Frage beschäftigt, ob man anhand eines einzelnen Gesprächs eines Paares bereits erkennen kann, ob die Beziehung hält oder sich das Paar in Zukunft trennen wird. Die beiden Therapeuten haben zahlreiche Gespräche auf Video aufgenommen, die einzelnen Emotionen codiert und die Paare nach 15 Jahren nochmals befragt. John Gottman und sein Kollege analysierte auf Basis der Mikroexpressionen von Paul Ekman die Videoaufnahmen der Gespräche. Mit dieser Methode konnten die Therapeuten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren, ob eine Beziehung halten wird.

Die emotionale Codierung einer 60 Minuten langen Videoaufnahme führte mit einer 95-prozentigen Genauigkeit zu der Aussage, ob ein Paar zusammen bleiben oder sich trennen wird. Bei der Codierung und Videoanalyse eines 15 Minuten langen Gesprächs, lag die Treffergenauigkeit noch bei 90 Prozent.

In ihren Studien erkannten John Gottman und Robert Levenson Gemeinsamkeiten, die sich hauptsächlich auf nonverbale Signale beziehen. So sind die Emotionen Verachtung und Ekel absolute Killersignale. Aber auch Gesten, die Dominanz oder gespielte Dominanz ausstrahlen wie z.B. breitbeiniger Stand, drohende Gesten wie der Zeigefinger, Abwehrhaltungen wie z.B. verschränkte Arme und vermiedener Blickkontakt sind Signale, dass eine Ehe oder Beziehung zum Scheitern verurteilt ist.

Die vier apokalyptischen Reiter

John Gottman formulierte daraus die sogenannten vier apokalyptischen Reiter:
• Destruktive (zerstörende) Kritik
• Abwehrhaltung
• Verachtung
• Blockade

Der erste Reiter: Kritik

Der erste der vier apokalyptischen Reiter ist Kritik. Viele Paare beginnen ein Gespräch über Konflikte oder Themen mit einem, wie Dr. John Gottman es nennt, harschen Einstieg, was nur ein anderer Ausdruck für Kritik ist. Zum Beispiel: „Du bist so kalt zu mir, du denkst nur an dich“. Oft erkennen wir weniger konstruktive Kritik, die auf die Charaktereigenschaften des Partners abzielen, an Worten wie „nie machst du…“ und „immer…“.

Der zweite Reiter: Abwehrhaltung

Kritik führt oft zum zweiten apokalyptischen Reiter, der Abwehr- bzw. Verteidigungshaltung. Wenn wir uns angegriffen fühlen, haben wir das Bedürfnis, uns zu verteidigen. Bei einem Paar, das Kritik- und Abwehrtendenzen zeigt, werden die Konflikte selten gelöst. Vielmehr entstehen Verletzungen und in der Folge zunehmende Vorwürfe, Unzufriedenheit, innere Distanz und Rückzug. Nichtbeachtung oder Ignoranz wird oft als eine der höchsten Formen der Verachtung gewertet. Im Coaching gibt es den Grundsatz, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Und auch wenn diese Gleichgültigkeit beim zweiten Reiter nur gespielt sein mag, so löst dies dennoch elementare Verletzungen aus und sorgt für Verunsicherung.

Der dritte Reiter: Verachtung

Der dritte der vier apokalyptischen Reiter nach John Gottman ist Verachtung. Verachtung ist eine Art Schutzfunktion unseres Egos, wir stellen uns moralisch über eine andere Person. Dieses Element der Hierarchie führt dazu, dass wir auf den anderen herabschauen. Ein Beispiel für Verachtung wäre das Gefühl von „ich bin besser als du“ oder „ich weiß es besser als du“. Gottman kam in seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass Verachtung der größte Zerstörer und Prädiktor für Scheidung und Trennung unter den vier Reitern ist.

Der vierte Reiter: Blockade (Stonewalling)

Blockade bedeutet, dass man sich weigert, ein Gespräch oder einen Streit mit dem Partner fortzusetzen. Manchmal glauben Paare, dass es besser ist, Fragen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen, als sich zu streiten bzw. offen zu kommunizieren und ein Konfliktpotenzial in Kauf zu nehmen. Das daraus resultierende Verhalten ist dann Mauern oder Rückzug. Die Situation nicht anzusprechen, führt jedoch zu Unmut. Ein Partner könnte sich zurückgewiesen, ungeliebt und nicht beachtet fühlen. Dies kann zum Ende der Beziehung führen, weil es keine Lösungen für Meinungsverschiedenheiten oder schwierige Situationen gibt. Denn Grund, warum Paare ihre Differenzen nicht beilegen können, liegt in der Regel nicht daran, dass diese zu heftig sind, sondern, dass die Zeit für einfache Lösungen vorbei ist. Das rechtzeitige und kontinuierliche Sprechen ist daher entscheidend.

Fünf apokalyptische Reiter

Teilweise liest man auch von den fünf apokalyptischen Reitern, bei denen „Machtdemonstration“ als fünfter Reiter mit hinzu kommt:
• Destruktive (zerstörende) Kritik
• Abwehrhaltung
• Verachtung
• Blockade
• Machtdemonstration

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