Intuition ist eine Art instinktives oder „Bauch“-Gefühl, das ohne bewusste Überlegungen oder Analysen auftritt. Sie wird oft als ein tiefes inneres Wissen oder ein Gefühl der Gewissheit über eine Situation, eine Entscheidung oder eine Vorgehensweise beschrieben, selbst wenn es nur wenige oder gar keine objektiven Beweise gibt, die sie unterstützen. Intuition kann als eine unterbewusste Verarbeitung von Informationen betrachtet werden, die außerhalb unseres bewussten Bewusstseins stattfindet. Sie kann auf früheren Erfahrungen, gespeichertem Wissen oder subtilen Hinweisen beruhen, die wir vielleicht nicht bewusst wahrnehmen, die unser Gehirn aber auf einer unterbewussten Ebene verarbeiten kann.
Milton Fisher schrieb: „Intuition ist etwas zu wissen, ohne zu wissen, wann und woher“. Intuition, umgangssprachlich oft als Bauchgefühl bezeichnet, ermöglicht uns, schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen sowie komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Der Wortursprung „Intuition“ kommt aus dem Latein „intueri“ und bedeutet soviel wie „betrachten“, „erwägen“, „genau hinsehen“.
Wir alle kennen das Gefühl, dass wir ohne erkennbaren rationalen Grund wissen, was die richtige Entscheidung ist. Wie in der Zeitschrift für gestalttherapeutische Psychotherapie veröffentlicht, ist für Carl Gustav neben dem Empfinden (Sinneswahrnehmung), dem Denken und Fühlen die Intuition eine von vier psychischen Fähigkeiten des Menschen. „Der Intellekt hat auf dem Weg zur Entdeckung wenig zu tun. Es kommt ein Bewusstseinssprung, nennen Sie es Intuition oder wie Sie wollen, und die Lösung kommt zu Ihnen und Sie wissen nicht wie oder warum“, soll Albert Einstein gesagt haben. In Italien sagt man, „Intuition ist Intelligenz mit überhöhter Geschwindigkeit“.
Unterschied Instinkt und Intuition
Oft wird der Instinkt mit Intuition synonym verwendet, dabei handelt es sich um unterschiedliche Dinge. Doch worin liegt der Unterschied zwischen Intuition und Instinkt?
Instinkte sind angeborene Fertigkeiten, um ein Überleben zu gewährleisten. Unsere Instinkte lassen uns gefahren frühzeitig erkennen und rechtzeitig reagieren. Geräusche, Blicke, Bewegungen usw. lassen unsere Instinkte wach werden. Unser Instinkt ist unser Warnsystem und gibt uns Vorahnungen über Gefahren. Instinkte gehören damit zu den evolutionären Überlebensprogrammen und lassen uns oft mit dem Fight-or-Flight-Programm reagieren.
Während also Instinkte angeboren Fähigkeiten sind, die unser Überleben sichern sollen, wächst unsere Intuition mit unserer Erfahrung und wird daher mit der Zeit immer komplexer. Unser Bauchgefühl benötigt dabei Ruhe zum Abwägen unserer Gefühle und Erfahrungen und reagiert nicht so reflexartig in stressigen Situationen wie der Instinkt. Intuition erkennen wir beispielsweise an spontane Eingebungen ohne erkennbaren rationalen Grund, spontane Erkenntnisse und die Fähigkeit, in wenigen Sekunden die richtige Entscheidung treffen zu können.
„Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich“.
Steve Jobs
Studien: Intuition und Wissenschaft
Wissenschaftler der der Harvard Universität fanden z.B. heraus, dass wir bereits 220 bis 260 Millisekunden nach einem Reiz innerlich sicher sind, ob etwas gut und richtig ist oder nicht. Bezeichnend ist eine Studie von Professor Alex Todorov, die an der New Yorker Universität Princeton durchgeführt wurde. Hierbei wurden Probanden Portraits von Politikern der US-Wahl gezeigt. In 70 Prozent aller Fälle stimmten die tatsächlichen Wahlsieger mit dem Urteil der Probanden überein. Die Geschwindigkeit, mit der die Probanden ihr Urteil fällten: nach 33 Millisekunden gelangte ein Teil der Versuchspersonen zu einem endgültigen Urteil, bis zur 100. Millisekunde wurde die Einschätzung immer präziser und nach 167 Millisekunden änderten sie ihre Meinung über die Vertrauenswürdigkeit des Kandidaten in der Regel nicht mehr.
Eine weitere Studie fand heraus, dass Profis bei Pferdewetten umso häufiger erfolgreich aufs richtige Pferd setzten, je weniger Hintergrundwissen sie hatten. Andere Untersuchungen zeigten, dass Radiologen tendenziell schlechtere Entscheidungen treffen, sobald sie länger als 30 Sekunden auf ein Röntgenbild schauen. Und eine weitere Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte Autokäufer. Die Studie unterteile die Autokäufer in zwei Gruppen:
Gruppe 1 hatte unbegrenzt Zeit, sich mit sämtlichen Informationen und Optionen zu beschäftigen und die Kaufentscheidung gründlich und in Ruhe abzuwägen. Gruppe 2 traf eine schnelle, intuitive Entscheidung. Das interessante Ergebnis: von Gruppe 1 waren am Ende nur 25 Prozent mit ihrer Kaufentscheidung zufrieden. Gruppe 2 war zu 60 Prozent zufrieden mit ihrem Autokauf.
Wissenschaftliche Studien der New Yorker Universität Princeton belegen, dass unser Unterbewusstsein in weniger als 100 Millisekunden einem uns unbekannten Gesicht bestimmte Charaktereigenschaften zuordnet und dies mit unserer Datenbank von persönlichen Erfahrungen, Stereotypen und Sympathie abgleicht – völlig automatisch. Stimmt die Chemie zwischen uns? Kann ich der Person vertrauen? Passt der Mensch zu mir? Wir achten unbewusst auf verschiedene Signale unseres Gegenübers: Sprache, Aussehen, Geruch, Kleidung, Mimik, Gesten und Körpersprache… Nach diesen ersten wenigen Sekunden erstellt unser Gehirn ein erstes Bild von unserem Gegenüber. Unser Verstand sucht nachträglich nur noch nach Bestätigungshinweisen für unser unbewusstes Urteil, das Urteil selbst wird meist nicht revidiert.
Obwohl Intuition wissenschaftlich schwer zu messen oder zu quantifizieren ist, hat die Forschung gezeigt, dass sie bei verschiedenen Aspekten der menschlichen Wahrnehmung und des menschlichen Verhaltens eine wichtige Rolle spielen kann und durch Übung und Erfahrung entwickelt und verbessert werden kann.
Innere Stimme: Wie unsere Intuition funktioniert
Intuition wird oft mit Kreativität, Problemlösung und Entscheidungsfindung in Verbindung gebracht und kann ein wertvolles Hilfsmittel bei der Bewältigung komplexer oder unsicherer Situationen sein. Sie kann jedoch auch durch Vorurteile, Emotionen und andere Faktoren beeinflusst werden, die zu ungenauen oder irrationalen Urteilen führen können.
Wie unser Inneres mit der Außenwelt verbunden ist, zeigen beispielsweise die Spiegelneuronen. Die Nervenzellen „Spiegelneuronen“ in unserem Gehirn bestimmen unser Empfinden und soziales Verhalten. US-Forscher fanden heraus, dass die Spiegelneuronen uns das fühlen lassen, was andere empfinden, z.B. Mitleid, Trauer, Freude oder Schmerz. Sie erzeugen Intuition, die uns ahnen lässt, was kommen könnte. Spiegelneuronen ermöglichen es uns also, die Gefühle und Absichten anderer Menschen nachzuvollziehen und empathisch zu reagieren.
Intuition erlaubt uns den Zugang zu unserem Unterbewusstsein und greift auf eine riesige Datenbank an gespeicherten Informationen, Erfahrungen und Emotionen zurück. Der Neocortex, der neueste Teil unserer drei Gehirnbereiche, ist als einziges fähig, verbale Sprache zu verstehen. Die nonverbale Kommunikation hingegen ist in unseren Genen und in unserem Gehirn veranlagt. Sprache müssen wir erlernen, nonverbale Kommunikation ist angeboren und unbewusst. Der älteste Teil des Gehirns ist 10 bis 100 Mio. Jahre alt, kann aber die Analyse des Nonverbalen nicht „übersetzen“ und verbalisieren. Daher nehmen wir diesen Teil oft nur als Instinkt oder Bauchgefühl wahr.
Zudem sitzt die Intuition auch in der Amygdala. Diese ist Teil des limbischen Systems und für das Erleben von Stress und Angst zuständig. Sie ist ein kleiner, mandelförmiger Komplex von Nervenzellen im unteren Bereich des Gehirninneren. In der Amygdala (Mandelkern) sind viele menschliche Emotionen zu Hause. Sie verarbeitet äußerliche Einflüsse, löst bei Bedarf Angst, Fluchtreflexe oder andere Emotionen aus und setzt die entsprechenden Hormone frei. Die Amygdala besitzt außerdem ein eigenes Gedächtnis: wurde man z.B. als Kind von einem Hund gebissen, verbindet die Amygdala die Erinnerung an Hunde mit Angst. Das limbische System ist der Sitz des Unterbewusstseins und des autonomen Nervensystems, das alle automatisch ablaufenden biologischen Funktionen steuert. Es ist an unserem Instinktverhalten, den grundlegenden Emotionen und Impulsen (darunter auch Sexualtrieb, Wut, Vergnügen oder Überlebensdrang) beteiligt. Der Prozess unserer Amygdala ist so schnell und unterbewusst, dass ein rationales Abwägen und Bewerten der Situation in diesem Moment nicht möglich sind.
Weibliche Intuition
Männliche und weibliche Gehirne unterscheiden sich. Frauen haben beispielsweise einen größeren Hippocampus. Hier speichern wir Erinnerungen. Deshalb können sich Frauen oft an jedes einzelne Wort erinnern. Männer hingegen verfolgen einen eher faktenbasierten Ansatz und suchen mehr nach Bedrohungen und Herausforderungen. Das Gehirn der Männer tendiert zu Fakten und Logik, während das Gehirn der Frauen auf Intuition und Emotion ausgerichtet ist.
Bauchgefühl trainieren
Unsere Intuition ist lernfähig. Je mehr wir unsere Intuition mit Fachwissen und Erfahrungen füttern, desto besser und verlässlicher kann sie uns zuarbeiten. Unser bewusstes Wissen um andere Menschen, deren Charakter und Verhalten machen uns so im Laufe der Zeit zu einer sicheren, intuitiven Kompetenz. Die vier Phasen des Lernens sind:
- Unbewusste Inkompetenz – ich weiß nicht, dass ich etwas nicht weiß oder kann
- Bewusste Inkompetenz – ich weiß, dass ich etwas nicht weiß oder kann
- Bewusste Kompetenz – ich weiß, dass ich etwas weiß oder kann
- Unbewusste Kompetenz – ich wende mein Wissen und Können automatisch/unbewusst an
Das Ergebnis ist dann eine weitere Form des Wissens: der Weisheit. Denn Weisheit ist Wissen aus Erfahrung.





