Unsere Gehirne sind erstaunliche Organe, deren Form, Funktion und Kapazität stark von der Art, dem Zweck und der Intensität unserer individuellen Nutzung geprägt werden. Bis ins hohe Alter hin zeigen sie eine bemerkenswerte Komplexität und Neuroplastizität, was bedeutet, dass sie sich ständig verändern, indem sie neue Verbindungen knüpfen und Lernprozesse erfassen. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen Körper, Sprache, Emotionen und dem Gehirn selbst. Tatsächlich kann schon allein eine Veränderung des Gesichtsausdrucks oder der Körperhaltung nachweisbare Auswirkungen auf unser autonomes Nervensystem haben – und umgekehrt (weitere Einblicke dazu findest du in unserem Artikel zum Embodiment).

Ein Experiment von Forschern am University College London zeigt, wie das Körpergefühl untrennbar mit dem Gehirn verbunden ist. Dieses sogenannte Gummihand-Experiment ist ein psychologisches Experiment, das entwickelt wurde, um das Phänomen der Körperwahrnehmung zu untersuchen. Es wurde erstmals 1998 von den Forschern Matthew Botvinick und Jonathan Cohen durchgeführt.

Gummihand-Illusion

Bei diesem Experiment legten die Testpersonen ihren linken Arm auf den Tisch unter eine Abdeckung, so dass der Arm für sie unsichtbar war. Direkt neben dem verdeckten Arm wurde eine Gummihand gelegt. Anschließend streichelten die Forscher mit einem Pinsel bzw. Stäbchen die echte, versteckte Hand sowie die Gummihand – und zwar gleichzeitig. Während die jeweilige Person die Gummihand beobachtete, spürte sie die Berührungen an der Gummihand, jedoch nicht an ihrer eigenen Hand. Die Testpersonen entwickeln innerhalb von wenigen Sekunden Gefühle für die Gummihand, so dass sie diese als realen Teil ihres Körpers empfunden haben. Dieses Phänomen wird als Illusion der Gummihand bezeichnet.

In späteren Experimenten mit einer Gummihand schlugen die Forscher nach einer gewissen Zeit mit einem Hammer auf die Kunsthand. Die Teilnehmer*innen verspürten ein schmerzhaftes Erschrecken und versuchten reflexartig, die Gummihand zurückzuziehen. Diese Sinnestäuschung zeigt, dass unser Körpergefühl unser Gehirn widerspiegelt. Dieses reagiert auf eingebildete Gefühle genau so wie auf tatsächliche.

Das Gummihand-Experiment verdeutlicht die erstaunliche Flexibilität des menschlichen Gehirns bei der Integration von sensorischen Informationen. Indem visuelle Informationen der Gummihand mit taktilen Reizen verbunden werden, die an der Gummihand wahrgenommen werden, kann das Gehirn eine neue Körperwahrnehmung erzeugen.

Video: The Rubber Hand Illusion

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