Die Graphologie, auch Schriftanalyse oder Handschriftenanalyse genannt, ist ein Profiling-System zur Erkennung, Identifizierung und Analyse von Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften eines Menschen zum Zeitpunkt des Schreibens anhand der jeweils individuellen Buchstaben- und Strichstruktur. FBI-Profiler sagen zur Graphologie: „Handschrift ist Gehirnschrift“.

Das Wort Graphologie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Lehre von der Bedeutung der Handschrift“.

Die Graphologie ist dabei nicht unumstritten, obgleich in vielen Untersuchungen die Aussagekraft bestätigt wurde. In Italien und Frankreich beispielsweise wird die Handschrift im Zusammenhang mit der Bewerberauswahl analysiert. In den USA wurde die Handschriftenanalyse von der Equal Employment Opportunity Commission (Kommission für Chancengleichheit am Arbeitsplatz) als ein Diagnoseinstrument anerkannt, das unvoreingenommen und nicht diskriminierend ist. Denn bei der Handschriftenanalyse werden weder Rasse noch Alter, Geschlecht oder Glaubensbekenntnis erkannt.

In unserer digitalisierten Welt erfolgt die Kommunikation immer weniger handschriftlich, daher ist die Sprachanalyse (Verwendung von Wörtern, Sprachstil, Tonalität etc.) ebenfalls relevant. Systeme wie z.B. IBM Watson analysiert eine Persönlichkeit anhand von E-Mails oder Social Media Accounts. In einer weitgehend digitalisierten Kommunikation kann in jedem Fall die Unterschriftsanalyse genutzt werden und viel über eine Persönlichkeit aussagen. Graphologen gehen davon aus, dass ein Mensch mit seiner Unterschrift zeigt, wer er sein möchte oder wie er von anderen wahrgenommen werden will.

Graphologische Analyse

Im seriösen Profiling spiegelt die Handschrift die Gemütsverfassung des Verfassers zum Zeitpunkt wider, als die Person den Text geschrieben hat. Um eine genaue, faire und professionelle graphologische Analyse vornehmen zu können, benötigt ein darauf spezialisierter Profiler viele Handschriftenproben, die über einen bestimmten Zeitraum hinweg geschrieben wurden.

Forensische Graphologie

Auf forensischer Ebene wird die Handschriftenanalyse zur persönlichen und forensischen Beurteilung eingesetzt. Hierbei wird ein Persönlichkeitsprofil auf Basis handgeschriebener, anonymer und ggf. erpresserischer Dokumente verwendet.

Beispielsweise kann die emotionale Stabilität einer Person entschlüsselt werden. Wenn bei einer Persönlichkeit Emotionen ins Spiel kommen und ihre Logik reduziert wird, ist ein emotionaler Ausdruck unvermeidlich. Anhand einer professionellen Schriftanalyse können Stimmungsschwankungen, mentale Stärke, Wut, Herrschsucht, Jähzorn, Willenskraft, Eifersucht, Rachsucht uvm. entschlüsselt werden. Diese Basis kann zur Erstellung eines Täterprofils einen wichtigen Beitrag leisten.

Schriftanalyse

Analyse der Unterschrift Bei der Schriftanalyse und der Analyse einer Unterschrift werden Größe, Einheitlichkeit, Abstand, Neigung, Druck, Schnörkel, Punkte, Bögen, Haken und weitere Besonderheiten analysiert. Ein Narzisst zeichnet sich beispielsweise häufig durch übergroße Anfangsbuchstaben sowie auffällig linkslastige Schleifen aus. Menschen, die weniger teamfähig sind, schreiben eher unregelmäßig, eigenwillig und in spitz auslaufenden Bewegungen.

Schriftdeutung – Beispiele

Schriftgröße

Menschen mit einer großen Handschrift gelten tendenziell als extrovertiert und aufgeschlossen. Sie wollen sich sichtbar machen und gesehen werden und neigen dazu, ein größeres Selbstbewusstsein zu haben. Im Gegensatz dazu sind Menschen mit einer kleinen Handschrift eher introvertiert, zurückhaltend bis schüchtern, sorgfältig, ggf. vorsichtig bis ängstlich. Eine Studie untersuchte die Unterschriften von 500 Finanzvorständen. Es zeigte sich, dass die Finanzvorstände mit den größten Unterschriften eher dazu neigten, die Wahrheit zu verbiegen. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen der Größe der Unterschrift und dem Selbstbewusstsein.

Abstand

Sind große Abstände zwischen den einzelnen Buchstaben zu erkennen, kann man auf einen Menschen rückschließen, der offen ist und nach Unabhängigkeit strebt. Enge Abstände hingegen deuten auf einen Menschen hin, der mehr sich selbst und weniger anderen vertraut, innerlich gefestigt ist, aber u.U. auch sich vor äußeren Einflüssen, anderen Ideen und Meinungen abgrenzt.

Lesbarkeit

Unleserliche Unterschriften deuten auf eine schnelle Auffassungsgabe hin. Diese Menschen wollen sich nicht mit Details aufhalten und sind der Meinung, dass ihre Handlungen für sich selbst sprechen.

Verzierungen

Als Faustformel unter Graphologen gilt: je mehr Verzierungen, desto komplizierter die Person; je einfacher die Schrift, desto unkomplizierter die Person.

Aufsteigend / Absteigend

Eine aufsteigende Unterschrift (steigt zum Ende hin an) steht für Ehrgeiz, Optimismus, Kreativität und Vitalität. Eine absteigende Unterschrift (geht zum Ende hin nach unten) steht für eine eher skeptische oder ggf. auch pessimistische Person. Eine gerade Schrift hingegen steht für Kontrolle und Ausgeglichenheit.

Unterlänge

Bei Unterlängen werden Buchstaben deutlich unter die normalen Schreiblinien gezogen. Dies gilt als ein Anzeichen für starkes Durchsetzungsvermögen und ggf. Dominanz. Sind Unterlängen nicht zu erkennen, kann sich die Person vermutlich zu wenig durchsetzen.

Oberlänge

Bei einer Oberlänge ragen die Buchstaben über der normalen Schreiblinie deutlich heraus. Ist dieser Schreibstil ausgeprägt, ist diese Person vermutlich begeisterungsfähig und hat viele Interessen. Im Gegensatz dazu schließen Graphologen bei fehlenden Oberlängen auf einen Menschen mit wenigen Interessen bis hin zur geistigen Faulheit.

Druck

Während ein sehr starker Druck auf den Stift auf Anspannung oder Ärger hinweisen kann, ist ein mäßig starker Druck ein Zeichen für Engagement. Ein weicher Druck bedeutet, dass die Person einfühlsam und sensibel ist, laut einer Studie der National Pen Company könnte es der Person aber ggf. auch an Vitalität mangeln.

Graphologie: Was die Handschrift verrät

Ob interessante Spielerei oder Wissenschaft – die Graphologie kann einzelne Anhaltspunkte über die Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen liefern. Inwieweit die Schriftanalyse im täglichen Profiling wirklich Beachtung finden sollte, sollte jeder für sich selbst herausfinden.

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