Kognitive Verzerrung: Aufmerksamkeitsfehler

Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung, also Fehlinterpretationen und Fehlwahrnehmungen unseres Gehirns. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selber täuschen. Es gibt 16 zentrale Elemente der kognitiven Verzerrung, darunter den sogenannten Aufmerksamkeitsfehler. Wir nehmen Dinge und Informationen nur sehr selektiv und nach unserer eignen Aufmerksamkeitspräferenz wahr. Ein bekanntes und lustiges Beispiel dafür ist das Gorilla-Experiment.

Bevor du weiterliest, sieht dir in jedem Fall zuerst das Video an!

Gorilla-Experiment von Simons und Chabris

In Gorilla-Experiment von Simons und Chabris sollten die Versuchspersonen ein Video ansehen, in dem zwei Mannschaften, eine in weißer und eine in schwarzer Kleidung, Basketbälle innerhalb ihrer Mannschaften weitergeben. Die Hälfte der Versuchspersonen sollte die Pässe zählen, die von der weiß gekleideten Mannschaft gespielt wurden. Die andere Hälfte sollte die Pässe zählen, die von der Mannschaft in Schwarz gemacht wurden. Wie du in dem Video gesehen hast, lief nach der Hälfte des Videos ein Mann in einem schwarzen Gorillakostüm durchs Bild, blieb mitten in der Szene stehen, winkte der Kamera zu und ging dann aus dem Bild. Als die Teilnehmer*innen befragt wurden, ob ihnen während des Videos etwas Seltsames aufgefallen sei, gab die Mehrheit der Testpersonen an, den Gorilla nicht nicht bemerkt zu haben!

Die Wahrscheinlichkeit, den Gorilla zu bemerken, war größer, wenn die Versuchspersonen angewiesen worden waren, auf das schwarze Team zu achten (58 Prozent Erkennung), als auf das weiße Team (27 Prozent).

Selektive Wahrnehmung und der Aufmerksamkeits-Bias

Das Gorilla-Experiment verdeutlicht eindrücklich den sogenannten Aufmerksamkeits-Bias, der dazu führt, dass Menschen relevante Informationen ignorieren, wenn ihre Aufmerksamkeit stark auf eine spezifische Aufgabe fokussiert ist. Dieses Phänomen ist ein Kernaspekt der selektiven Wahrnehmung: das Gehirn filtert bewusst Informationen heraus, die als nicht relevant für die momentane Aufgabe erachtet werden. Solche selektiven Wahrnehmungsprozesse haben weitreichende Implikationen, vor allem in Berufen, die schnelle und präzise Entscheidungen erfordern, wie z. B. bei Sicherheitsdiensten oder in der medizinischen Diagnostik.

Inattentional Blindness: Ein psychologisches Phänomen mit weitreichenden Folgen

Das Experiment demonstriert die „Inattentional Blindness“ (Unaufmerksamkeitsblindheit), ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen unerwartete Objekte oder Ereignisse im Blickfeld nicht wahrnehmen, weil ihre Aufmerksamkeit auf eine andere Aufgabe gerichtet ist. Diese Form der Wahrnehmungsblindheit zeigt, wie sehr das Gehirn auf vorselektierte Informationen fokussiert bleibt und unerwartete Reize aktiv ignoriert.

Ein weiteres Beispiel für diese kognitive Verzerrung ist der sog. Colour Changing Card Trick.

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