Entrepreneur DNA. Den Erfolg eines Startups auf Basis der Gründerpotenziale vorherzusagen, ist schwierig. Denn die Geschichte erfolgreicher Unternehmen hat gezeigt, wie unterschiedliche erfolgreiche Gründerpersönlichkeiten sind. So etwas wie eine Blaupause eines idealen Gründertypus scheint es nicht zu geben. Doch so unterschiedlich Steve Jobs, Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Larry Page und Sergey Brin auch sein mögen, so gibt es dennoch Gemeinsamkeiten. Und insbesondere in der Frühphase eines Unternehmens, in dem Produkt, Markt und Businessmodell noch unklar und der Erfolg schwierig zu prognostizieren sind, ist das Gründerteam die einzig verlässliche Analysegröße.
Trotz der Tatsache, dass viele Frühphaseninvestoren in einer gewissen Hybris leben, Gründerpotenziale allein auf Basis der eigenen Erfahrung als Investor*in verlässlich erkennen zu können, spricht die Statistik eine andere Sprache: von 10 Startups scheitern 9, nur eines wird erfolgreich. Etwas differenzierter betrachtet: von 10 Startups gehen durchschnittlich fünf insolvent, 2 bis 3 Startups erwirtschaften in etwa das, was investiert wurde, und zwei entwickeln sich so gut, dass sie bestenfalls die Verluste der anderen Investments ausgleichen.
Auch die Forschung bestätigt, dass das wichtigste Kriterium, das Frühphasen-VCs bei Investitionsentscheidungen berücksichtigen, das Gründerteam ist. Denn erfahrene Gründer*innen und Investoren wissen: Produkt, Markt und Team sind die entscheidenden Größen für den Erfolg eines Unternehmens. Dabei ist das Team von besonderer Bedeutung, denn das Produkt und den Markt kann man ändern und flexibel verändernden Markt- und Kundenbedürfnissen anpassen, aber die Gründer*innen nicht.
Der bekannte Investor Frank Thelen schrieb zum perfekten Gründerteam: „Das hängt von mehreren Faktoren ab, die zusammenkommen müssen: die Gründer müssen einen unfairen Vorteil im Wettbewerb haben. Also: kann das Team irgendetwas besser, als alle anderen? Zudem muss das Produkt skalierbar sein, man muss es groß machen können. Auch auf das Gründerteam kommt es an: es braucht einen starken Kommunikator beziehungsweise Visionär, einen knallharten und manchmal komisch wirkenden Hardcore-BWLer, der die Zahlen unter Kontrolle hat sowie einen „Geek“, der die Technik macht und einen Totally Design Driven Guy. Wenn diese Faktoren zusammenkommen und ich dann noch Bock auf das Produkt habe, dann investiere ich.“
Der deutsche Software-Unternehmer Rafael Laguna de la Vera sagt darüber, wie man die dringend benötigte Sprunginnovation schaffen kann:
„Wir brauchen High Potentials, die Teams bauen und mitreißen können. Die sagen: Ich mach das jetzt, weil ich das unbedingt will. Die brauchst du, sonst kriegst du das nicht hin.“
Andreas Strüngmann, Mitgründer des Pharmaunternehmens Hexal, achtet bei seinen Entscheidungen vor allem auf den Charakter von Menschen, denen er Geld geben soll. Kein anderer Faktor ist für den Erfolg von Unternehmen so wichtig wie die Persönlichkeit der Gründer sowie die Werte, an die sie glauben, so Christoph Keese in seinem Buch „Life Changer“.
Elon Musk sagt in seiner offiziellen Biografie: „Um ein Gründer zu sein, muss eine gewisse Kombination aus Inspiration, Schweiß und Risiko zusammenkommen… Ich glaube fest daran, dass eine kleine Anzahl außergewöhnlicher und hoch motivierter Leute besser sein kann als eine große Anzahl, die ziemlich gut und mäßig motiviert sind“.
Soziologe und Reichtumsforscher Prof. Thomas Druyen sagt, die entscheidenden Faktoren für Erfolg und Reichtum seien Innovationskraft, Erneuerungswille und der Mut, sich gegen Widerstände durchzusetzen.
Steven Hong, Partner bei Kleiner Perkins Caufield & Byers, einem der wichtigsten Risikokapitalgeber des Silicon Valleys, erklärt in einem Interview mit Business Insider Deutschland:
„Der Silicon-Valley-Gründertyp denkt fortschrittlich, trifft aggressiv Entscheidungen und ist dazu bereit, Risiken einzugehen. Wir suchen nach Gründern, die tief gehende Erfahrung in dem Bereich haben, den sie attackieren. Sie sollen querdenken und flexibel bleiben, um verschiedene Produkte und Märkte anzugehen. Und wir achten darauf, ob sie talentierte Mitarbeiter anziehen können. Daran zeigt sich, ob sie die Vision des Unternehmens gut verkaufen können – und es ist ein erster Schritt, um zu sehen, ob ein Gründer im nächsten Schritt auch Kunden und Partner überzeugen kann. Die wichtigste Eigenschaft ist allerdings ein starker Charakter, denn den kann man niemandem beibringen.“
In seinem Blogartikel Notes on Leadership beschreibt Ben Horowitz drei Eigenschaften, die er für den Erfolg von Gründern als besonders wichtig erachtet:
1. Die Fähigkeit, eine Vision zu entwickeln und sie zu artikulieren: erfolgreiche Gründer*innen haben eine klare Vorstellung davon, was sie erreichen wollen. Sie können diese Vision in Worte fassen und andere Menschen dafür begeistern.
2. Eine besondere Form von Ehrgeiz: erfolgreiche Gründer*innen sind nicht nur motiviert, sondern von einem unbändigen Ehrgeiz getrieben. Sie sind besessen von ihrer Idee und scheuen keine Anstrengungen, um ihre Ziele zu erreichen.
3. Die Kompetenz, die Vision in die Tat umzusetzen: Erfolgreiche Gründer*innen sind nicht nur Visionäre, sondern auch Macher. Sie verfügen über die Fähigkeiten und Kompetenzen, ihre Vision in die Realität umzusetzen.
Laut Horowitz treten meist zwei Eigenschaften zusammen auf, aber fast nie alle drei auf einmal.
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Pivots
Führenden US-Investoren zufolge sind über 90 Prozent der erfolgreichsten Startups aufgrund von Pivots entstanden. Der Begriff „Pivot“ stammt ursprünglich aus der Kriegsführung und beschreibt im Businesskontext eine signifikante strategische Änderung in Geschäftsmodell oder Ausrichtung eines Startups. Dies zeigt, dass nicht allein Markt und Produkt entscheidend sind, sondern eine dynamische Entwicklung und Anpassung des Geschäftsmodells für den nachhaltigen Erfolg unerlässlich ist. Einige Beispiele erfolgreicher Pivots:
Slack: Ursprünglich als ein Produkt namens „Tiny Speck“ gestartet, das ein Online-Spiel namens „Glitch“ entwickelte. Als das Spiel nicht den gewünschten Erfolg erzielte, wandelte sich das Unternehmen in Slack um, eine beliebte Plattform für Teamkommunikation.
Twitter: Ursprünglich als Podcasting-Plattform „Odeo“ gestartet, stellte Twitter den Dienst um und wurde zu einer der bekanntesten Social-Media-Plattformen. Jüngst kaufte Elon Musk Twitter und hat es in X umbenannt.
Instagram: Ursprünglich als Check-in-App namens „Burbn“ gestartet, entschieden sich die Gründer, die App auf Foto-Sharing zu fokussieren, was zur Entstehung von Instagram führte.
Pinterest: Ursprünglich als E-Commerce-Plattform namens „Tote“ gestartet, erkannte das Team das Potenzial im Teilen von Bildern und Ideen und wandelte sich in das heutige Pinterest um.
Pandora: Ursprünglich als Musik-Analyse-Tool gestartet, entwickelte sich Pandora zu einem der bekanntesten Online-Radiosender.
Die Welt der Existenzgründer*innen ist geprägt von Innovation, Risikobereitschaft und dem Streben nach Erfolg. Doch was zeichnet Gründer*innen wirklich aus? Welche Mentalität, Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale sind für den Aufbau und das Wachstum eines erfolgreichen Startups entscheidend?
8 Kriterien erfolgreicher Gründer*innen
1. Intrinsische Motivation und Selbstwirksamkeit
Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer zeichnen sich durch eine starke intrinsische Motivation aus. Sie brennen für ihre Idee und sind getrieben von dem Wunsch, etwas Neues zu schaffen und erfolgreich zu sein. Diese intrinsische Motivation ist eng mit der Selbstwirksamkeitserwartung verbunden. Gründerinnen und Gründer glauben an ihre eigenen Fähigkeiten und daran, Herausforderungen meistern und ihre Ziele erreichen zu können.
2. Risikobereitschaft und Toleranz gegenüber Ungewissheit
Die Gründung eines Unternehmens ist mit einem hohen Risiko verbunden. Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind bereit, dieses Risiko einzugehen und gehen kalkulierte Risiken ein. Sie scheuen sich nicht vor Rückschlägen und Herausforderungen, sondern sehen diese als Chance, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
3. Problemlösungsstrategien und Entscheidungsfreudigkeit
Im Alltag eines Gründers oder einer Gründerin tauchen ständig neue Probleme und Herausforderungen auf. Es ist daher wichtig, über effektive Problemlösungsstrategien zu verfügen und schnelle Entscheidungen treffen zu können. Gründerinnen und Gründer sind in der Lage, komplexe Probleme zu analysieren, kreative Lösungen zu entwickeln und diese konsequent umzusetzen.
4. Emotionale Stabilität und Resilienz
Die Gründung und Führung eines Unternehmens kann emotional sehr belastend sein. Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer verfügen daher über eine hohe emotionale Stabilität und Resilienz. Sie sind in der Lage, mit Rückschlägen und Stress umzugehen und bleiben auch in schwierigen Situationen motiviert und fokussiert.
5. Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick
Um ihre Ziele zu erreichen, müssen Gründerinnen und Gründer ihre Interessen gegenüber anderen durchsetzen können. Sie verfügen über ein starkes Durchsetzungsvermögen und sind in der Lage, erfolgreich zu verhandeln.
6. Lernbereitschaft und Flexibilität
In der schnelllebigen Welt der Wirtschaft ist es wichtig, ständig dazuzulernen und sich anzupassen. Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind lernbereit und flexibel. Sie sind offen für neue Ideen und Feedback und passen ihre Strategie und ihr Geschäftsmodell an veränderte Rahmenbedingungen an.
7. Netzwerkfähigkeit und soziale Kompetenz
Gute Beziehungen zu Kunden, Partnern und Investoren sind für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend. Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer verfügen über eine ausgeprägte Netzwerkfähigkeit und soziale Kompetenz. Sie sind in der Lage, Menschen zu begeistern und für ihre Idee zu gewinnen.
8. Vision und strategisches Denken
Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer haben eine klare Vision für ihr Unternehmen und die Zukunft ihrer Branche. Sie denken strategisch und sind in der Lage, die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidungen zu erkennen.
Weitere Erfolgskriterien von Existenzgründern
- Leidenschaftlich: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer brennen für ihre Idee und ihr Unternehmen. Sie sind leidenschaftlich bei der Umsetzung ihrer Vision und lassen sich von Rückschlägen nicht entmutigen.
- Zielorientiert: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer haben klare Ziele vor Augen und setzen diese konsequent um. Sie sind diszipliniert und fokussiert und scheuen sich nicht vor harter Arbeit.
- Fähigkeit zur verzögerten Belohnung: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind in der Lage, kurzfristige Verlockungen zu ignorieren und sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren. Sie sind bereit, Opfer zu bringen und auf sofortige Belohnung zu verzichten, um ihre Vision zu verwirklichen.
- Gute Kommunikationsfähigkeiten: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind in der Lage, ihre Ideen und Visionen klar und deutlich zu kommunizieren. Sie sind sowohl mündlich als auch schriftlich kommunikationsstark und können Menschen von ihrer Idee überzeugen.
- Mutig: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer gehen Risiken ein und scheuen sich nicht vor Herausforderungen. Sie sind mutig genug, gegen den Strom zu schwimmen und neue Wege zu gehen.
- Sie glauben an das, was sie tun: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind von ihrer Idee und ihrem Unternehmen überzeugt. Sie haben einen tiefen Glauben an ihre Mission und lassen sich von Zweifeln nicht beirren.
- Innovativ: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer denken innovativ und entwickeln neue Lösungen für bestehende Probleme. Sie sind kreativ und suchen ständig nach neuen Möglichkeiten, ihr Unternehmen zu verbessern.
- Einfallsreich: erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind einfallsreich und finden kreative Lösungen für Herausforderungen. Sie sind flexibel und anpassungsfähig und finden auch in schwierigen Situationen einen Weg zum Erfolg.
Das Konzept der Gründer*innen-Mentalität
Laut dem Buch „The Founder’s Mentality“ von James Allen und Chris Zook geht es bei der Gründer-Mentalität darum, den ursprünglichen Pioniergeist und die unternehmerische Energie auch in späteren Phasen des Unternehmens aufrechtzuerhalten. Gründer*innen sollten sich nicht in bürokratischen Strukturen verlieren, sondern den Fokus auf Kundenorientierung, schnelle Entscheidungen und ständige Innovation legen. Die Gründer-Mentalität steht für eine „unternehmerische DNA“, die für den Erfolg und das nachhaltige Wachstum eines Startups von entscheidender Bedeutung ist.
Founder’s Mentality
Im Buch „Founder’s Mentality: How to Overcome the Predictable Crises of Growth“ zeigen Chris Zook und James Allen, dass viele Unternehmen in den Phasen des rasanten Wachstums bestimmte Krisen erleben, die oft vorhersehbar sind. Die Autoren betonen die Bedeutung der „Gründermentalität“ als einzigartigen Denkweise. Diese Mentalität umfasst drei Schlüsselelemente:
Frontline Insight: Die Fähigkeit, sich mit den Wurzeln des Unternehmens zu verbinden und direktes Feedback von den Kunden und dem Markt zu nutzen. Die Gründermentalität ermutigt dazu, an der Frontlinie zu bleiben, um ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse und Herausforderungen der Kunden zu entwickeln.
Owner Mindset: Dies bezieht sich auf die Haltung, als wäre man der Besitzer des Unternehmens, unabhängig von der Position. Es geht darum, Verantwortung und Engagement zu fördern, um das Unternehmen voranzubringen, als ob es noch in der Anfangsphase wäre.
Insatiable Hunger for Renewal: Die Bereitschaft, sich kontinuierlich zu erneuern und anzupassen, um mit den sich ändernden Marktbedingungen Schritt zu halten. Dies erfordert, die Kreativität und Innovationskraft aufrechtzuerhalten, die das Unternehmen in seinen Anfängen angetrieben haben.
Chris Zook und James Allen beschreiben auch die vier häufigsten Krisen, denen Unternehmen im Wachstumsprozess begegnen:
Overload: Wenn das Unternehmen durch zu schnelles Wachstum überlastet wird und seine Effizienz und Kundenzufriedenheit leidet.
Lack of Focus: Wenn das Unternehmen sich von seiner ursprünglichen Mission entfernt und zu viele verschiedene Aktivitäten verfolgt, anstatt sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren.
Preemptive Complexity: Die unnötige Komplexität, die sich im Laufe der Zeit ansammelt und die Agilität des Unternehmens behindert.
Slow Innovation: Wenn das Unternehmen seinen Innovationsgeist verliert und sich schwerfällig gegenüber neuen Ideen und Veränderungen zeigt.
„Allen, die ich irgendwie beleidigt habe, möchte ich schlicht sagen: Ich habe Elektrofahrzeuge neu erfunden und werde Leute mit einem Raumschiff auf den Mars schicken. Habt ihr gedacht, ich könnte noch dazu ein gechillter, normaler Typ sein?“
Elon Musk in Saturday Night Live
Wesentliche Eigenschaften von Unternehmensgründern
Gründer*innen sind oft von einer einzigartigen Kombination von Eigenschaften geprägt, die sie von anderen unterscheiden. Dazu gehören laut Tobias Sell:
Leidenschaft und Vision: Gründer*innen sind von einer starken Leidenschaft und einer klaren Vision angetrieben. Sie haben eine genaue Vorstellung davon, was sie erreichen möchten, und sind bereit, hart dafür zu arbeiten.
Risikobereitschaft und Lernfähigkeit: Existenzgründer*innen müssen bereit sein, Risiken einzugehen und aus ihren Fehlern zu lernen. Sie haben den Mut, neue Wege zu gehen und ihre Komfortzone zu verlassen.
Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen: Gründer*innen lassen sich nicht so leicht entmutigen. Sie sind in der Lage, Rückschläge zu verkraften und aus ihnen gestärkt hervorzugehen. Ihre Beharrlichkeit treibt sie dazu an, Hindernisse zu überwinden und ihre Ziele zu erreichen.
Innovationsgeist und Anpassungsfähigkeit: Unternehmer*innen haben eine tiefe Neugier und den Drang, bestehende Probleme zu lösen und neue Lösungen zu entwickeln. Sie sind offen für Veränderungen und finden kreative Ansätze, um ihre Ideen umzusetzen.
Die Bedeutung des richtigen Mindsets
Resilienz, Bereitschaft, Risiken einzugehen, Entschlossenheit und Engagement, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, Leidenschaft, Zielorientierung, Kommunikationsfähigkeit, Mut, Innovationskraft, Einfallsreichtum, Selbstkontrolle, EQ… sind einige der Persönlichkeitsdimensionen, die eine Auswirkung auf den Erfolg einer Unternehmung haben. Aber auch das Mindset spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Gründer-Mentalität. Im seinem Buch „Gründer Mentalität“ schreibt Tobias Sell darüber, dass Gründer*innen ein Wachstums- und Lern-Mindset kultivieren sollen. Sie sollten sich kontinuierlich weiterentwickeln, aus ihren Erfahrungen lernen und bereit sein, sich anzupassen. Ein offenes und flexibles Mindset ermöglicht es Gründern, Herausforderungen zu meistern und neue Möglichkeiten zu erkennen.
Der Einfluss des Startup-Ökosystems
Das Startup-Ökosystem, in dem sich Gründer- und Unternehmer*innen bewegen, kann einen erheblichen Einfluss auf ihre Mentalität und ihr Wachstum haben. Laut dem Buch „Founders at Work“ von Jessica Livingston ist der Austausch mit anderen Gründern und die Teilnahme an relevanten Netzwerken und Veranstaltungen entscheidend. Durch den Austausch von Erfahrungen und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten können Gründer*innen ihr Wissen erweitern, sich gegenseitig inspirieren und von den Erfolgen anderer lernen.
Entrepreneur DNA: Die Rolle der Unternehmer-DNA bei der Gründerauswahl
Das renommierte US-amerikanische Founder Institute hat mit dem „Entrepreneur DNA“ ein Assessment-System in Zusammenarbeit mit renommierten Sozialwissenschaftler entwickelt. Diese Bewertung zielt darauf ab, die Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, dass jemand ein erfolgreicher Unternehmensgründer bzw. eine erfolgreiche Startup-Gründerin werden kann, unabhängig von der spezifischen Idee, dem Standort oder der Demografie der jeweiligen Person. Zu den zentralen Merkmalen gehören:
Unternehmergeist: Erfolgreiche Gründer*innen haben einen starken Unternehmergeist, der sie antreibt, Chancen zu erkennen und Risiken einzugehen. Sie sind von Natur aus neugierig, kreativ und haben den Willen, neue Ideen in die Realität umzusetzen.
Selbstmotivation: Gründer*innen müssen in der Lage sein, sich selbst zu motivieren und trotz Rückschlägen und Herausforderungen weiterzumachen. Sie haben eine intrinsische Motivation, ihre Ziele zu erreichen und ihre Visionen zu verwirklichen.
Anpassungsfähigkeit: Existenzgründer*innen müssen in der Lage sein, sich an sich ändernde Umstände anzupassen und schnell auf neue Gegebenheiten zu reagieren. Sie sind flexibel und bereit, ihre Strategien anzupassen, um den Erfolg ihres Unternehmens sicherzustellen.
Entscheidungsfreude: Gründer*innen treffen häufig unter Unsicherheit wichtige Entscheidungen. Erfolgreiche Gründer sind in der Lage, fundierte Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie nicht über alle Informationen verfügen. Sie vertrauen auf ihre Intuition und haben den Mut, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Sie haben dabei eine hohe „internale Kontrollüberzeugung“.
Hartnäckigkeit: Unternehmensgründer*innen müssen bereit sein, Hindernisse zu überwinden und niemals aufzugeben. Sie haben eine hohe Frustrationstoleranz und sind bereit, lange Stunden zu arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Hartnäckigkeit und Ausdauer sind entscheidende Merkmale für den Erfolg eines Startups.
F-DUPN
Der „Fragebogen zur Diagnose unternehmerischer Potenziale (F-DUPN)“ von Prof. Dr. Günter F. Müller bewertet diese 10 Kriterien:
- Leistungsmotivstärke
- Internale Kontrollüberzeugung
- Unabhängigkeitsstreben
- Allgemeine Antriebsstärke
- Belastbarkeit
- Problemlöseorientierung
- Risikoneigung
- Ungewissheitstoleranz
- Durchsetzungsbereitschaft
- Soziale Anpassungsfähigkeit
Demografie: Gründer Statistik Deutschland
Im Jahr 2022 waren in Deutschland insgesamt rund 339.000 Existenzgründungen zu verzeichnen. Eine Analyse des Global Startup Ecosystem Report 2019 mit ca. 34.000 Unternehmensdaten ergab: nur eines von 12 Gründungen verläuft nachhaltig erfolgreich.
Bill Gates war 19 Jahre, als er mit Paul Allen Microsoft gründete. Auch Mark Zuckerberg war beim Start von Facebook erst 19 Jahre alt. Doch wie sehen die demografischen Merkmale von Gründern in Deutschland wirklich aus?
Die demografischen Merkmale von Existenzgründer*innen für das Jahr 2022 von statista.com:
- Insgesamt gab es in Deutschland rund 550.000 Unternehmensgründer*innen.
- Ca. 63 Prozent der Gründenden waren Männer.
- Der Anteil der Gründer*innen an der Erwerbsbevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren lag bei 1,08 Prozent. Laut DSM (Deutscher Startup Monitor) liegt das Durchschnittsalter der Gründer*innen in Deutschland bei 36,1 Jahren. 9,4 Prozent der Gründer*innen sind 55 bis 64 Jahre alt.
- Im Jahr 2022 hatten laut DSM 37,1 Prozent der Gründer*innen einen Masterabschluss, 17,1 Prozent der befragten Gründer*innen hatten im gleichen Jahr einen Bachelorabschluss. Im genannten Jahr hatten 20,1 Prozent der Gründer*innen keinen Berufsabschluss. Laut DSM hatten 13,4 Prozent der Gründer*innen einen Studienabschluss im Fachbereich Informatik, Computer Science oder Mathematik.
- 5,6 Prozent der Gründer*innen waren bereits zuvor Selbstständige.
- Für ca. 31,3 Prozent der Gründer*innen war das wesentliche Motiv zur Existenzgründung ein höheres Einkommen bzw. ein besserer Lebensunterhalt.
Gründer und Stress
Studien haben gezeigt, dass Unternehmer*innen ein höheres Risiko für psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen und Angstzustände haben als die Allgemeinbevölkerung. Der Umgang mit psychischen Problemen kann das allgemeine Wohlbefinden und die Leistung von Unternehmern verbessern. Vielen Unternehmern fällt es schwer, eine gesunde Work-Life-Balance zu finden, was zu Burnout und anderen gesundheitlichen Problemen führen kann.
Während ein gewisser Stress die Leistung steigern kann, kann anhaltender Stress bei Unternehmer*innen und vielen „getriebenen“ Menschen zu negativen körperlichen und psychologischen Folgen führen, einschließlich Burnout. Laut einer Untersuchung von CBInsights scheitern 5 Prozent der Startups aufgrund von Burnout bei den Gründern.
Im Kern pendeln die Gründer*innen zwischen vier Faktoren, die auf lange Sicht und je nach Persönlichkeitstypus zu unterschiedlichen Ausprägungen von Stress, Überforderung und Misserfolg führen kann:
Leidenschaft – Boxer-Legende Muhammed Ali sagte einmal: „Champions werden nicht in Trainingshallen gemacht. Champions werden durch etwas gemacht, das sie in sich tragen: Ein Verlangen, einen Traum, eine Vision.“ Doch auch wenn Leidenschaft und Euphorie unser Tun bestimmen, können dabei Stress- und Burnoutsignale übersehen, ignoriert oder irrtümlicherweise gedanklich ins Gegenteil gedeutet werden. Denn dabei wird die Endorphinausschüttung in unserem Gehirn stimuliert, wir fühlen uns gut und nehmen die Schmerzen im Körper weniger wahr. Diese Gefühle werden oft verstärkt durch Zucker, Alkohol oder Nikotin. Diese Stoffe suggerieren unserem Bewusstsein kurzfristig Zufriedenheit.
Die Wahrnehmung (oder Realität), dass es kein Sicherheitsnetz gibt. Unsicherheitstoleranz zusammen mit einer Flexibilitäts- und Anpassungskompetenz sind folglich entscheidende Kriterien für den dauerhaften Erfolg von Existenzgründer*innen.
Arbeiten in einem Umfeld mit einem hohen Maß an Unsicherheit.
Soziale Isolation – wenn die Arbeit überhand nimmt.
Die Venture Capital Firma Balderton Capital, die sich auf die Unterstützung europäischer Gründer*innen vom Anfang bis zum Börsengang konzentriert, hat kürzlich eine neue Initiative angekündigt, die darauf abzielt, Gründer*innen ähnlich wie Hochleistungssportler zu behandeln. Auch Mosaic Ventures bietet ein ähnliches Programm für ihre Startup-Gründer*innen an.
Suranga Chandratillake, Partner bei Balderton, hat offen über die Motivation der VC-Firma gesprochen und wurde mit den Worten zitiert: „Wir sind ziemlich egoistisch auf lange Sicht […] Wir glauben, dass es sowohl in ihrem Interesse als auch in unserem Interesse liegt – so verdienen wir Geld.“
Gründer und Schlaf
Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmer*innen, die weniger als 7 Stunden schlafen, seltener Probleme bei neuen Unternehmungen erkennen, während ausgeruhte Kolleg*innen sie übertreffen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern führte mehrere Studien durch, um zu vergleichen, wie Gründer*innen Geschäftsmöglichkeiten analysieren, wenn sie weniger Schlaf bekommen im Vergleich zu ausreichend ausgeruhten Kollegen. Die Ergebnisse waren beeindruckend.
Es stellte sich heraus, dass Unternehmer*innen, die weniger als sieben Stunden schliefen, dazu neigten, sich stärker auf oberflächliche Indikatoren zu verlassen, wenn sie neue Geschäftsideen bewerteten. Dies führte dazu, dass strukturelle Probleme übersehen wurden und schwache Chancen höher eingeschätzt wurden als von den ausgeruhten Kollegen.
Selbst wenn man ihre eigene Leistung im ausgeschlafenen Zustand als Vergleich heranzog, zeigte sich eine erhöhte Anzahl von Fehlern bei der Bewertung der weniger offensichtlichen Qualitäten neuer Unternehmen. Gerade in diesen Bereichen könnte man den größten Wert erzielen, wenn man weniger als die normale Menge an Schlaf bekommt.
Umfragen unter Investoren
Eine Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen von Gründern von 500 Startups ergab vier Schlüsselmerkmale, die mit Erfolg oder Misserfolg korrelieren:
- Schnelle und entschlossene Entscheidungsträger waren am stärksten negativ mit Erfolg korreliert. Erfolgreiche Gründer waren berechnend, zielgerichtet und fokussiert.
- Mitgefühl, Rücksichtnahme und Sorge um Menschen waren negativ mit Erfolg korreliert. Der Grad der negativen Korrelation war am höchsten, wenn das Team glaubte, dass die Gründer sich zu sehr auf Menschen konzentrieren. Ein Startup-Gründer muss viele schwierige und unbeliebte Entscheidungen treffen, insbesondere in Bezug auf das Ausscheiden von Teammitgliedern.
- Selbstbewusstsein ist entscheidend. Erfolgreiche Unternehmen hatten eine sehr abgestimmte Sichtweise zwischen Gründern und Teammitgliedern in Bezug auf die Eigenschaften des jeweils anderen. Je geringer die Diskrepanz zwischen dem Selbstbewusstsein des Gründers und der Wahrnehmung des Gründers durch das Team war, desto besser war die Leistung des Startups.
Gründer Profiling
Unserer Erfahrung nach sind Online-basierte Persönlichkeitstests nicht ausreichend und valide genug und zudem anfällig für Manipulation, um auf dieser Basis Gründungs-, Team- und Investitionsentscheidungen zu treffen. Um belastbare Daten für die Bewertung von Gründern und Startup-Teams zu bekommen, bietet PROFILING.me einerseits spezialisierte Gründer-Analysen sowie das Erlernen spezialisierter Profiler-Fähigkeiten an. In unseren Gründer-Profilings analysieren wir mehr als 20 spezielle Eigenschaften, die auf Basis jahrelanger Forschung entscheidend für den langfristigen Unternehmenserfolg sind. Wir analysieren Gründer und Startup-Teams je nach Branche, Zielsetzung und Situation für Investoren, Angel Investoren, Venture Capital und Private Equity Firmen einerseits versteckt oder auch offen als Teil eines Coaching-Prozesses. Wir haben jahrelang weltweit die erfolgreichsten Gründer-Persönlichkeiten analysiert, Erfolgsmerkmale definiert und gleichen neue Profile mit unserer Datenbank ab.






