Confirmation bias ist eine kognitive Voreingenommenheit, die die Tendenz beschreibt, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie bereits vorhandene Überzeugungen oder Erwartungen bestätigen, während Informationen, die diesen Überzeugungen widersprechen, ignoriert oder außer Acht gelassen werden.

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Voraussagen zu treffen und uns zu schützen. Das Bild unserer Realität ist nach neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen stark von unseren Erwartungen geprägt. Dabei greift unser Gehirn auf frühere Erfahrungen zurück und leitet daraus Vorhersagen ab, was wohl als Nächstes passieren wird. Das Gehirn nutzt die riesige Datenbank des Unterbewusstseins, in der Wissen, Erfahrungen, instinktive und erlernte Verhaltensmuster gespeichert sind und durch äußere Reize abgerufen werden können. Unser Gehirn analysiert die gegenwärtigen Sinneswahrnehmungen nicht neu, sondern vergleicht diese mit dem in der Vergangenheit erlernten Wissen, Handeln und Verhalten. Aus den Abweichungen leitet es die wahrscheinlichste Prognose für die Gegenwart und Zukunft ab. Unser Gehirn verknüpft dabei Punkte, die real gar nicht so existieren.

Kognitive Verzerrung: Bestätigungsfehler Die Folgen sind analog der Philosophie von René Descartes: „wir beschreiben nicht die Welt, die wir sehen; wir sehen die Welt, die wir beschreiben.“ Confirmation bias, auf Deutsch Bestätigungsfehler oder auch Bestätigungs-Irrtum oder Bestätigungstendenz genannt, bezeichnet die Neigung, Informationen so zu suchen, auszuwählen, zu interpretieren und zu gewichten, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen und in unser Weltbild passen. Der Psychologe Peter Wason hat den Bestätigungsfehler, ein Begriff der Kognitionspsychologie, in den 1960er-Jahren als Erster in verschiedenen Experimenten nachgewiesen. Dieser psychologische Denkfehler verzerrt unsere Wahrnehmung. Beim Bestätigungsfehler handelt es sich um eine Form des unbewussten Selbstbetrugs, der unsere Wahrnehmung verzerrt und andere Ansichten ausblendet. Anders gesagt: wir sind davon überzeugt, recht zu haben, und nehmen vorrangig solche Informationen auf und stufen diese als relevant ein, die mit unseren eigenen Überzeugungen übereinstimmen. Die meisten Menschen sind davon überzeugt, zu 90 Prozent mit ihren Überzeugungen richtig zu liegen. Aber wie können wir alle die ganze Zeit Recht haben? Ganz offensichtlich können wir das nicht.

Der Confirmation Bias sorgt also dafür, dass wir neue Informationen nur selektiv aufnehmen und an einmal gefassten Überzeugungen festhalten. Wie andere Wahrnehmungsfehler auch läuft der Confirmation Bias unbewusst ab, ohne dass wir selbst wirklich etwas dazu tun müssen.

Auch unser Gedächtnis spielt beim Bestätigungsfehler eine Rolle, da wir Menschen dazu neigen, uns an die Informationen zu erinnern, die die Art und Weise verstärken, wie wir bereits denken. Dieser Effekt wird als Bestätigungsgedächtnis oder selektiver Abruf bezeichnet.

Unterstützt wird diese falsche Annahme noch durch den sogenannten Dunning-Kruger-Effekt. Dieser besagt: je weniger Menschen in einem bestimmten Bereich wissen und je weniger kompetent sie dabei sind, desto besser schätzen sie ihr eigenes Wissen und ihre Kompetenz ein. Und umgekehrt: je kompetenter sie sind und je mehr sie über eine Sache wissen, umso schlechter schätzen sie sich ein.

Kognitive Verzerrung

Wir ändern entweder unser Verhalten, um es mit den Informationen in Einklang zu bringen, oder wir ändern unsere Einstellungen. Wir geben dabei der Information den Vorrang, die unsere Entscheidung als richtig erscheinen lässt, und versuchen die andere Information auszublenden oder abzuwerten. Hier findet also ein Selbstbetrug statt, denn wir sind wahre Experten darin, die Realität zu verdrehen, Fakten zu ignorieren und Wahrheiten zu verbiegen, bis diese ins eigene Weltbild passen. Das Ganze geschieht unterbewusst und in Sekundenbruchteilen.

Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung, also Fehlinterpretationen und Fehlwahrnehmungen unseres Gehirns. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selbst täuschen. Dieses mentale Vorgehen ist eine Art Abkürzung im Gehirn, in der Menschen Entscheidungen treffen, die stark von ihren aktuellen Emotionen beeinflusst werden.

Wir glauben zwar, dass wir Entscheidungen treffen und unsere Überzeugungen auf Logik gründen, und wir versuchen, andere davon zu überzeugen, die Dinge so zu sehen wie wir, aber es kommt fast immer auf unsere subjektive emotionale Reaktion an. Laut dem Autor Jim Camp „sind Emotionen im Moment der Entscheidung sehr wichtig für die Wahl. Selbst bei Entscheidungen, die wir für logisch halten, basiert diese wohl immer auf Emotionen“.

Unser Gehirn ist mit einem internen Belohnungssystem ausgestattet, das uns motiviert, die richtige Antwort zu finden. Das Problem ist, dass wir oft nicht richtig liegen. Oder wir ziehen viel zu schnell die falschen Schlüsse aus viel zu wenigen Informationen. Diese Tendenz führt oft zu einem Bestätigungsfehler, der uns veranlasst, Informationen so zu suchen oder zu interpretieren, dass unsere vorgefassten Meinungen bestätigt werden, was zu Fehlern, groben Fehlinterpretationen und vorschnellen Urteilen führt.

Die Entscheidungsfindung ist ein emotionaler Prozess und eine emotionale Reaktion. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio entdeckte, dass Menschen mit Hirnschäden in den Bereichen des Gehirns, in denen Emotionen erzeugt werden, eine auffallende Gemeinsamkeit haben. Sie waren nicht nur nicht in der Lage, Gefühle zu empfinden, sondern konnten auch keine Entscheidungen treffen. Sie konnten zwar mit logischen Begriffen beschreiben, was sie tun sollten, aber es fiel ihnen extrem schwer, eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Confirmation Bias: Denkfehler und Social Media

In der digitalen Welt verstärkt sich der Filter unserer selektiven Wahrnehmung: Facebook und Co. zeigen uns beispielsweise aufgrund der Algorithmen zunehmend nur noch Nachrichten und Informationen, die zu unseren persönlichen Interessen und Überzeugungen passen. Und irgendwann glauben wir an diese äußert subjektive Welt und sehen uns in unseren Meinungen bestätigt. Denn irgendwann werden diejenigen Fakten und Meinungen herausgefiltert, die nicht mit unseren vorgefassten Vorstellungen übereinstimmen. Nach dem Motto: „Siehste, hier steht auch, dass ich mit XY recht habe“. Der Social Media Circle wird schnell zur Echokammer.

Bestätigungsfehler

Der Bestätigungsfehler wird noch verstärkt durch den sogenannten Expectancy-Effect. Der Expectancy-Effect besagt, dass Menschen erst einmal glauben, was man ihnen sagt, und neigen dann dazu, ihre Erwartung unbewusst bestätigt zu sehen. Hierbei spielt auch die „sekundäre Rationalisierung“ (Vorgang unseres Gehirns, unsere Entscheidungen im Nachhinein zu rechtfertigen und uns glauben zu lassen, es sei das genau Richtige gewesen) eine wesentliche Rolle. Dieser Bestätigungsfehler führt dazu, dass wir, wenn wir jemanden sympathisch finden, dazu neigen, zweifelhafte Aussagen so zu interpretieren, dass sie wieder in unser Bild passen und unsere positive Vorannahme unbewusst bestätigen.

Confirmation Bias Beispiel

Ein Beispiel: eine Person ist der Überzeugung, Linkshänder seien kreativer als Rechtshänder. Wann immer diese Person einer Person begegnet, die sowohl linkshändig als auch kreativ ist, misst sie diesem „Beweis“, der ihre Überzeugung bestätigt, größere Bedeutung bei. So wird diese sehr subjektive Überzeugung gefüttert, die selektive Wahrnehmung sorgt zunehmend dafür, dass alle anderen Informationen ausgeblendet und eine verstärkte Aufmerksamkeit auf die Suche nach Bestätigungshinweisen gelegt wird.

Im Recruiting sorgt der Bestätigungsfehler, wenn die entsprechende Person nicht aufpasst, dafür, dass vorrangig Personen eingestellt werden, die so sind wie man selbst oder wie die Person, welche die Position zuvor besetzt hatte.

Weitere Beispiele für Bestätigungsfehler

Informationsgewinnung: Es werden nur solche Informationen gesammelt, beachtet und gewichtet, die die eigene Meinung bzw. Annahme stützen.

Framing: Neue Informationen werden so interpretiert, dass sie zur bisherigen Einstellung passen. Beim Framing wird die Realität so „gerahmt“, wie man den Schwerpunkt setzen möchte.

Erinnerung: Man erinnert sich vor allem an Informationen, die mit der eigenen Meinung übereinstimmen.

Überprüfen: Man verzichtet auf Gelegenheiten, die eigene Meinung zu hinterfragen.

Verwerfen: Man verwirft Informationen, die mit den eigenen Überzeugungen nicht übereinstimmen.

Ein kognitiver Denkfehler, der eng mit dem Bestätigungsfehler zusammenwirkt, ist der Impact Bias. Während der Confirmation Bias dafür sorgt, dass wir selektiv nach Bestätigung unserer bestehenden Überzeugungen suchen, führt der Impact Bias dazu, dass wir die emotionalen Konsequenzen zukünftiger Ereignisse systematisch überschätzen. Beide Mechanismen greifen ineinander: Wer glaubt, ein Ereignis werde ihn emotional stark treffen, filtert unbewusst Informationen, die genau das bestätigen, und übersieht alles, was dagegen spricht.

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