Cold Reading

Cold Reading

Mind Reading: Techniken zur Vorspiegelung nicht vorhandenen Wissens

Wer sich mit dem Thema „Menschen lesen“ beschäftigt, kommt an dem Begriff „Cold Reading“ oder „Mind Reading“ nicht vorbei. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Cold Reading durch die US-Serie „The Mentalist„.

Erweckt jemand trotz nicht vorhandenen Wissens durch Anwendung bestimmter Techniken bei seinem Gesprächspartner den Eindruck, er wisse etwas über ihn, ist von Cold Reading die Rede. Ins Deutsche übersetzen lässt sich dieser Ausdruck am ehesten mit kalte Deutung, wobei sich das kaltauf das fehlende Wissen bezieht. Sowohl Mentalisten als auch Zauberkünstler, die ihre „Show“ auf dieser scheinbaren und zum Mind Reading gehörenden Fähigkeit aufbauen, beherrschen die Vorspiegelung von Wissen besonders gut.

Als Gegenteil kann das Hot Reading angeführt werden, bei dem die Täuschung noch skurriler erscheint: Hier informiert sich der Hot Reader zuvor über den Gesprächspartner und erlangt so tatsächlich Kenntnisse über ihn. Zur Anwendung kommen die unter dem Fachausdruck zusammengefassten Cold-Reading-Techniken in der Regel in Situationen, die einem Interview ähneln. Der Cold Reader kann (nicht vorhandenes) Wissen aber auch schriftlich vortäuschen, wenn er zum Beispiel in Echtzeit mit seinem Gegenüber kommuniziert. Auf diese Weise kommen diese Täuschungstechniken nicht nur bei

  • Mentalisten
  • Zauberkünstlern
  • Wahrsagern
  • Verkäufern

oder bei Vernehmungen zum Einsatz, sondern auch beim Flirten. Auf polizeilicher Ebene kann das Ganze auch als Beratung geschehen, wie wir es aus der beliebten US-Serie The Mentalistkennen. In erster Linie nutzen Cold und Mind Reader ihre Techniken bewusst, um andere Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Jedoch ist auch die unbewusste Verwendung durchaus möglich.

Welche Ansätze kann ein Mentalist beim Mind Reading wählen?

Zauberern, Verkäufern und sogar The Mentalist stehen verschiedene Ansätze offen, um bei ihren Gesprächspartnern den Eindruck zu erwecken, über deren Leben, Gedanken und Gefühle Bescheid zu wissen. Dabei handelt es sich unter anderem um die folgenden Optionen:

  • Allgemeinplätze verwenden
  • große Anzahl an Optionen anbieten
  • differenzieren und Kategorien bilden
  • Feedback einholen

Der Großteil dieser Techniken dient dazu, nicht vorhandenes Wissen so aussehen zu lassen, dass Kenntnisse über den Gesprächspartner vorhanden wären. Allerdings nutzen Cold Reader die Feedback-Methode, um sich im Verlauf des Gesprächs tatsächliches Wissen anzueignen, auf dessen Basis weitere Aussagen getroffen werden können.

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Warum haben Zauberkünstler beim Cold Reading überhaupt Erfolg?

Mind ReadingDass Cold Reader mit ihrer Methode überhaupt erfolgreich sein können, hat gewisse Gründe – setzt aber auch besonders eine Sache voraus. So darf der Gesprächspartner auf keinen Fall misstrauisch und dem „Fragensteller“ gegenüber negativ eingestellt sein. Die Erwartungshaltung des Gesprächspartners muss positiv sein und dem Cold Reader muss es gelingen, einen Rapport aufzubauen – also einen positiven Bezug, eine Art Vertrauensbasis.

Hinzu kommt der Bestätigungsdrang, der uns Menschen innewohnt. Indem Cold Reader viele Allgemeinplätze und Floskeln verwenden, ohne konkret zu werden, bleibt jede Menge Interpretationsspielraum. Der Gesprächspartner projiziert das unscharf Formulierte auf seine eigene Situation und gewinnt dadurch den Eindruck, der Mentalist wüsste tatsächlich über sein Leben Bescheid. Diese psychologische Besonderheit menschlichen Verhaltens ist auch als Barnum-Effekt, Barnum-Statement und Forer-Effekt bekannt:

Bertram R. Forer ließ Probanden 1948 einen scheinbaren Persönlichkeitstest durchführen, dessen Ergebnis – eine ausformulierte Beschreibung des Charakters – von den Teilnehmern hinsichtlich des Wahrheitsgehalts bewertet werden sollte. Dafür stand ihnen eine Skala zwischen 1 und 5 zur Verfügung, wobei 5 die größte Zustimmung bedeutete. 4,26 betrug der Durchschnittswert, was umso bemerkenswerter war, als das scheinbar individuelle Testergebnis weder mit dem Persönlichkeitstest noch mit den Probanden in Verbindung stand. Forer verwendete schlichtweg Horoskope aus der Zeitung, die bekanntermaßen extrem allgemein formuliert sind. Zudem erhielt jeder Teilnehmer dasselbe Ergebnis!

Nicht zu unterschätzen ist außerdem das selektive Zuhören von Menschen: Wir hören nur das, was uns wirklich wichtig ist, und lassen das für uns subjektiv Uninteressante außen vor. Cold Reader gehen daher vor allem auf jene Themen ein, die Menschen besonders stark interessieren:

  • Liebe
  • Geld
  • Beruf
  • Gesundheit
  • Reisen
  • Wissen
  • Glück, Pläne etc. für die Zukunft

Formulieren Cold und Mind Reader ihre allgemeinen Aussagen dann noch größtenteils positiv, erhalten sie den Selbstwert des Gesprächspartners und dadurch auch dessen Interesse aufrecht. Negative Aussagen dienen dazu, glaubwürdig zu bleiben. Nun bleibt nur noch die Frage offen, ob sich Cold beziehungsweise Mind Reading für jedermann erlernen lässt. In der Tat, die Techniken kann sich jeder aneignen. Eine gute Kombinationsgabe und Aufmerksamkeitsspanne sind natürlich hilfreich, allerdings lernen Interessenten in speziellen Seminaren alles, was Sie über kaltes Deutenwissen müssen.