Bystander-Effekt

Bystander-Effekt

Der Zuschauereffekt

Der Bystander-Effekt wird auch Zuschauereffekt oder ausführlicher “non-helping-bystander-effect” genannt. Bystander kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Dabeistehender“ bzw. „Zuschauer“. Unter dem Bystander-Effekt versteht man das Phänomen, das bei Unfällen oder kriminellen Handlungen auftritt. Kurz gesagt bedeutet dieser Effekt: 

Menschen werden vor allem in einer großen Menge zu passiven Zuschauern anstatt zu aktiven Helfern. Die Psychologie und Soziologie definiert den Bystander-Effekt: die Bereitschaft etwas zu tun ist geringer, je mehr Menschen anwesend sind. 

Der Bystander-Effekt wird auch Genovese-Syndrom genannt. Dieser Ausdruck entstand aufgrund des dramatischen Falls der US-Amerikanerin Kitty Genovese, die 1964 in New York City einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Die Ermordung zog sich über eine halbe Stunde hin und wurde von mindestens 38 Personen der Nachbarschaft beobachtet, ohne dass auch nur irgendjemand dieser Frau zur Hilfe kam. 

John M. Darley von der New York University und Bibb Latane von der Columbia Universität führten wissenschaftliche Untersuchungen durch, die die Gründe für das Nichteingreifen untersuchten. Die Gründe für diesen Effekt sind vielfältig:

• Offensichtlich bedeutet die Anwesenheit vieler Menschen, dass eine Situation als weniger bedrohlich wahrgenommen wird („pluralistische Ignoranz“). Die anderen Umstehenden sehen offenbar auch keinen Notfall, denn niemand sonst greift bisher ein.

• Zusätzlich befürchten die anwesenden Menschen, dass sie sich beim Eingreifen in die Situation blamieren könnten, sollte dies für die betroffene Person nicht bedrohlich sein. 

• Bei einer größeren Anzahl von Menschen kommt es zu einer Verantwortungsdiffusion: Verantwortungsteilung auf die Zahl der Zuschauer bezogen mit gleichzeitiger Abnahme der Eigen-verantwortung. Es wird darauf gewartet, dass eine andere Person eingreift bzw. den ersten Schritt einer Intervention wagt.

• Nach der Reaktanz-Theorie fühlt sich eine um Hilfe gebetene Person von dieser Bitte in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt. Als Gegenreaktion wird sie dazu tendieren, Hilfe zu verweigern.

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