Was ist Bewusstsein?

Wikipedia definiert Bewusstsein wie folgt:
„Bewusstsein (abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Wort bewissen im Sinne von „Wissen über etwas habend“[1], lateinisch conscientia „Mitwissen“ und altgriechisch συνείδησις syneídēsis „Miterscheinung“, „Mitbild“, „Mitwissen“, συναίσθησις synaísthēsis „Mitwahrnehmung“, „Mitempfindung“ und φρόνησις phrónēsis von φρονεῖν phroneín „bei Sinnen sein, denken“) ist im weitesten Sinne das Erleben mentaler Zustände und Prozesse“.

In einer etwas engeren Definition beschreibt der Begriff „Bewusstsein“ die Fähigkeit des Menschen zur Wahrnehmung des eigenen Ichs.

Wir treffen täglich bis zu 20.000 Entscheidungen und denken im Schnitt 60.000 – 80.000 Gedanken pro Tag. An einem Tag wird ein Menschen im Durchschnitt mit ca. 7.000 Werbebotschaften konfrontiert, heute erhalten wir pro Tag so viele Informationen wie vor 100 Jahren ein Bauer in seinem gesamten Leben. Wir verarbeiten ca. 11 Mio. Bits pro Sekunde, davon sind 99,9% unbewusst, das bedeutet, nur 0,1% davon sind bewusst. Einer Studie des American Science Institutes zufolge sind von den durchschnittlich 65.000 Gedanken pro Tag ungefähr 80 Prozent genau dieselben Gedanken, die wir auch am Vortag hatten. Es ist also eine Illusion unserer Wahrnehmung, dass wir glauben, uns jeweils individuell, neu und unvoreingenommen aufgrund der Situation zu entscheiden. Dabei greifen wir meist auf die innere Festplatte unserer Muster zurück.

Während unser Unterbewusstsein bis zu 20 Millionen äußere Reize pro Sekunde verarbeiten kann, ist unser Bewusstsein sehr viel reduzierter und nicht multitaskingfähig. Der Harvard Psychologe George A. Miller veröffentlichte in seinem weltweit beachteten Artikel „The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information“ seine wissenschaftliche Erkenntnis zur Aufnahmefähigkeit des Bewusstseins. Die „Millersche Zahl“ bezeichnet seine Erkenntnis, dass ein Mensch nur 7 +/- 2 Informationseinheiten gleichzeitig im Kurzzeitgedächtnis aufnehmen und präsent halten kann. Unser Gehirn verfügt über einen sehr restriktiven Filter für Informationen und Reize von außen. Wir können nur einen Gedanken zur selben Zeit denken.

Das Bild unserer Realität ist nach neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen stark von unseren Erwartungen geprägt. Dabei greift unser Gehirn auf frühere Erfahrungen zurück und leitet daraus Vorhersagen ab, was wohl als Nächstes passieren wird. Das Gehirn nutzt die riesige Datenbank des Unterbewusstseins, in der Wissen, Erfahrungen, instinktive und erlernte Verhaltensmuster gespeichert sind und durch äußere Reize abgerufen werden können. Unser Gehirn analysiert die gegenwärtigen Sinneswahrnehmungen nicht neu, sondern vergleicht diese mit dem in der Vergangenheit erlernten Wissen, Handeln und Verhalten. Aus den Abweichungen leitet es die wahrscheinlichste Prognose für die Gegenwart und Zukunft ab.

Sekundäre Rationalisierung

Den aktuellen Forschungen zufolge ist ein Großteil unseres Handelns darauf gerichtet, Voraussagefehler unseres Gehirns zu reduzieren, um Unvorhergesehenes zu minimieren. „Ein Gehirn, das auf Voraussagen gestützt arbeitet, kann viel schneller reagieren als eines, das immer erst sämtliche einlaufenden Informationen abwarten und analysieren muss“, sagt Werner Schneider, Psychologe an der Universität Bielefeld der Zeitschrift „Gehirn & Geist“. Wir sehen also die Welt durch den Filter unserer Vergangenheit. Unser Bewusstsein wird laut Neurowissenschaft von unserem rein emotionalen Handeln im Wesentlichen erst nachträglich „informiert“. Laut dem Gehirnforscher Gerhard Roth ist das Bewusstsein eine Art Regierungssprecher, der Entscheidungen nachträglich interpretieren und legitimieren muss, deren Gründe er aber gar nicht kennt. Auf den Punkt gesagt „erfindet“ unser Bewusstsein nach der getroffenen Entscheidung eine Begründung, die plausibel erscheint und unser Handeln rechtfertigt. Sekundäre Rationalisierung nennt man dann den Vorgang unseres Gehirns, unsere Entscheidungen im Nachhinein zu rechtfertigen und uns glauben zu lassen, es sei das genau Richtige gewesen.

Unsere Gedanken bestimmen maßgeblich die Art und Weise, was wir fühlen, was wir von der Welt wahrnehmen, wie wir eine Situation einschätzen und was wir uns zutrauen. Nach einem gruseligen Film z.B. fühlen wir uns vorübergehend in einer anderen Wirklichkeit voller unheimlicher Geräusche, Schatten und spüren Angst. Dieses Phänomen nennen die Cineasten „Mindfuck“ oder – etwas vornehmer ausgedrückt – simulierte Realität. Von den gruseligen Bildern geprägt, geht unser bewusstes Denken in diesem Moment tatsächlich von einer Gefahr aus. Das Zusammenspiel von Fühlen und Denken bezeichnet der Schweizer Psychiater und Autor als „Affektlogik“.

Bestätigungsfehler

In der Wissenschaft wird vom sog. Bestätigungsfehler gesprochen. Dieser besagt, dass wir neue Informationen oftmals genau so interpretieren, dass sie unseren eigenen Erwartungen entsprechen. Es werden hierbei vorrangig nur die Informationen akzeptiert, die unsere bereits vorhandene Meinung bestätigen. Andere Informationen werden meist noch nicht einmal auf Glaubhaftigkeit überprüft. Unterstützt wird dies vom sog. Expectancy-Effect: Menschen glauben erst einmal, was man ihnen sagt, und neigen dann dazu, ihre Erwartung unbewusst bestätigt zu sehen.

Beobachtereffekt

Nicht unsere äußere Welt erschafft unsere innere Welt, sondern unsere innere Welt erschafft unsere äußere Welt. In der Quantenphysik gibt es etwas, das man den Beobachtereffekt nennt. Während die Grundannahme hinter der Wissenschaft ist, dass es unabhängig von uns eine „objektive Welt da draußen“ gibt, impliziert der Beobachtereffekt etwas anderes. Das berühmte Doppelspaltexperiment zeigt, dass jedes Teilchen scheinbar gleichzeitig durch beide Schlitze hindurchgeht und mit sich selbst interferiert. Diese Kombination beider Wege zur gleichen Zeit wird als Superposition bezeichnet. Einfach durch Beobachtung der Bahn eines Teilchens, selbst wenn diese Beobachtung die Bewegung des Teilchens nicht stört, verändern wir das Ergebnis. Wenn also die Art und Weise, wie die Welt erscheint und sich verhält, davon abhängt, ob und wie wir sie betrachten, was bedeutet das dann für die „Realität“? Es bedeutet, dass die Welt so ist, wie WIR sie sehen. Der Physiker Pascual Jordan, der mit dem Quantenguru Niels Bohr zusammengearbeitet hat, drückte es so aus: „Die Welt ist so, wie wir sie sehen: Beobachtungen stören nicht nur, was gemessen wird, sie erzeugen es auch.“ Mit anderen Worten sagte Jordan: „Wir selbst produzieren die Ergebnisse von Messungen“. Wenn man das versteht, wird uns bewusst: Wir alle erschaffen unsere Realität. Das Fazit des renommierten Physikers Fred Alan Wolf lautet: „Das Universum scheint ohne einen Betrachter nicht zu existieren“. Alles, was wir als Materie wahrnehmen, besteht aus Atomen, den Bausteinen aller festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe. Materie ist demnach lediglich eine strukturelle Verdichtung von Energie. Man schätzt, dass nur 4,6% aus Materie besteht.

Bewusstsein und Neurowissenschaft

Nach der Oszillationstheorie wird Bewusstsein erzeugt, wenn Nervenzellen des Gehirns im Gleichtakt schwingen (oszillieren). Eine andere Feststellung ist: Im Verlauf der Evolution erfolgte beim Menschen eine dramatische Zunahme der Großhirnrinde ((lateinisch Cortex cerebri, kurz: Cortex, eine äußere, an Nervenzellen (Neuronen) reiche Schicht des Großhirns. Es ist daher zu vermuten, dass die Vergrößerung der Großhirnrinde für die Entstehung von Bewusstsein eine wichtige Rolle gespielt hat. Doch ganz genau weiß niemand, welche Teile des Gehirns in welcher Situation zum Bewusstsein beitragen.

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