Jeder Mensch hat ein Grundverhalten (Normverhalten), was auch Baseline genannt wird. Baseline stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Norm, Leitlinie, Grundlinie. Im Zusammenhang der nonverbalen Kommunikation beschreibt die Baseline das Normalverhalten einer Person, also die Art und Weise, wie sich eine Person in einer stressfreien Situation verhält.
Beim Entschlüsseln von Menschen wird der Baseline menschlichen Verhaltens viel Bedeutung geschenkt. Eine Baseline bedeutet, wie sich eine Person unter normalen, nicht bedrohlichen Bedingungen verhält. Zu erkennen ist die Baseline z.B., wenn wir mit einer Person über neutrale Themen (Wetter, Kinder, Abendessen, Hobby, Beruf etc.) sprechen, bei denen die Person keinen Grund hat zu lügen oder unter Stress zu geraten. Die Baseline beschreibt also das Normalverhalten einer Person. Besonders beachtenswert sind alle Verhaltensweisen, die von dieser Baseline abweichen.
Eine Abweichung von der Baseline können wir durch Verhaltensänderungen (z.B. lauter sprechen, Blick senken, künstlich Lächeln usw.) erkennen. Aber Achtung: eine einzelne Verhaltensänderung sagt noch nicht viel aus. Je mehr verbale und nonverbale Abweichungen von der Baseline auftreten, desto auffälliger und ein Signal, dass die Person auf den Inhalt bzw. die Situation reagiert (z.B. durch Stress).
Baselineerstellung
Bei der Ermittlung der Baseline – z.B. um eine Lüge erkennen zu können sind drei Faktoren wichtig zu beachten:
1. Es darf nicht zu viel Zeit zwischen der beobachteten Baseline und der Verhaltensänderung verstreichen, um so andere Faktoren ausschließen zu können.
2. Mit in der Analyse beachtet bzw. ausgeschlossen werden müssen auch Zufall oder äußere Faktoren (z.B. erhöhte Blinzelfrequenz durch eine Lüge vs. durch ein Staubkorn im Auge). Um hier zusätzliche Sicherheit zu schaffen, sollte man die Gesprächsthemen öfters hin und her wechseln, um so die Verhaltensänderungen eindeutiger bestimmen zu können.
Äußere Faktoren könnten z.B. diese sein:
- Raumtemperatur
- Verhalten des Interviewers / Gegenübers
- emotionale Verfassung der Person
- Proxemik (Raumverhalten)
- Konsum koffeinhaltiger Getränke
- Behinderungen oder körperliche Beeinträchtigungen
- Angewohnheiten und Ticks
- Anwesenheit anderer Personen / Hierarchien
- Land und Kultur
3. Direkte Be- und Anschuldigungen sollten grundsätzlich vermieden werden, da bei einer Beschuldigung der andere immer (egal ob gerechtfertigt oder nicht) heftig reagieren wird. Anstelle dessen sollten besser sogenannte Reflexfragen gestellt werden, die sich insbesondere dadurch auszeichnen, dass diese vor allem ein Schuldiger erkennen und auf diese reagieren kann. In Reflexfragen werden nämlich Elemente der Tat eingebaut („wann hast du das letzte Mal eigentlich mein iPhone gesehen?“). Nur ein Lügner würde sich hier ertappt fühlen, für jeden anderen ist dies eine ganz belanglose Frage, die zu keinerlei Stressreaktionen führen würde.
Nonverbale Kommunikation: Baseline Analyse
Der Grundsatz bei der Baseline-Analyse lautet: Wahrnehmung, Veränderung, Interpretation.
Anwendungsbeispiel der Baseline-Analyse: Die 9 Schritte zur Glaubwürdigkeitseinschätzung beachten:
1. Feststellung des Normalzustandes (Baseline) des Gegenübers.
2. Beurteilung der Körpersprachsignalen.
3. Erkennen von Verhaltensabweichungen.
4. Erkennen von Verhaltensweisen der Selbstberuhigung.
5. Erkennen von verbalen und nonverbalen Warnindikatoren.
6. Erkennen von Schock-, Flucht- oder Kampfsignalen.
7. Erkennen von Inkongruenz (Gestik, Mimik, Inhalt).
8. Erkennen von Kontrollverlust beim Lügen.
9. Erkennen von Abwehr & Manipulation.





