Adaptoren, auch Beruhigungsgesten genannt, setzen wir dann ein, wenn wir unter Stress stehen, um unsere Emotionen zu regulieren und Adrenalin abzubauen. Adaptoren treten in der Regel unbewusst auf. Meistens streicheln wir uns selbst, fahren uns durchs Haar oder reiben eine Körperstelle. Einige kauen an den Fingernägeln, andere gehen mit den Händen in den Nacken oder spielen an ihrer Kette oder Uhr herum. Erhöht sich die Anzahl der Beruhigungsgesten, so ist dies ein Hinweis für eine emotionale Belastung und innere Anspannung. Bei Unbehagen besteht ein Impuls, vor allem die folgenden Bereiche zu „schützen“:
Hals (z.B. durch das Spielen mit Schmuck) und Bauch (z.B. durch Handtasche im Schoß).
Beruhigungsgesten
Als natürliche Reaktion auf Angst oder Stress sucht der Mensch nach Dingen, die ihn beruhigen. Nahezu jeder Mensch hat sich im Laufe seines Lebens sogenannte Beruhigungsgesten angewöhnt, die wir uns hervorragend zur Feststellung von Stress, Unbehagen oder Angst zunutze machen können. Die meisten Stress- und Verlegenheitsreaktionen dienen dazu, uns selbst zu beruhigen. Man bemerkt sie in aller Regel selbst nicht und kann sie, auch wenn man es versucht, nur schwer unterdrücken.
Das Gehirn weist den Körper an, etwas zu tun, das bestimmte Nervenenden stimuliert. Dadurch werden beruhigende Endorphine im Gehirn ausgeschüttet und man entspannt sich. So besitzt der Hals z.B. viele Nervenenden, die auf manuelle Stimulation reagieren und dadurch den Blutdruck senken, den Puls verlangsamen und die Person sich dadurch beruhigt. Jeder hat individuelle Vorlieben, z.B. Rauchen, Kaugummi kauen, mit aufgeblähten Wangen ausatmen, Lippen lecken, mit Dingen spielen, Krawatte richten, Nase hochziehen etc.
Bei Frauen ist die Nummer eins der Beruhigungsgesten mit dem eigenen Schmuck spielen, an das Handgelenk oder in den Nacken greifen. Bei Männern sind die top Beruhigungsgesten mit der Hand zum Hinterkopf / Nacken oder zur Stirn fassen, mit den Fingern neben dem Mund nach unten streichen, Hand zum Handgelenk der anderen Hand (kommt jedoch nur in ca. 30 Prozent der Fälle vor).
Psychologische Mechanismen hinter Adaptoren
Adaptoren dienen nicht nur der kurzfristigen Stressbewältigung, sondern sind tief im psychologischen Schutzverhalten verankert. Diese Gesten ermöglichen es dem Körper, in belastenden Situationen eine Form der Selbstregulation aufrechtzuerhalten, indem durch die Berührung bestimmter Hautareale das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Diese Aktivierung reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin, wodurch der Körper sich schneller beruhigen kann. Adaptoren spiegeln somit das innere Bedürfnis wider, in Stresssituationen die Kontrolle zu behalten und das Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen.
Adaptoren als Indikator für innere Konflikte und Verhaltenskontrolle
Adaptoren können auch wertvolle Hinweise auf innere Konflikte und den Versuch der Selbstkontrolle geben. In Momenten erhöhter Verhaltenskontrolle, etwa bei Versuchen, Gefühle zu verbergen oder bei Lügen, kann sich die Frequenz und Intensität von Adaptoren verändern. Ein abrupter Rückgang oder eine Zunahme von Beruhigungsgesten im Vergleich zur normalen Baseline einer Person deutet oft auf emotionalen Stress hin. Diese subtilen Abweichungen in der Körpersprache sind für geschulte Beobachter ein Indikator für mögliche innere Spannungen oder Unsicherheit, da die Person sich unbewusst bemüht, Stress durch Beruhigungsgesten zu mindern.
Adaptoren beim Lügen
Adaptoren können wir auch beim Lügen erkennen nutzen. Viele Lügner überspielen den Stress z.B. mit Lachen. So kommt es, dass Lügner durchschnittlich 10-mal häufiger während einer Lüge lächeln. Bei Stress zeigen sich vermehrte Beruhigungsgesten bzw. Angst. Beruhigungsgesten können aber auch abnehmen, z.B. wenn es zu einer erhöhten Verhaltenskontrolle kommt. Insbesondere eine Veränderung der Beruhigungsgesten (Baseline beachten) kann ein wichtiger Hinweis sein.
Selbst-Adaptoren, Objekt-Adaptoren, Fremd-Adaptoren, Veränderungs-Adaptoren
Bei den Beruhigungsgesten unterscheidet man zwischen Selbst-Adaptoren, Objekt-Adaptoren und Fremd-Adaptoren. Zudem gibt es noch Veränderungs-Adaptoren wie Bewegungsabläufe, die bei der Handhabung von Gegenständen erlernt wurden.
Selbst-Adaptoren
Beispiele für Selbst-Adaptoren (wir berühren uns selbst)
- Ohrläppchen berühren / reiben (bei Frauen auch Ohrringe / Ketten)
- Nase, Augen, Mund anfassen
- Lippen lecken
- Stirn abwischen
- Haare zurückwerfen / hinters Ohr streichen (vor allem bei Frauen)
- Hand an Hose / Oberschenkel reiben
Objekt-Adaptoren
Beispiele für Objekt-Adaptoren
- Mit Stift spielen / auf Stift kauen
- auf dem Stuhl wippen
- Mit Kleidung hantieren
- Mit Schmuck spielen (außer, wenn Schmuck neu ist, dann ist das Tragen ungewohnt)
Fremd-Adaptoren
Beispiel für Fremd-Adaptoren
- Andere Menschen
Die häufigsten Verhaltensweisen zur Selbstberuhigung
- (Schwitzende) Hände abwischen
- Kaugummi kauen / Kaubewegung ohne Nahrungsmittel
- Auf Gegenstand kauen / mit Gegenstand spielen
- Mit den Händen / Haaren spielen
- Mit den Füßen spielen / aneinander reiben
- Wiederholte Schluckbewegungen
- Pfeiftöne
- Beim Rauchen tiefer als normal einatmen
- Krawatte zurechtziehen / Krawattenknoten od. Hemdkragen lockern
- Über Körperteile streichen (Gesicht, Nacken etc.)
- Tiefes Atmen
- Nase hochziehen
- Künstlich husten
Beruhigungsgesten Frauen
Frauen fassen sich verstärkt an Hals, Kleidung, Schmuck, Arme, Haare.
Drosselgrube am Hals bedecken = Anzeichen von Druck, Bedrohung, Unwohlsein, Unsicherheit, Nervosität.
Stirn reiben = innerlich mit sich hadern, leichtes bis schweres Unbehagen verspüren.
Nacken berühren = emotionales Unbehagen, Zweifel oder Unsicherheit.
Mit den Haaren spielen.
Beruhigungsgesten Männer
Männer fassen sich zur Beruhigung mehr ins Gesicht.
Mit der Hand zum Hinterkopf / Nacken oder zur Stirn.
Richten der Krawatte / des Hemdkragens.
Hand an die Nase.
Nase hochziehen.
Mit den Fingern neben dem Mund nach unten streichen.





